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Netzwoche 02/2018

20 People Live blenden.

20 People Live blenden. Beim Impact Hub haben wir eine ambivalente Meinung dazu: Wachstumsfinanzierung ist gut und wichtig, wenn es den Impact von Start-ups erhöht, und dazu braucht es im Equity-Bereich nun einmal Bewertungen. Auf der anderen Seite wollen wir eine Start-up-Kultur, die nur auf Finanzierungsrunden, Bewertungen und Exits schaut, unbedingt vermeiden. Lasst uns lieber darauf fokussieren, welche grossen, relevanten Probleme Start-ups lösen. Schweizer haben oft Angst vor dem Scheitern, Fehler sind verpönt. Im Silicon Valley ist das anders. Müssen wir alle mutiger werden und mehr riskieren? Ja, das wäre wünschenswert. Uns geht es in der Schweiz so unendlich gut. Statt deswegen Risiken zu meiden, sollten wir lieber mehr Risiken eingehen. Das gilt übrigens nicht nur für Gründer, sondern vor allem auch für In vestoren, sowie Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik. « Mich hat bei der Liste der 100 Digital Shapers der Schweiz vor allem der geringe Anteil von Frauen gestört. » Christoph Birkholz, Mitgründer und Managing Director des Impact Hub Zürich Was können Unternehmen tun, um eine «Fail fast, fail often»- Kultur zu etablieren? Oder ist das gar nicht erstrebenswert? Dies hängt etwas vom Kontext ab. Bei einer SBB, einer Swiss oder einem EWZ ist «fail fast, fail often» nicht besonders erstrebenswert. Diese und andere Grossfirmen können aber Rahmenbedingungen für einzelne Teams oder Mitarbeiter schaffen, wo «failure» akzeptabel und sogar gewünscht sein kann, um Neues zu entwickeln. Wir haben dies unter anderem erfolgreich mit den Pirates von Swiss com, den Axanauten der Axa oder auch dem Ricolab bei der Ricola begleitet. Auch die Kooperation mit Anbietern wie Impact Hub oder Kickstart Accelerator ermöglichen Kulturveränderung durch operative Zusammenarbeit mit Unternehmern. Wie gut sind die Rahmenbedingungen für Start-ups in der Schweiz? Aus meiner Sicht sind die Rahmenbedingungen für Startups in der Schweiz gut. Im Vergleich zu den Rahmenbedingungen für etablierte Grossunternehmen besteht aber immer noch viel Nachholbedarf. Um den Wirtschaftsstandort Schweiz für die Zukunft fit zu machen, brauchen Start-ups die gleiche oder mehr Förderung als die grossen Firmen erhalten – ob nun im Bereich von ausländischen Fachkräften oder von Steuererleichterungen, Forschungsförderung etc. Es wird häufig gerne übersehen, wie viel Förderung grosse Player eigentlich erhalten, und dann so getan, als gäbe es einen freien Markt. Sie sind auch bei der Initiative Kickstart Accelerator aktiv. Was waren hier die bisherigen Highlights? Das grösste Highlight waren die 30 Kooperationen, Pilotprojekte und Proof-of-Concepts zwischen Start-ups und Grossunternehmen, die das Programm hervorgebracht haben. Dies reicht von ersten Produkt- und Technologietests bis hin zu kommerziellen Partnerschaften, die direkt in den Markt gehen. Damit ist der Kickstart Accelerator sicherlich unter den weltweit führenden Programmen, um Innovationen zwischen Start-ups, Grossunternehmen und Städten zu entwickeln. Welche Pläne gibt es für die Zukunft? Wir haben grosse Pläne, was die Zusammenarbeit der Impact Hubs in der Schweiz anbelangt. Diese wollen wir baldmöglichst umsetzen. Ausserdem werden wir unsere Programme und Angebote verstärkt auch ins Ausland zu anderen Impact Hubs bringen. Hier in Zürich freut es mich, dass wir noch stärker auf unsere Community sowie auf gesundes Unternehmertum setzen wollen. Auch das neu eröffnete Kraftwerk