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Netzwoche 04/2018

44 SPECIAL KOMPAKT

44 SPECIAL KOMPAKT Unternehmens-IT In Kooperation mit FHNW Quo vadis IT? Zur Zukunft der Unternehmens-IT Im Zuge der digitalen Transformation führt kein Weg daran vorbei, die Unternehmens-IT zu transformieren. Doch wie genau verändert sich die IT, und wie begünstigt der Einsatz von Cloud-Technologien eine innovative und zukunftsorientierte Entwicklung der IT? DIE AUTORIN Stella Gatziu Grivas Professorin am Institut für Wirtschaftsinformatik an der FHNW Der Einsatz von Cloud sprengt die Grenzen der bisher üblichen Zuständigkeitsbereiche und zwingt Business und IT zu einer neuen Rollenverteilung. Die digitale Transformation verlangt Innovationen bei den Geschäfts- und Wertschöpfungsmodellen, die von der IT und dem Business gemeinsam konzipiert und umgesetzt werden. Das resultiert in einem Rollen- und Kulturwandel der IT-Organisation, wobei Kreativität, Flexibilität, Designkompetenz sowie Partnermanagement an Bedeutung gewinnen. Weit entwickelte organisationsbezogene Fähigkeiten werden aufgebaut. Viele IT-Organisationen haben lange Jahre daran gearbeitet, Implementierungskompetenzen zu entwickeln und eine Dienstleistungskultur zu etablieren. In der IT-Organisation der Zukunft geht es jedoch vielmehr darum, eine Innovationskultur zu leben, die auch unternehmerisches und risikoorientiertes Handeln und Entscheiden einschliesst. Aktuell im Gespräch bei mittleren und grösseren Unternehmen ist die Entwicklung einer IT-Organisation, welche die Innovationsfähigkeit des Unternehmens unterstützt und es ermöglicht, den Kunden proaktiv zu begegnen. Denn die IT kann ihre Existenzberechtigung nur behalten und ihre zentrale Rolle weiter ausbauen, wenn sie sich aktiv in die Entwicklung des Business einbringt. Konkret bedeutet dies: Sie muss sich ganz eng an das Business binden und den digitalen Wandel gemeinsam mit dem Business gestalten – im Rahmen einer unternehmensweiten Transformationsstrategie. Die IT als Businesspartner stellt ganz andere Ansprüche an die Fähigkeiten der IT-Mitarbeitenden. Es muss ein Verständnis der Geschäftsanforderungen vorhanden sein und ein Gespür für deren Umsetzung in Form von technischen Lösungen und deren Management. Das sind die Schlüsselkompetenzen der IT-Mitarbeitenden der Zukunft, die sowohl die IT- als auch die Businesssprache beherrschen müssen. Soweit zur neuen Rolle der IT. Doch welche Bedeutung hat die Cloud dabei? Kann diese neue Rolle gar nur mit einem Cloud-Einsatz erreicht werden? Cloud eröffnet ganz neue Möglichkeiten für die Bereitstellung der IT und vereinfacht den Zugang zu hochqualitativen IT-Lösungen enorm. Es sind die Cloud-Services, die im Rahmen der Transformation dazu geführt haben, dass sich die Unternehmens-IT von einer technikzentrierten Dienstleistungseinheit zum Service-Broker und Businesspartner wandelt. In enger Zusammenarbeit mit dem Business ist die IT vermehrt zuständig für die Definition der Anforderungen und die Auswahl und die Integration der Services. Gleichzeitig geht heute die Motivation für einen Cloud- Einsatz weit über den Aspekt der Kostenersparnis hinaus. Eine optimale Nutzung bedeutet stattdessen, mithilfe von Cloud die Agilität für die IT zu schaffen, den Kunden in den Fokus zu setzen und neue Businessmodelle zu generieren. Dies setzt voraus, dass Cloud strategisch positioniert und eine Cloud-Strategie definiert wird. Zusammenfassend lässt sich festhalten: Der Einsatz von Cloud im Zuge der digitalen Transformation sprengt die Grenzen der bisher üblichen Zuständigkeitsbereiche und zwingt Business und IT zu einer neuen Rollenverteilung. Illustration: kindo / iStock.com 04 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

