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Netzwoche 08/2018

30 Technology Aktuell

30 Technology Aktuell WWW.NETZWOCHE.CH Intel beerdigt seine smarte Brille osc. Im Februar hat Intel seine smarte Datenbrille «Vaunt» (Codename: Superlight) der Öffentlichkeit präsentiert. Nun hat der US-Hersteller das Projekt begraben, wie das Webmagazin «Techcrunch» berichtet. Der Schritt bedeutet laut Bericht wohl auch das Ende von Intels «New Devices Group». Einige der 200 Entwickler müssten mit einer Entlassung rechnen. Vaunt ereilt damit dasselbe Schicksal wie die VR-Brille «Alloy», die Mitte 2016 angekündigt und ein knappes Jahr später aufgegeben wurde. ▸ Webcode DPF8_89092 Cloud Foundry zieht mehr Grossfirmen an jor. Die Cloud Foundry Foundation gewinnt immer mehr Grossunternehmen als Mitglieder. Der Anteil der Firmen, bei denen mehr als 50 Mitarbeiter die Plattform von Cloud Foundry nutzen, ist im vergangenen Jahr von 20 auf 47 Prozent gestiegen. Dies geht aus der zweiten halbjährlichen Nutzerbefragung der Stiftung hervor. Die Stiftung wertet den Zuwachs als Zeichen dafür, dass die Plattform «erwachsen» werde. ▸ Webcode DPF8_89319 Drohnenpiloten brauchen bald Flugschein cgr. Wer aktuell eine Drohne fliegen lassen will, der kann dies zumindest bei kleinen Drohnen ohne viel Aufwand machen. Diese Praxis könnte sich bald ändern. Wie die «NZZ» berichtet, überarbeitet die europäische Agentur für Flugsicherheit gerade die Richtlinien für private Drohnenpiloten. Sie möchte, dass Drohnenpiloten einen Internetkurs belegen müssen. In diesem sollen ihnen Grundlagenwissen und die Regeln vermittelt werden. Laut «NZZ» übernimmt die Schweiz die Regeln des EU-Flugrechts. ▸ Webcode DPF8_88701 IBM kombiniert Alt und Neu für die nächste Computergeneration osc. IBM hat in der Zeitschrift «Nature Electronics» ein neues Konzept für das «Cognitive Computing» vorgestellt. Entwickelt am IBM-Forschungslabor in Rüschlikon soll das Konzept die Vorteile von klassischem Computing nach der «Von-Neumann-Architektur» mit dem Prinzip des «In- Memory Computing» kombinieren, wie das US-Unternehmen in einer Mitteilung schreibt. Beim «In-Memory-Computing» finden Speicherung und Berechnung laut IBM auf der gleichen Hardwarebasis mittels «Resistive Memory Devices» statt. Die traditionelle Trennung von CPU und Arbeitsspeicher könne so aufgehoben und die Verarbeitung von grossen Datenmengen beschleunigt werden. Als Vorbild diene das menschliche Gehirn, das diese Trennung ebenfalls nicht kenne. Im «Mixed-Precision In-Memory Computing» genannten Konzept übernehme die Rechenspeicher-Einheit den Grossteil der Berechnungsarbeiten, während die Von- Neumann-Maschine eine Methode zur iterativen Verbesserung oder Verfeinerung der Genauigkeit gewährleiste, heisst es in der Mitteilung. Die Forscher verwendeten Phase-Change-Memory-Geräte aus einer Germanium-Antimon-Tellurid-Legierung, die zwischen zwei Elektroden gestapelt und eingelegt wurde. Bild: IBM Memristive Geräte vereinen CPU und RAM Grundlage der Technologie sind gemäss Mitteilung «memristive Geräte», die Daten speichern und sich den durch sie geflossenen Strom merken können. «Das Konzept ist durch die Beobachtung motiviert, dass viele Berechnungsaufgaben als eine Folge von zwei verschiedenen Teilen formuliert werden können», lässt sich IBM-Forscher Manuel Le Gallo in der Mitteilung zitieren. «Wir beginnen bei den rechenintensiven Arbeiten mit den memristiven Geräten für die ungefähre Antwort und dann wird die leichtere Berechnung mit dem Von-Neumann-Gerät durchgeführt, das den resultierenden Fehler nimmt und genau berechnet. Es ist die perfekte Ehe», so Le Gallo weiter. Das Team von IBM habe für Tests einen Chip mit 1 Million Phase-Change-Memory(PCM)-Einheiten, eine Power8-CPU und eine P100-GPU von Nvidia verwendet. Als nächster Schritt sei nun der Einsatz des Mixed-Precision In-Memory-Computing für rechenintensive Aufgaben wie Machine Learning und Signalverarbeitung geplant. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_88570 ETH-Probanden spüren virtuelle Hand aza. Forschern der ETH Lausanne ist es gelungen, Probanden eine Hand, die sie in virtueller Realität vor sich sahen, als zu ihrem Körper zugehörig erscheinen zu lassen – sie konnten die virtuelle Hand «fühlen». Damit dies gelang, versetzten die Forscher die Gehirne der Studienteilnehmer mit kurzen, nichtinvasiven Stromstössen, um leichte Zuckungen in ihrer echten Hand hervorzurufen. Zuckte die virtuelle Hand synchron zur echten, glaubten die Probanden, dass sie zu ihrem Körper gehöre. Die Forschungsleiterin Michela Bassolino sagte gegenüber «Digital Trends», dass der Effekt womöglich auch mit Videoaufnahmen einer Hand zu erreichen sei, sich VR aber aufgrund der gesteigerten Immersion besser eigne. Der untersuchte Effekt der gefühlten Hand funktionierte bei 80 Prozent der insgesamt 32 Probanden. Vielfältige Anwendungsmöglichkeiten Wie Bassolino weiter angibt, sieht sie Anwendungsmöglichkeiten von Gaming bis zur Behandlung von Patienten, die einen Schlaganfall erlitten und Probleme haben, Teile ihres Körpers zu spüren. