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IT for Health 2 / 2019

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E-HEALTH KONKRET Deshalb

E-HEALTH KONKRET Deshalb ist es enorm schwierig, in der Schweiz ein System für alle aufzubauen. Staaten mit mehr Zentralisierung stehen nicht vor solchen Hindernissen. Würden Sie also mehr Zentralisierung im Schweizer Gesundheitswesen begrüssen? Nicht unbedingt Zentralisierung, aber sicher eine stärkere Regionalisierung, als wir sie heute haben. Die Mehrfachrolle der Kantone, die einfach viel zu wenig zusammenarbeiten, ist eines der grossen Probleme im digitalen Gesundheitswesen – und in anderen Bereichen. Sehen Sie das Projekt EPD in Gefahr? Es ist nicht in Gefahr, aber das Projekt hinkt den Erwartungen weit hinterher, sowohl inhaltlich als auch zeitlich. Bereits jetzt wurden ja verschiedene Verspätungen und Schwierigkeiten bekannt. Ich bin nicht sehr optimistisch, dass das EPD planmässig zum Fliegen kommt. Welchen Beitrag leisten Sie, damit das EPD ein Erfolg wird? Als Politiker unterstütze ich alle sinnvollen Massnahmen, die das elektronische Patientendossier flächendeckend und umfassend ermöglichen und für eine sichere Anwendung sorgen. Krankenkassen setzen auf Apps, die den Gesundheitszustand überwachen. Kritiker sagen, damit würden Nutzerdaten gesammelt und das Solidaritätsprinzip untergraben. Wie stehen Sie dazu? Solange die Lösungen freiwillig sind, sollte man unsere Bürgerinnen und Bürger nicht bevormunden, was sie tun und lassen sollen. Und eines muss man einfach sehen: Die Sammlung von Gesundheitsdaten kann letztlich auch zu einer Optimierung des Versicherungsangebots führen. Diese Chance sollten wir nutzen. Wie wollen Sie auf diese Kritik reagieren? Bei freiwilligen Lösungen ist die Kritik unbegründet – man muss somit auch nicht darauf reagieren. Was wünschen sich die Krankenversicherungen von der Digitalisierung? In erster Linie geht es um den digitalen Datenaustausch zwischen den Krankenversicherern und Leistungserbringern. Weiter muss die möglichst flächendeckende Anwendung des elektronischen Patientendossiers unser Ziel sein. In beiden Fällen hilft dies, effizienter zu wirtschaften sowie Fehler und überflüssige Behandlungen zu vermeiden. Dies ist im Interesse der Prämien- und Steuerzahler, also der Bevölkerung. Heinz Brand, Bündner SVP-Nationalrat und Präsident von Santésuisse. Angenommen, die Krankenversicherungen könnten jedes Digitalisierungsprojekt umsetzen, was würden Sie machen? Ich würde jeder versicherten Person eine elektronische, persönliche Versichertenkarte anbieten, auf der alle nötigen Informationen vorhanden sind. Was sind die nächsten Schritte von Santésuisse auf dem Weg zum digitalen Gesundheitswesen? In der Fachgruppe «Administrationsprozesse Gesundheitswesen» arbeitet die Santésuisse-Gruppe federführend am Ziel mit, eine effiziente, fehlerfreie und weitgehend automatisierte Abwicklung des elektronischen Informations- und Datenaustausches zwischen Leistungserbringern und Kostenträgern des Schweizerischen Gesundheitswesens zu etablieren. Wie wollen Sie das bewerkstelligen? Der neue Kommunikationsstandard «SHIP» soll einen vollständig digitalen Informations- und Datenaustausch zwischen den Leistungserbringern und Kostenträgern des schweizerischen Gesundheitswesens entlang eines definierten Prozesses unter höchsten Sicherheitsstandards ermöglichen. Es geht darum, die Transparenz, Datenqualität und Abwicklungseffizienz bei allen Beteiligten markant zu erhöhen. SHIP soll die heutigen manuellen Prozesse mit Fax, Postverkehr, Telefon oder E-Mail ablösen und so erhebliche Kosten einsparen. Das Projekt macht gute Fortschritte. Wir sind zuversichtlich. 12