In Kooperation mit FHNW Unternehmens-IT SPECIAL KOMPAKT45 « Die interne IT muss sich transformieren und zum Cloud-Broker wandeln » Am 14. März findet zum 5. Mal der Cloud Use Cases Day statt, veranstaltet von der Fachhochschule Nordwestschweiz und Swiss-ICT. Stella Gatziu Grivas, Professorin am Institut für Wirtschaftsinformatik an der FHNW, spricht im Interview über die Veränderungen in der Unternehmens-IT und den Schwerpunkt der diesjährigen Veranstaltung. Interview: Christoph Grau Für Ihren Cloud Use Cases Day am 14. März haben Sie hochkarätige Referenten gefunden. Was ist der thematische Fokus? Stella Gatziu Grivas: Heute ist die Situation so, dass die Unternehmens-IT mehr und mehr als Business Enabler agiert. Auf der anderen Seite hat das Business auch Zugang zu IT-Services ausserhalb des Unternehmens. Anders gesagt: Der Einsatz von Cloud-Technologien im Zuge der digitalen Transformation sprengt die Grenzen der bisher üblichen Zuständigkeitsbereiche und zwingt Business und IT zu einer neuen Rollenverteilung. Daraus entsteht ein Spannungsfeld, das sowohl Chancen als auch Gefahren birgt. Diesem Spannungsfeld zwischen Business und IT widmet sich der diesjährige Cloud Use Cases Day mit seinem Programm. Sie führen den Event bereits zum 5. Mal durch. Wie hat sich das Verständnis beziehungsweise die Einstellung zur Cloud in den letzten Jahren verändert? Wenn man die Use Cases der vorherigen Durchführungen mit den diesjährigen vergleicht, werden sofort die Veränderungen ersichtlich: Der Cloud-Einsatz führt erstens zu neuen Geschäftsmodellen, wie etwa Flight-Delay-Versicherungsprodukte oder Robo-Inkasso- Lösungen, zweitens zu neuen Wegen, den Kunden ins Zentrum zu stellen und ihm zu begegnen, wenn etwa die Zufriedenheit von Reisenden mit Sentiment-Datenanalyse untersucht oder Marketing mit KI-Ansätzen betrieben wird. Und drittens führt der Cloud- Einsatz zu Prozessoptimierungen, als Beispiel können hier Relocation-Lösungen genannt werden. Welche Rolle spielt die Cloud bei der digitalen Transformation von Unternehmen? Cloud ist ein Enabler für die digitale Transformation. Die Cloud ermöglicht einen schnellen Zugang zu Services, die skalierbar sind. Das Unternehmen erhält dadurch die Agilität, um auf die Marktverhältnisse reagieren und neue Geschäftsmodelle entwickeln zu können. Cloud bietet die Möglichkeit, neue Geschäftsmodelle auszuprobieren – ohne hohe Vorabinvestitionen. Dies manifestiert sich deutlich in Platform-as-a-Service-Angeboten, die Zugang zu sehr mächtigen Entwicklungsumgebungen ermöglichen, die rege genutzt werden. Aus diesem Trend entstehen derzeit mehr und mehr sogenannte «Cloud-Garagen». Wie verändert sich die Rolle der IT im Zuge eines Cloud­ Einsatzes? Die Vielfalt von Cloud-Services, die schnelle Bereitstellung und die Automatisierung der Cloud-Services stellen die interne IT vor neue Herausforderungen. Um eine Schatten-IT zu vermeiden, muss sich die interne IT transformieren und zu einem Cloud-Broker wandeln. Der Cloud-Broker definiert Richtlinien, verwaltet den Servicekatalog, holt die Business-Bedürfnisse ab und nimmt die Serviceauswahl vor. Dabei werden Vorteile, Risiken und Sicherheitsaspekte in Betracht gezogen. Sehen Sie auch Gefahren beim Einsatz der Cloud? Ja, ein Cloud-Einsatz ist mit Gefahren verbunden. Beispielsweise durch die falsche Auswahl des Providers oder der Services. Um dies zu verhindern, muss die IT ihre Rolle als Cloud-Broker wahrnehmen. Ausserdem muss man einen Cloud-Einsatz gründlich vorbereiten – im Rahmen einer Cloud-Strategie. Weiter müssen Daten klassifiziert und die IT-Landschaft standardisiert werden. « Ein Cloud-Einsatz ist mit Gefahren verbunden. Beispielsweise durch die falsche Auswahl des Providers oder der Services. » Stella Gatziu Grivas, FHNW. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 04 / 2018