in Zürich Selnau in Zusammenarbeit mit unseren Partnern Digitalswitzerland, Engagement Migros und EWZ wollen wir weiter etablieren. Sie sind einer der 100 Digital Shapers. Was bedeutet das für Sie? Diese Ehrung freut mich natürlich – eigentlich bin ich aber kein grosser Fan von solchen Auszeichnungen. Mich hat bei der Liste vor allem der geringe Anteil von Frauen gestört. Wenn die Auszeichnung aber dazu dient, dass wir insgesamt noch mehr Dynamik und fortschrittliches Denken beim Thema Digitalisierung in der Schweiz erreichen, dann nehme ich die mit der Auszeichnung einhergehende Verantwortung gerne an. i ZUR PERSON Christoph Birkholz ist 34 Jahre alt und Unternehmer mit Basis in Zürich. Er ist Mitgründer und Managing Director des Impact Hub Zürich, dem grössten Hub in einem globalen Netzwerk von über 100 Impact Hubs. Birkholz gründete und leitet den Kickstart Accelerator, eine weltweit tätige Initiative, die Start-ups fördert und sie mit Unternehmen und Städten verbindet. Er ist ausserdem Mitgründer des Jungunternehmens inyova.com, das sich nachhaltigen Investitionen verschrieben hat. Birkholz gründete im Impact-Hub-Netzwerk mehrere Initiativen und Spinoffs, unter anderem Viaduct Ventures und das Global Impact Hub Fellowship. Er erlangte einen PhD in Impact Investing an der Universität St. Gallen, wo er auch Vorlesungen hält. Etwa zu den Themen Entrepreneurship, Innovation und Intrapreneurship. Birkholz ist auch an der Business School Lausanne und der Adschool Zürich aktiv. Er ist Alumnus der Witten/Herdecke-Universität, von Insead und der Global Shapers Community des World Economic Forums. Er ist zudem Mitglied des Sandbox Network, einer der 100 Digital Shapers der Schweiz und Verwaltungsrat des Technologie- und Engineering-Unternehmens Panter. 02 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Web Aktuell 21 China und Facebook dominieren den App-Markt Dem Schweizer Onlinehandel auf den Zahn gefühlt Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_77105 osc. App Annie, ein auf die Analyse und Beratung des App- Marktes spezialisiertes US-Unternehmen, hat eine Studie zur globalen App-Nutzung im Jahr 2017 veröffentlicht. Im Vergleich zu 2015 ist die Zahl der App-Downloads weltweit um 60 Prozent auf 175 Milliarden gestiegen, wie das Unternehmen in einer Mitteilung schreibt. Noch stärker seien die Ausgaben der App-Nutzer gestiegen. Hier verbucht App Annie einen Anstieg um mehr als 100 Prozent auf 86 Milliarden US-Dollar. Ein Zeichen dafür, dass der App-Markt «extrem gesund» sei. Mehr als 6 Millionen Apps stünden in den Stores von Apple und Google zum Download bereit. Auch die Zeit, die Menschen mit Apps verbringen, versuchte die Studie zu erfassen. Im Schnitt komme hier jeder Nutzer auf rund 43 Tage pro Jahr. Der durchschnittliche Smartphone-Nutzer habe mehr als 80 Apps installiert. Davon verwende er etwa 40 pro Monat. Hier treten laut App Annie allerdings Schwankungen zwischen den untersuchten Ländern auf. Chinesen und Japaner hätten besonders viele Apps installiert. China ist auch sonst der App-Spitzenreiter. Chinesische Nutzer überragen bei der Nutzungsdauer die anderen untersuchten Länder, auch in Relation zur Bevölkerungsgrösse. 1 von 4 mit Apps verdienten Dollar stamme aus dem chinesischen Markt. Allgemein holten unter den untersuchten Staaten die Entwicklungs- und Schwellenländer auf. Hier entstünden mit Apps völlig neue Märkte, etwa in den Bereichen Fintech, Reisen oder im Onlinehandel. Bei den zehn am häufigsten verwendeten Apps dominieren Plattformen aus dem Hause Facebook sowie dessen chinesische Konkurrenten. Die weltweit grössten Ausgaben tätigen die User dagegen bei Streaming-Diensten wie Netflix und Spotify sowie bei der Dating-App Tinder. