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IT for Health 2 / 2019

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PRODUKTE & TECHNIK « Algorithmen sind das Herzstück des Suits » Das ETH Spin-off Myoswiss hat einen Exo-Suit entwickelt, der Menschen mit Muskelschwächen das Gehen erleichtern soll. CEO Jaime Duarte spricht darüber, wie der Suit funktioniert und welche Pläne Myoswiss damit hat. Interview: Oliver Schneider Wie funktioniert Ihr Exomuskel? Jaime Duarte: Im Unterschied zu vielen anderen Produkten auf dem Markt entwickeln wir einen externen Muskel und keine fixe externe Struktur, wie dies bei Exoskeletten meist der Fall ist. Der «Myosuit» funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie ein menschlicher Muskel. Unser Suit verfügt über Motoren im Rucksack, welche die Kabel so anziehen, dass sie die Beinmuskulatur und die Bewegungen des Trägers unterstützen. So können sie etwa beim Aufstehen von einem Stuhl, beim Treppensteigen oder gewöhnlichem Laufen unterstützen. All das geschieht über Sensoren, die Bewegungen des Trägers erkennen und dann unterstützen – ähnlich wie ein E-Bike seinem Fahrer automatisch beispringt, wenn er in die Pedale tritt. Und wie beim E-Bike können auch wir die Stärke der Unterstützung individuell festlegen; für jedes Bein einzeln. Das ist wichtig, etwa bei der Therapie von Schlaganfall-Patienten mit einer gelähmten Körperhälfte. Was hat das mit Robotern zu tun? Eine Besonderheit unseres Suits ist der Fokus auf Soft Robotics. Normalerweise haben Roboter harte Strukturen, da sich diese leichter kontrollieren lassen. Weiche Komponenten sind anspruchsvoller im Handling, dafür aber bequemer für die Träger des Suits und flexibler einsetzbar. Deshalb setzen wir wo möglich auf Textilien und weiche, leichte Komponenten. Wir wollen, dass sich der Patient sicher und unterstützt fühlt, während er sich bewegt. Das vollständige Interview finden Sie online www.netzwoche.ch Jaime Duarte, CEO, Myoswiss. Welche Software setzen Sie ein? Abgesehen von der mechanischen Seite sind unsere Algorithmen das Herzstück des Suits. Wir wollten den Roboter intelligent und lernfähig machen, aber nicht zu intelligent, damit der Nutzer stets die Kontrolle über den Myosuit behält. Was meinen Sie damit? Wenn ein Nutzer den Myosuit zum ersten Mal trägt, kalibriert sich das System auf die Bewegungen, versucht diese zu verstehen und unterstützt dann entsprechend. Das ist sehr wichtig, denn jeder Mensch läuft anders. Der Myosuit passt sich also dem Träger und dessen Bewegungsmuster an und bietet so individuelle Unterstützung. Was machen Sie anders als Ihre Mitbewerber? Ein grosser Vorteil unseres Systems ist seine Transparenz. Das heisst, der Nutzer wird dadurch nicht in seiner Bewegungsfreiheit eingeengt oder belastet. Natürlich trägt er einen Roboteranzug, aber dieser stellt keinen Widerstand dar. Viele Exoskelette sind so aufgebaut, dass der Mensch mit einer Bewegung quasi dagegen ankämpfen muss, damit sie aktiv werden. Das ist bei uns anders. Der Nutzer hat mehr Bewegungsfreiheit und muss mittrainieren. Wo ist der Suit schon im Einsatz? Wir testen ihn aktuell in der Universitätsklinik Balgrist, im Universitätsspital Zürich und in einer Pariser Spezialklinik für neuromuskuläre Erkrankungen. Zusätzlich haben bereits einige weitere Kliniken/Studios eine Bestellung für den Myosuit aufgegeben. Wann wollen Sie den Suit auf den Markt bringen? Die Technologie wird Ende dieses Jahres einsatzbereit sein. Dementsprechend sind wir aktuell intensiv daran, Rehabilitationskliniken und Physiotherapiestudios für uns zu gewinnen, die das System als Erste nutzen wollen. Was kostet ein Exemplar? Mit unserem Exomuskel können wir uns in einem vergleichsweise günstigen Preisniveau ansiedeln – wir kosten gerade einmal ein Drittel eines klassischen Exoskeletts. Zudem gibt es auch die Möglichkeit zur Miete des Myosuits. 34

