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Netzwoche 04/2018

10 Business Event Bosch

10 Business Event Bosch und Daimler lassen Autos selbstständig parkieren Am ersten Tag von Boschs IoT-Konferenz «Connected World» hat sich alles um selbstfahrende Autos gedreht. Bosch und Daimler zeigten selbstparkierende Autos. Am zweiten Tag des Events sprach Panalpina-CEO Stefan Karlen über seine Vision der Logistik der Zukunft. Autor: Christoph Grau Neue Geschäftseinheit für die Mobilität der Zukunft Der Bosch-Chef verkündete am Event auch die Gründung der achten Geschäftseinheit der Firma. Sie trägt den Namen «Connected Mobility Solutions». Zurzeit arbeiten rund 600 Personen in diesem Bereich. Ein kleiner Teil im Vergleich zu den rund 400 000 Mitarbeitern des Unternehmens. Für Denner ist es aber ein Wachstumsbereich. Aktuell arbeiten die Ingenieure an Software und neuen Lösungen rund um das Thema Mobilität. Die selbstparkierenden Autos gehören dazu. Das automatisierte Fahren ist das ganz grosse Thema bei Bosch. In der Pipeline ist etwa der «Highway Pilot», der automatisch die Kontrolle übernimmt, wenn ein Auto auf die Autobahn fährt. Volkmar Denner, CEO von Bosch « Supply-Chain ist mehr, als nur ein Produkt zu bewegen; es geht darum, Menschen und Güter miteinander zu verbinden. » Stefan Karlen, CEO, Panalpina Bosch hat am 21. und 22. Februar zur IoT-Messe «Connected World» nach Berlin geladen. 4000 Gäste folgen dem Ruf des Unternehmens. Der Andrang war so gross, dass die Besucher vor der Eröffnung lange anstehen mussten, um in die Veranstaltungshalle «Station-Berlin» zu gelangen. Dieter Zetsche lässt einparkieren Bosch-CEO Volkmar Denner hielt die Keynote am ersten Tag. Er wurde von Daimler-Chef Dieter Zetsche zum Event chauffiert. Während sich Zetsche und Denner auf den Weg zur Bühne machten, fuhr das Auto selbstständig zu einem speziell vorbereiteten Parkplatz auf dem Gelände, der sogenannten Drop-off-Zone. Auf dem Weg dahin reagierte das Auto auf plötzlich auftauchende Hindernisse. Zunächst soll diese Technologie im Parkhaus des Daimler-Museums in Stuttgart erprobt werden. Aktuell gebe es noch keine Autos, welche die Technologie unterstützten, Gespräche mit Herstellern seien aber im Gange, sagte Denner. Eigene Sensoren im Auto benötigt die Technologie nicht. Bosch und Daimler wollen das Parkhaus durch Nachrüsten für das automatische Parkieren vorbereiten. Mit Sensoren und speziellen Markierungen werde dies möglich. Panalpina arbeitet mit Bosch an der Logistik 4.0 Bosch verbindet bereits eine lange Partnerschaft mit dem Schweizer Logistikunternehmen Panalpina. Am zweiten Tag der «Connected World» kam Panalpina-CEO Stefan Karlen nach Berlin. «Supply-Chain ist mehr, als nur ein Produkt zu bewegen; es geht darum, Menschen und Güter miteinander zu verbinden», sagte Karlen. Als er 1991 in der Logistik begonnen habe, seien noch Telefon und Fax die Kommunikationsmittel der Wahl gewesen. Heute wollten die Kunden hingegen alles in Echtzeit über ihre Waren wissen, vom genauen Standort bis hin zur Temperatur. Karlens Vision ist es, dass Waren in Zukunft ihre eigenen Entscheidungen treffen, ähnlich wie ein Mensch, der nach einem annullierten Flug neue Wege zum Ziel suche. Mit Bosch erprobt Panalpina gerade Sensoren an Frachtpaketen. Über diese Geräte lässt sich die Fracht in Echtzeit verfolgen. Wenn sich etwa ein LKW verspäte, werde die Zentrale informiert, damit der Lieferweg angepasst werde. Dies könne beispielsweise die Umbuchung auf einen anderen Flug sein. Gleichzeitig seien die Pakete mit einem E-Ink-Display ausgestattet. Der dort abgebildete QR-Code und die dazugehörigen Informationen liessen sich auch aus der Ferne anpassen. Damit sind Anpassungen auch von unterwegs mit wenigen Mausklicks möglich, wie Karlen demonstrierte. