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Netzwoche 04/2018

12 Business Porträt

12 Business Porträt Comdat – vom Druckerhändler zum Systemhaus Vor 30 Jahren ist Comdat als kleine Druckerfirma gestartet. Mitgründer und Geschäftsführer Sergio Kaufmann baute das Unternehmen auf, machte es zum Systemhaus und trat als einer der ersten im Schweizer Markt mit Managed Print Services an. Nun setzt er die Segel für weiteres Wachstum. Autor: Joël Orizet « So gut wie jedes Gerät, das wir heute verkaufen, bringen wir mit Managed Print Services an unsere Kunden. » Sergio Kaufmann, Geschäftsführer und Mitgründer von Comdat Sergio Kaufmann hat seine Karriere als Techniker begonnen. Nachdem er eine Ausbildung zum Maschinenkonstrukteur absolviert hatte, tauchte er beim Peripheriehaus Kontron in die Welt der Drucker und Terminals ein. Berufsbegleitend machte er am Zürcher Abendtechnikum eine Ausbildung zum Elektroingenieur. Die Informatik faszinierte ihn. «Ich suchte schon immer die Balance zwischen Theorie und Praxis», sagt er. 1988 gründete Kaufmann mit zwei Partnern die Firma Comdat. «Anfangs waren wir noch eine kleine Druckerfirma», erinnert sich Kaufmann mit einem Lächeln. Mit 26 Jahren war er der Jüngste im Bunde. Viel Herzblut habe er ins Unternehmen gesteckt. «Ich setzte alles auf eine Karte, arbeitete Tag und Nacht.» So lernte er schnell, sich durchzusetzen. 1993 übernahm er die Unternehmensführung. Und aus dem Techniker wurde ein Stratege. Einer, der ebenso behutsam wie beherzt auftritt. Vom Distributor zum Integrator Ursprünglich handelte Comdat mit Peripheriegeräten. Als Distributor für Postscript-Drucker von Texas Instruments machte sich das Unternehmen mit Sitz in Schlieren einen Namen. Kaufmann wollte jedoch mehr. Die Zukunft sah er im Integrationsgeschäft. Also stellte er die Weichen neu. Es war die Zeit, als PCs die Büros eroberten. Comdat verkaufte zunächst Geräte von Siemens und Toshiba. Später vereinbarte Kaufmann eine Partnerschaft mit Compaq. Sergio Kaufmann, Geschäftsführer und Mitgründer von Comdat «Dies schaffte damals längst nicht jeder», sagt er stolz. Comdat begann auch früh, Netzwerke aufzubauen. Zuerst auf Basis von Novell-Software, dann mit Windows NT. Alles aus einer Hand Als Systemhaus plant, baut und unterhält Comdat IT-Infrastrukturen für mittelgrosse Unternehmen. Zurzeit bedient das Unternehmen über 1000 Kunden – insbesondere im Wirtschaftsraum Zürich. Ihnen bietet Comdat Infrastrukturlösungen für Server, Netzwerke, Storage, Virtualisierung, Collaboration und Workplace-Management. Zu den wichtigsten Partnern von Comdat zählen Microsoft, HPE, HP Inc., VMware und Barracuda. Das Druckergeschäft blieb das zweite Standbein des Unternehmens. «So können wir unseren Kunden so gut wie alles aus einer Hand anbieten», sagt Kaufmann. 2010 übernahm Comdat das Zürcher Unternehmen Serviceone und wurde so zum Xerox-Konzessionär. Nach und nach stärkte das Unternehmen seine Marktstellung. «Von insgesamt zehn Xerox-Konzessionen in der Schweiz besitzen wir bereits vier», sagt Kaufmann. Mit Lösungen auftrumpfen Das Druckergeschäft gibt Kaufmann eine gewisse Gelassenheit, wie er anmerkt. Denn im Vergleich zur IT sei der Druckermarkt etwas stabiler. «Im Prinzip geht es hier darum, möglichst viele Standplätze zu haben und mit Dienstleistungen einen Mehrwert zu bieten», sagt er. Comdat bot als eine der ersten Schweizer Firmen Managed Print Services an, wie Kaufmann erklärt. «2010 lief das Druckergeschäft noch ausschliesslich über den Geräteverkauf.» Heute seien vor allem Lösungen gefragt. «So gut wie jedes Gerät, das wir heute verkaufen, bringen wir mit Managed Print Services an unsere Kunden.» Das Geschäft läuft gut, wie Kaufmann erklärt. Auch nach 30 Jahren zeigt er Freude daran, Pläne zu schmieden. «Im Integrationsgeschäft wollen wir weitere Projekte gewinnen und aus eigener Kraft wachsen», sagt er und ergänzt: «Es liegt an uns, immer besser zu werden.» Im Druckergeschäft plant er den nächsten Coup. «Dieses Jahr dürfte noch die eine oder andere Übernahme folgen», lässt der Geschäftsführer durchblicken. 