« Viele Praxen scheuen den Aufwand für einen Systemwechsel » Martin Michel, CIO von Axon Lab AG, spricht im Interview darüber, welche Anforderungen eine moderne Praxissoftware erfüllen muss und welche Hürden bei der Einführung der Software zu überwinden sind. Interview: Oliver Schneider PRODUKTE & TECHNIK Viele Arztpraxen in der Schweiz setzen noch keine elektronische Krankengeschichte ein. Wo liegen in Ihren Augen die Hürden? Martin Michel: Viele Praxen scheuen den Aufwand für einen Systemwechsel. Die historisch gewachsenen Arbeitsprozesse sind stark verankert und werden kaum hinterfragt. Die Optimierung der Abläufe zur Effizienzsteigerung stellt viele Praxen vor grosse Herausforderungen. Was sind die Anforderungen der Ärzte und medizinischen Praxisangestellten an eine Praxissoftware? Die tägliche Arbeit soll bequem und unkompliziert von der Hand gehen und medizinische Fachkräfte sollen sich auf ihre Patienten fokussieren können. Schnittstellen zu anderen Dienstleistern beziehungsweise Systemen – etwa Spitäler – sollen die Prozesse vereinfachen. Zudem ist ein professioneller Support mit kompetenten Mitarbeitenden an der Helpline gefragt. Martin Michel, CIO, Axon Lab AG. Was schätzen Arztpraxen an Axenita? Den hohen Bedienkomfort durch das moderne und intuitive User Interface. Bei der Entwicklung lag unser Fokus darauf, wiederkehrende Aufgaben zu automatisieren, Eingabemasken mit wenigen Klicks zu konzipieren und notwendige Daten möglichst unkompliziert bereitstellen zu können. Weiter schätzen unsere Kunden, dass von überall auf die Weblösung zugegriffen werden kann und als Software-as-a-Service-Lösung keine lokale Installation nötig ist. Mehrsprachigkeit, individuelle Ansichten und unkomplizierte Einstellungsmöglichkeiten sind weitere wichtige Aspekte. Wie können Arztpraxen mit Axenita dem Kostendruck entgegenwirken? Mit der Vereinfachung und Automatisierung von Aufgaben und Abläufen kann eine deutliche Effizienzsteigerung erreicht werden. Informationen sind schneller verfügbar, da alle Daten zentral abgelegt sind. Wiederkehrende Tätigkeiten können einfach abgearbeitet werden, etwa Medikamentenbestellungen, und Erinnerungen reduzieren die Fehlerhäufigkeit. Wie gewährleisten Sie Zukunftssicherheit mit Axenita? Axonlab konnte seit der Gründung 1990 als führender Partner im Bereich Präsenzdiagnostik wertvolle Erfahrungen aus den Arztpraxen sammeln und diese seit mehr als 17 Jahren erfolgreich in der Entwicklung und dem Betrieb von Praxissoftwarelösungen einsetzen. Gemeinsam mit unseren Partnern innerhalb der Schweiz aus den Bereichen Entwicklung, Betrieb und Usability Design können wir eine aktive und nachhaltige Weiterentwicklung unserer Softwarelösungen sicherstellen. Welchen Herausforderungen stehen Sie gegenüber? Der Schweizer Markt ist stark umkämpft, auch von Konkurrenzprodukten aus dem Ausland. Zudem zeichnet sich eine Konsolidierung ab. Weiter steigen die regulatorischen Anforderungen stetig an und erfordern entsprechende Lösungen. Verraten Sie uns, wie Ihre digitale Weiterentwicklungsvision aussieht? Unsere Vision ist geprägt von Vernetzungen und Partnerschaften mit Fokus auf Praxen, Labore, Verbände und technologische Partner. Mit der fortschreitenden Digitalisierung ist es uns wichtig, dass wir vermehrt auch Anforderungen rund um die Kommunikation und Interaktion zwischen Arzt – Patient und Arzt – Arzt berücksichtigen. Und natürlich wollen wir auch durch weitere innovative Themen wie Blockchain, Mobile-Apps sowie Integrationen respektive Anbindungen an Umsysteme unseren Kunden einen Mehrwert bieten. 35

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