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Netzwoche 02/2018

26 Technology Research

26 Technology Research Die Cloud bleibt das Zugpferd des ICT-Marktes Auf der Basis unseres Frühjahrs-Updates 2018 rechnen wir für das laufende Jahr mit einer Zunahme der gesamten ICT-Ausgaben (B2B) im Schweizer Markt von 3,4 Prozent oder um knapp 600 Millionen Franken auf insgesamt 17,9 Milliarden Franken. DER AUTOR Mittlerweile entfallen über 60 Prozent – oder anders formuliert, drei von fünf Franken – eines durchschnittlichen ICT-Budgets eines Schweizer Unternehmens auf extern bezogene Dienstleistungen. Vor 20 Jahren lag dieser Anteil bei gerade einmal rund 30 Prozent und wurde noch kaum von sogenannten Soucing-Services beherrscht. Heute wiederum sind es gerade diese von externer Seite bezogenen ICT-Betriebsleistungen, die zentralen Einfluss auf das Gesamtmarkt-Wachstum ausüben. Allerdings hat heute die Fülle und damit Bandbreite der auf dem Markt angebotenen Dienstleistungen im Cloud-Zeitalter markant zugelegt. Waren die Dienste ehemals auf den Kern der Professional-Services wie Implementierung und Integration beschränkt, hat sich das Spektrum der heute angebotenen Portfolioleistungen deutlich verbreitert. Ohne Cloud, keine Digitalisierung Wir rechnen im laufenden Jahr allein im Bereich der Cloud-Professional-Services mit einer Zunahme der Ausgaben um über 22 Prozent. Und ohne die Cloud würde die Digitalisierung in all ihren Facetten kaum stattfinden. VERSCHIEBUNG DER ANTEILE, BETRIEB DER INFRASTRUKTUR, AUSGABEN Der Managed- und Cloud-Services-Anteil legt deutlich zu Eigenbetrieb der Infrastruktur (On-Premise) Quelle: MSM Research AG Philipp A. Ziegler Geschäftsführer, MSM Research AG 31 % 69 % externe Managed / Cloud-Services 65 % 35 % Mehr noch, die Cloud gilt als eigentlicher Katalysator der digitalen Transformation. Und je mehr die Proliferation der Digitalisierung zunimmt, je mehr werden Cloud- Dienste nachgefragt und in Anspruch genommen. Es sind aber nicht nur die Services rund um die Wolke, die das Wachstum des gesamten ICT-Marktes antreiben. Primär sind es die Cloud-Plattformen und -Lösungen selbst, die als eigentliche Initialtreiber des Marktes gelten. So steigen die Ausgaben für die Public- und Private- Cloud-Services im laufenden Jahr um über 27 Prozent. Dies über alle Services hinweg, das heisst, Infrastructureas-a-Service, Software-as-a-Service und Platform-as-a- Service zusammengenommen. Hier sind es die Leistungen im Bereich der SaaS, welche die höchsten Zuwachsraten aufweisen, am meisten werden diese im Markt der kleineren und mittleren Unternehmen zulegen. Externe Dienste legen weiter zu Unsere laufenden Erhebungen zur Struktur der Ausgaben zeigen, dass die Ausgaben für externe Cloud und Managed Services im Bereich ICT-Infrastruktur (Schwerpunkt Server, Back-up und Datacenter-Dienste) überdurchschnittlich zulegen. Während dieser Anteil 2014 noch bei 31 Prozent lag, rechnen wir bis 2019 mit einem Anstieg auf 65 Prozent. Insgesamt werden 2018 2,8 Milliarden Franken für Cloud-Services (Private und Public) aufgewendet, weiter entfallen zusätzliche rund 2 Milliarden Franken auf die Cloud-Professional-Services. Beides sind Teilmärkte mit Wachstumsraten von deutlich über 20 Prozent. Damit wird das Wachstum des Marktes nicht mehr durch Ausgaben und Investitionen in eigene Infrastrukturen und Lösungsumgebungen generiert. Die Zunahme an Geldern, die nach extern fliessen, legt stärker zu als die Aufwendungen für den Eigenbetrieb. So erwarten wir im laufenden Jahr im Bereich der externen Sourcing- und Cloud-Services einen Wachstumssprung von 15 Prozent. Ohne diese Services gibt der übrige Teil der ICT- 2014 2019 Artikel online Ausgaben um 6 Prozent nach. auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_78406 02 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Event 27 Infoguard zeigt sein Cyber Defence Center Infoguard hat in Baar seinen Innovation Day veranstaltet. Über 25 Partner des Unternehmens hielten Referate, etwa über Advanced Persistent Threats, Krypto-Trojaner und die EU-Datenschutz-Grundverordnung. Die