04 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Studie 13 Schweizer Onlinehandel wächst zweistellig Der Schweizer Onlinehandel hat auch 2017 mächtig zugelegt. Im Bereich Heimelektronik stieg der Umsatz auf über 2 Milliarden Franken. Seit 2011 verdreifachten sich die Einkäufe bei ausländischen Onlineanbietern. Manche Onlinehändler wuchsen um über 100 Prozent. Es gibt aber auch Verlierer. Autor: Fabian Pöschl Der E-Commerce-Boom hält unvermindert an. Das bestätigten Vertreter von GfK Switzerland und des Verbands des Schweizerischen Versandhandels VSV an einem Presseevent in Zürich. Gemeinsam mit der Schweizerischen Post führten sie eine Gesamtmarkterhebung für den Onlineund Distanzhandel unter 200 Firmen durch. Fazit: Der Schweizer Onlinekonsum wuchs auch im vergangenen Jahr um 10 Prozent. Schon die Jahre zuvor war das Wachstum ähnlich hoch. Der Anteil des Onlinehandels am gesamten Schweizer Detailhandel stieg auf 7,6 Prozent. Der Onlinehandel wächst im Vergleich zum übrigen Detailhandel. Nahm der Umsatz im gesamten Schweizer Detailhandel im vergangenen Jahr um 600 Millionen auf 91,9 Milliarden Franken ab, stieg er im E-Commerce um 800 Millionen auf 8,6 Milliarden Franken an. Die grossen Händler werden grösser Die 8,6 Milliarden Franken Umsatz im Onlinehandel setzen sich zusammen aus 6,25 Milliarden Franken B2C- Geschäfte in der Schweiz, 1,6 Milliarden Franken Onlineeinkäufe im Ausland und 750 Millionen Franken über Auktionsplattformen und Marktplätze. Viele Onlineanbieter hätten grosses Wachstum erzielt, manch einer über 100 Prozent. Es gebe im Onlinehandel aber nicht nur Gewinner, bemerkte Thomas Hochreutener, Direktor Handel bei GfK Switzerland. 46 Umfrageteilnehmer hätten einen Umsatzrückgang gemeldet. Hochreutener stellt eine Konzentration fest. Die grossen Händler würden grösser, während immer mehr kleine Anbieter schliessen müssten. Lebensmittelgeschäft auf kleiner Flamme Der Onlinehandel mit Lebensmitteln ist laut Hochreutener mit einem Anteil von 2,3 Prozent (+0,1 Prozent) noch auf kleiner Flamme. Im Non-Food-Bereich sei der Onlineanteil mit 14,2 Prozent (+1,7 Prozent) aber substanziell. Bis 2020 könnte der Anteil laut den Studienverfassern auf 20 Prozent ansteigen. Schon viel weiter ist die Entwicklung im Segment Heimelektronik mit einem Onlineanteil von 31 Prozent (+2 Prozent). Damit habe sich der Onlineanteil in sieben Jahren um eine Milliarde verdoppelt. Zur Heimelektronik zählt GfK Consumer Electronics, IT/Büromaterial, Telekom, Foto, Haushaltskleingeräte und Multi Technical Goods. Für die kommenden drei Jahre gehen VSV und GfK davon aus, dass der Onlinehandel weiter wachsen wird, insbesondere der Onlineeinkauf im Ausland. Auch soll die Marktbereinigung im Onlinehandel und im stationären Handel weitergehen. Online werde es weniger Platz für die Mitte geben – mit wenigen grossen und vielen kleinen Nischenanbietern. ENTWICKLUNG MARKTVOLUMEN 2010 – 2017 Online- und Versandhandel Umsatz in Mrd. Franken ▪▪ Online-Versandhandel wächst 2017 um total 10 Prozent oder 800 Millionen Franken (ohne Abholstationen) 1 ▪▪ Direkte Cross-Border-Online-Einkäufe mit Lieferung in die Schweiz nehmen überproportional zu Schweiz 4.6 5.1 2010 4.75 5.3 2011 Ausland 5.1 5.7 2012 5.45 6.25 1 2013 6.7 1 2014 7.2 1 2015 7.8 1 2016 1 Wichtig: Abholstationen im benachbarten Ausland im Jahr 2013 von 200 Mio. CHF und 250 Mio. CHF im Jahr 2015 resp. 2016 wurden in dieser Grafik nicht berücksichtigt. *Schätzung. / Basis: Gesamtmarkt B2C, C2C, Einkäufe im Ausland / Quelle: GfK 2018 | Online- und Versandhandelsmarkt Schweiz 2017 | 20. Februar 2018 Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_81515 5.8 6.1 6.5 7.0 8.6 1 2017* Wertmässiger Anteil am gesamten Schweizer Detailhandel – Jahr 2017 plus 1,6 Milliarden Franken Einkäufe der Schweizer im ausländischen Onlinehandel 7,6 % Schweizer Detailhandel 92 Mrd. CHF Quelle Detailhandel: BAK Basel, Februar 2018 GfK 2018 | Online- und Versandhandelsmarkt Schweiz 2017 | 20. Februar 2018 « Die grossen Händler werden grösser und immer mehr kleinere Händler müssen schliessen. » Thomas Hochreutener, Direktor Handel bei GfK Switzerland www.netzwoche.ch © netzmedien ag 04 / 2018