Strategische Handlungsoptionen im digitalen Gesundheitswesen Bei vielen Schweizer Akteuren besteht eine grosse Unsicherheit, was die richtige Reaktion auf den Digital-Health-Wandel ist. Um eine kluge Strategie zu entwickeln, sollten Entscheidungsträger die wichtigsten Systemveränderungen durch Digital Health verstehen. E-HEALTH KONKRET Unzählige Unternehmen im Gesundheitswesen arbeiten auf Hochtouren an innovativen Technologien wie «Machine Learning» oder «Blockchain». Diese haben das Potenzial, das Gesundheitswesen zu revolutionieren. Die heutige Health Value Chain wird unseren Analysen nach dadurch in drei Bereichen bedeutend verändert werden (siehe Grafik): Information & Prävention (I.), Kontaktpunkte & Patientenfluss (II.) und Diagnose & Therapie (III). Das Veränderungsfeld Information & Prävention betrifft vor allem die Hausmedizin. Beispielsweise erhalten Patienten die Möglichkeit, ausserhalb einer Gesundheitsorganisation persönliche Gesundheitsdaten mithilfe von Wearables zu erheben und anschliessend von Apps auswerten zu lassen. Das Veränderungsfeld Kontaktpunkte & Patientenfluss ist zwischen Gesundheitsanbietern und dem Patienten angesiedelt. Es zielt darauf ab, die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure zu optimieren. Das dritte Veränderungsfeld Diagnose & Therapie verändert jeden Leistungserbringer intern. Durch Digital Health können sie ihre Dienstleistungen und Produkte radikal verändern und optimieren. Digitaler Wandel in vier Schritten Was kann man nun tun, um sein Unternehmen für diese Veränderungen zu wappnen? Der Digital-Health-Wandel kann in vier Schritten angegangen werden: Als erster Schritt soll systematisch eine integrierte Strategie für den Digital-Health-Wandel ausgearbeitet werden. Zunächst kann man sich an einer der drei Grundstrategien orientieren: ∙∙ Produktführerschaft: Das Produkt beziehungsweise die Dienstleistung ist qualitativ so überlegen, dass die Konkurrenzprodukte obsolet werden. HAUSMEDIZIN I. HAUSARZT/ SPEZIALISTEN SPITAL & REHA ANDERE AKTEURE HERSTELLER & HANDEL: PHARMA, MEDTECH, APOTHEKEN, ... FISKALISCHE INTERMEDIÄRE: KRANKEN-/ UNFALLVERSICHERUNG, ... KOSTENTRÄGER: KANTONE & GEMEINDEN, VERSICHERTE, PRIVATE, ... II. ALTER & PFLEGE III. Die Autoren Alfred Angerer, Dozent und Leiter des Fachbereichs «Management im Gesundheitswesen» des Winterthurer Instituts für Gesundheitsökonomie, ZHAW Sabine Ultsch, Trainee des Fachbereichs «Management im Gesundheitswesen» des Winterthurer Instituts für Gesundheitsökonomie, ZHAW ∙∙ Operative Exzellenz: Die Produktherstellung beziehungsweise die Erbringung der Dienstleistung ist im Vergleich zur Konkurrenz günstiger, unkomplizierter und zuverlässiger. ∙∙ Kundennähe: Für jeden Kunden werden individuelle Produkte/Dienstleistungen über die gesamte Customer Journey hinweg angeboten. In einem nächsten Schritt müssen interne Strukturen und die Kultur geschaffen werden, die einen solchen Wandel überhaupt ermöglichen. So empfiehlt es sich zu beobachten, was auf dem Markt passiert, und sich mit anderen Unternehmen zu verbinden. Zudem sollte die Innovationsenergie der eigenen Mitarbeitenden mobilisiert und katalysiert werden. Nun müssen die Daten und Prozesse für die Digitalisierung vorbereitet werden. Neben der digitalen Verfügbarkeit der Daten ist es ebenso wichtig, dass die Daten strukturiert und standardisiert sind. Es muss geklärt werden, wo die verschiedenen Daten abgespeichert sind und ob die einzelnen technologischen Systeme mit dem neuen System kompatibel sind. In einem letzten Schritt kann der digitale Reifegrad iterativ erhöht werden. Mithilfe eines Reifegradmodells kann bestimmt werden, wie weit die Digitalisierung des Unternehmens fortgeschritten ist und was die nächsten Schritte zur Erreichung des nächsten Digitalisierungsgrades sind. Abschliessend ist festzuhalten, dass die exakte Auswirkung der Health-Value-Chain-Veränderung noch unbekannt ist. Dementsprechend ist ein strategisch strukturiertes, aber dennoch flexibles Vorgehen wichtig und erhöht die eigenen Erfolgswahrscheinlichkeiten. Weitere Informationen zu diesem Thema sind in der neuen Digital- Health-Studie zu finden unter www.zhaw.ch/wig/dh I. Information & Prävention II. Kontaktpunkte & Patientenfluss 13 III. Diagnose & Therapie

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