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_76672 fpo. Der Schweizer Onlinehandel floriert, ihm stehen aber einschneidende Veränderungen bevor. Amazons Markteintritt und die europäische Datenschutzgrundverordnung werden die hiesige E-Commerce-Industrie in diesem Jahr beschäftigen. Am 16. Januar trafen sich Vertreter aus Wirtschaft und Politik in Bern, um über die kommenden Veränderungen im Schweizer Onlinehandel zu diskutieren. Rico Baldegger, Direktor der Hochschule für Wirtschaft in Freiburg, sprach über die Möglichkeiten, die sich Schweizer Händlern bei einer Internationalisierung eröffneten. Er riet, die Kompetenzen für eine Internationalisierung intern aufzubauen statt auszulagern. Der Genfer Rechtsanwalt Alex Naray ist selbst auf Amazon aktiv und sprach über die Vorzüge der Plattform und wie leicht es sei, als Händler Zugang zur Plattform zu bekommen. Ausserdem profitierten Händler von umfangreichen Verkaufsanalysen für einzelne Produkte. «Amazon ist nicht nur unser Feind», sagte Naray. Die Hälfte der verkauften Waren bei Amazon komme von Drittanbietern. Sichtlich verärgert über die seiner Meinung nach Bevorteilung ausländischer Anbieter zeigte sich Patrick Kessler, Präsident des Verbands des Schweizerischen Versandhandels (VSV). Ausländische Firmen zahlten der Post weniger als die Schweizer Wettbewerber. Die «Free- Lunch- Mentalität» ohne Mehrwertsteuerabrechnung für Einkäufe bis 65 Franken sei viel zu hoch angesetzt im Vergleich zu den 22 Euro in der EU. Kessler forderte, dass die Schweiz an der EU-Sonderregelung Mini-One-Stop-Shop teilnehmen solle, damit die Mehrwertsteuerabrechnung zentral übermitteln werden könne. Die E-Commerce-Konferenz fand im Berner Rathaus statt. WWW.NETZWOCHE.CH SRF digitalisiert Archiv osc. SRF hat im Rahmen des Projekts «BetaSuisse» mehr als 120 000 Videokassetten mit Fernsehsendungen aus über 55 Jahren Fernsehgeschichte digitalisiert. Zum digitalisierten Bestand gehören laut einer Mitteilung von SRF aktuelle Sendungen wie die «Tagesschau», die «Rundschau» oder der «Kassensturz», aber auch frühere Programme wie «Teleboy» oder «Viktors Spätprogramm». Mit der Digitalisierung seines Archivbestands engagiere sich SRF für die langfristige Erhaltung des audiovisuellen Kulturguts der Schweiz. ▸ Webcode DPF8_76550 Wikimedia CH unterstützt Parldigi mur. Wikimedia CH ist seit Jahresbeginn Träger der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit (Parldigi). Der Verein unterstütze das überparteiliche Komitee finanziell und inhaltlich, heisst es in einer Mitteilung. Weitere Träger von Parldigi sind CH Open, Opendata.ch und die Schweizerische Informatikgesellschaft. Sie befähigen Parldigi laut Mitteilung dazu, sich für eine nachhaltige Digitalisierung in der Schweiz einzusetzen. ▸ Webcode DPF8_77570 «Bon pour la tête» sieht sich auf Kurs jor. Das Lausanner Onlinemagazin «Bon pour la tête» sieht sich auf gutem Weg. «Wir verzeichnen mehr und mehr Abonnemente», lässt sich Mitgründerin Florence Perret im «St. Galler Tagblatt» zitieren. Das Onlinemagazin ging im Juni 2017 an den Start. Eine Million Seiten seien seit der Lancierung aufgerufen worden. «Bon pour la tête» beschreibt sich selbst als unabhängiges, «widerspenstiges Medium», das ohne Verleger arbeitet und ausschliesslich von den Abonnementsgebühren seiner Leser lebt. ▸ Webcode DPF8_77990 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 02 / 2018