Veranstaltung zeigte, dass die Angriffsvektoren auf Unternehmen in den letzten Jahren massiv zugenommen haben. Autor: Marcel Urech Infoguard hat zum Innovation Day nach Baar geladen. Der Event war sehr gut besucht. Über 25 Netzwerk- und Sicherheitsunternehmen präsentierten ihre Lösungen. Kampf gegen Advanced Persistent Threats Stefan Rothenbühler, Senior Cyber Security Analyst bei Infoguard, sprach über Advanced Persistent Threats (APT). APTs sind komplexe Attacken auf IT-Infrastrukturen, die oft lange unentdeckt bleiben. Die Angreifer gehen sehr bestimmt vor. Sie wollen über einen längeren Zeitraum Daten ausspähen oder gezielt Schaden anrichten. Wie können Unternehmen solche Attacken verhindern? «Das ist eine grosse Herausforderung», sagte Rothenbühler. Für die Suche nach APTs gebe es zwar Tools, zum Beispiel Netwitness, Crowdstrike, Tanium, Fireeye und Carbon Black. Trotzdem müsse man wissen, wonach man genau suche. Es reiche eben nicht aus, massenhaft Logfiles anzulegen, diese aber nicht richtig auszuwerten. Infoguard arbeitet mit Kunden zusammen, etwa bei der Suche nach Ausreissern und Anomalien. «Wir sprechen mit den Unternehmen, um herauszufinden, was in ihrem Netzwerk normal ist und was nicht», sagte Rothenbühler. Kennzahlen für IT-Sicherheit Ernesto Hartmann, Chief Security Operations Officer bei Infoguard, sprach über das Cyber Defence Center des Unternehmens. Es kümmert sich rund um die Uhr um Support- und Helpdesk-Anfragen sowie ausgelagerte Cloud- Dienste und Managed-Security-Services. Unternehmen seien sich oft nicht bewusst, wie wenig es brauche, dass die Sicherheit ihrer IT gefährdet sei, sagte Hartmann. Risiken zu identifizieren, erfahrene Administratoren zu haben und die Compliance einzuhalten, reiche für eine gute IT-Sicherheit nicht mehr. Habe eine Firma zum Beispiel 100 Mitarbeiter, gebe es in der Sicherheitskette 100 potenziell schwache Glieder, so Hartmann. Infoguard liefere auch Kennzahlen für die Geschäftsleitung. IT-Sicherheit werde so mess- und nachvollziehbar. Die durchschnittliche Anzahl kritischer Schwachstellen zu senken, sei ein mögliches Ziel, sagte Hartmann. Herausforderung EU-DSGVO Thomas Plein referierte über die EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO). Die EU-DSGVO sei auch für Schweizer Unternehmen relevant, sagte der Channel Manager DACH von Varonis. Das Unternehmen biete Lösungen an, die Daten, die unter die EU-DSGVO fallen, automatisch erkennen sollen. Das erleichtere die Einrichtung von Zugriffskontrollen und die Aktualisierung von Sicherheitsrichtlinien. «Es ist immer wieder erstaunlich, auf was für Daten die Angestellten in Unternehmen Zugriff haben», sagte Plein. Er rät Firmen, auf das Prinzip des geringst nötigen Zugriffs zu setzen. Es helfe, die EU-DSGVO richtig umzusetzen. Denn diese biete einige Knacknüsse für Unternehmen. Sie verlange zum Beispiel, dass Unternehmen den Aufsichtsbehörden melden, wenn der Schutz personenbezogener Daten verletzt werde. Dafür sei es wichtig, Angriffe früh zu erkennen und richtig auf sie zu reagieren. Deep Learning für die Cyberabwehr Sascha Paris, Senior Sales Engineer von Sophos, sprach über Ransomware. Das Unternehmen bietet die Software Intercept X an, die parallel zu einem Virenscanner laufen kann. Die Anwendung könne mit automatisierten Back-ups verhindern, dass ein Krypto-Trojaner mit der Verschlüsselung von Daten Schaden anrichte, sagte Paris. 2018 werde Sophos auch Deep-Learning-Technologien in Intercept X einbauen. Sie sollen bei der proaktiven Erkennung von Malware helfen, mit mathematischen Modellen statt Signaturen. Da es pro Jahr etwa 100 Millionen «unique malware samples» gebe, seien Signaturen zunehmend nutzlos. Es sei sinnvoller, sich auf die rund 25 bekannten Exploit-Techniken zu konzentrieren. «Wir überwachen die Angriffsmethoden, müssen aber nicht wissen, welcher Angriff genau gefahren wird», sagte Paris. Der Infoguard Innovation Day 2018 war sehr gut besucht. Bild: Infoguard Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_77411 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 02 / 2018