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_81671 / 04 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Das Publikum stellte Fragen zum Handel mit Daten, zur Cloud und zur Verwendung von Fotos. Schweizer KMUs und der EU-Datenschutz Am Business Breakfast der FFHS ist die Umsetzung der EU-Datenschutz-Grundverordnung bei KMUs im Zentrum gestanden. Experten aus Recht und Technik teilten ihr Wissen mit dem Publikum. Autor: Oliver Schneider Die Fernfachhochschule Schweiz (FFHS) hat zu einem Business Breakfast im Zeichen der neuen Datenschutz- Grundverordnung der Europäischen Union (EU-DSGVO) geladen. Auf Schweizer Unternehmen, die Daten von Personen in der EU verarbeiten, kommt mit der Verordnung einiges an Umsetzungsarbeit zu. Doch können Firmen auch davon profitieren, wenn sie die Regeln bis zum 25. Mai umsetzen? Die Veranstaltung versuchte, auf diese und andere Fragen eine Antwort zu geben. Als erste Referentin beleuchtete Claudia Leonie Wasmer das Thema aus rechtlicher Perspektive. Bislang habe man die Bürger vor dem Staat schützen müssen, sagte die Juristin. Die EU-DSGVO sei ein Zeichen, dass sich das ändere. Wasmer umriss die Auswirkungen, die mit der EU- Verordnung auf Schweizer Unternehmen zukommen. Entscheidend sei hierbei nicht der Sitz eines Unternehmens oder ob die Datenverarbeitung an einen Drittanbieter ausgelagert werde, sondern die Person, deren Daten erhoben würden, sagte sie. Wer Compliance mit der EU- DSGVO schaffen wolle, solle deshalb stets die Person und deren Daten in den Mittelpunkt stellen. Dabei seien etwa folgende Fragen zu beantworten: ·· Um welche Person handelt es sich? ·· Welche Daten werden verarbeitet? ·· Wie erfolgt die Datenverarbeitung und Speicherung? ·· Wie sieht die Organisation des Unternehmens aus? ·· Welche technischen und rechtlichen Massnahmen sind zu treffen? Antworten müsse jedes Unternehmen für sich selbst finden. Ein Patentrezept gebe es nicht, sagte Wasmer. Zu unterschiedlich seien die Prozesse, zu komplex der Weg von Personendaten durch die Firmen. Trotzdem gebe es einige Aspekte, die überall Beachtung finden müssten. Etwa die Pflicht, Datenschutzerklärungen anzupassen, eine Einwilligung zur Verarbeitung von Daten einzuholen, Datenschutz «by Design» in Angebote einzubauen, über Datenlecks Auskunft zu geben und den Umgang mit Daten intern zu dokumentieren. Datenschutz müsse künftig eine Hauptaufgabe jedes Unternehmens sein, hielt Wasmer fest. Doch das dürfe man nicht nur als Last und Bedrohung ansehen. Transparenz, Compliance und ein verantwortungsvoller Umgang mit Kundendaten seien nämlich auch ein Qualitätsmerkmal. Rechenschaftspflicht und Drittanbieter als Herausforderung Wie die technische Umsetzung im Einzelfall aussehen könnte, damit befasste sich Mathieu Habegger im Anschluss. Der technische Leiter und Partner bei Swissmediapartner zeigte verschiedene Aufgaben, die mit der neuen Verordnung auf die IT zukommen. Im Zentrum stehe dabei die Rechenschaftspflicht, also die Aufgabe nachzuweisen, dass die EU-DSGVO auf allen Ebenen eingehalten werde. Dies umfasse etwa die Auskunft darüber, was mit den Daten in einem Unternehmen passiere. Ab dem 25. Mai könne jeder EU-Bürger verlangen, dass man ihm über die Verwendung seiner Daten Auskunft gebe, dass man seine Daten an einen anderen Anbieter übertrage, und dass man seine Daten lösche. Anhand von Beispielen erläuterte Habegger, welche Auswirkungen die EU-DSGVO für ein Unternehmen haben kann. Eine Webseite erhebe beispielsweise eine Vielzahl an Informationen über den Nutzer, die künftig unter den Datenschutz fielen. Das bedeute nicht nur, dass die Nutzer ihre Einwilligung in diese Erhebung geben müssten, sondern dass sich auch Drittanbieter wie Cloud-Provider an die EU-DSGVO halten müssten. Unternehmen sollten deshalb sehr genau darauf achten, dass ihre Dienstleister mit den Daten der eigenen Kunden EU-konform umgingen, riet Habegger. Die Aussage laute oft: «Am 25. Mai 2018 werden wir bereit sein.» Doch ob das wirklich so ist, sei zu bezweifeln. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_80644 i INFO Die neue Datenschutzverordnung der EU Ab dem 25. Mai 2018 gelten in der Europäischen Union neue Datenschutzbestimmungen (EU-DSGVO/GDPR). Diese Regeln betreffen auch Unternehmen ausserhalb der EU, wenn sie Daten von in der EU ansässigen Personen bearbeiten. Die «Netzwoche» widmet dem Thema eine Artikelserie. Weitere Informationen finden Sie in einem Dossier auf unserer Website. Dossier online auf www.netzwoche.ch/eu-dsgvo Grafik: ibrandify / Freepik.com; makyzz / Freepik.com www.netzwoche.ch © netzmedien ag 04 / 2018