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_88931 08 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Research 31 Der Weg zur smarten Stadt wird kein Sprint sein Eine allgemein anerkannte Definition für den Begriff der «Smart City» existiert noch nicht, in der Regel hat der Begriff eine vernetzte, digitalisierte und intelligente Stadt im Fokus, vorab im Zusammenhang mit der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologie zum Wohle der Bevölkerung. Mit einem nachhaltigen Städtekonzept sollen Zeit, Kosten und Energie gespart werden. DER AUTOR Philipp A. Ziegler Geschäftsführer, MSM Research AG Was gilt in der Schweiz eigentlich als «Stadt»? Bis 2013 definierte das Bundesamt für Statistik (BFS) eine Gemeinde mit mehr als 10 000 Einwohnern als Stadt. Weil die bisherige Definition aufgrund der zunehmenden Urbanisierung immer mehr an Grenzen stiess, erstellte das BFS 2014 eine neue statistische Definition für Städte. Danach zählt die Schweiz heute 162 Städte. Die hochentwickelte und durchgängig digitalisierte Smart City oder intelligente Stadt der Zukunft kann letztlich ein komplexes «Internet of Things and Services» sein. Die gesamte städtische Umgebung wird dabei mit Sensoren versehen, die sämtliche erfassten Daten in einer Cloud verfügbar machen. So entsteht eine permanente Interaktion zwischen Stadtbewohnern und der sie umgebenden Technologie. Die Bewohner werden damit Teil der technischen Infrastruktur einer Stadt. Wie unsere Studie «Smart City in der Schweiz» aufzeigt, sind wir davon allerdings noch ein ganzes Stück entfernt. Smart City als allumfassendes Thema ist noch nicht bei allen Städten und grösseren Gemeinden angekommen, die für die Studie befragt wurden. Viele sehen darin bislang vor allem einzelne Projekte der Digitalisierung, so etwa im Bereich der smarten Beleuchtung, bei Webportalen, Geschäftsabläufen oder Onlinediensten. Die Mehrheit wartet ab Die Mehrheit wartet derzeit noch ab, knapp jeder dritte Befragte schätzt das Thema aktuell noch als ohne grosse Bedeutung ein oder diskutiert es ohne eine weiterführende Priorität. Insbesondere ist der Einfluss – oder daraus abgeleitet der Benefit – für Verwaltung, Amt und Bürger nicht konkret absehbar, respektive zu wenig transparent. Für jeden Vierten stellt die Smart City allerdings eine grosse Chance dar und wird zu den derzeitigen Topthemen gezählt. Unterstützungsbedarf bei der Planung und Umsetzung von Smart-City-Projekten besteht heute über die komplette Bandbreite an entsprechenden Services. Wichtiger Treiber hin zur intelligenten Stadt ist der Wunsch der Befragten, innovativ zu sein. Dies sowohl für die eigenen Bürger als auch mit Blick auf den Standortwettbewerb mit anderen Städten. Der Nährboden für die Motivation hin zur Innovation dürfte in der wachsenden Durchdringung der Digitalisierung und der damit verbundenen Erwartungshaltung aller Gesellschaftsebenen begründet sein. MOTIVATION / KEYDRIVER ZUR UMSETZUNG EINER SMART CITY Warum sollte die Idee einer Smart City umgesetzt werden? Was sehen Sie als hauptsächliche Motivation für Ihre Gemeinde / Stadt? Mehrfachantworten möglich, n=40 Innovativ sein wird wichtig Kosteneinsparungen Lebensqualität verbessern Standortwettbewerb Umwelt verbessern Druck aus der Politik Druck aus der Bevölkerung 53 % 38 % 35 % 33 % 25 % 20 % 18 % Quelle: MSM Research AG Die Frage nach dem Nutzen und den Herausforderungen Unterstützungsbedarf bei der Planung und Umsetzung von Smart-City-Projekten besteht heute über die komplette Bandbreite an entsprechenden Services. Im Zentrum der Diskussion und Planung um entsprechende Vorhaben steht dabei die Frage, welcher konkrete und messbare Nutzen sich durch den Einsatz welcher Technologien (Sensorik, Big Data, Vernetzung etc.) realisieren lässt. An erster Stelle der Herausforderungen auf die umfassende Vernetzung und Erhebung von Daten steht die Frage, wie wir Sicherheit und Datenschutz garantieren. Die Umsetzung der intelligenten Stadt wird kein Sprint sein, sie gleicht vielmehr einem Marathon; es ist ein umfassender Prozess und kein Projekt. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_90739 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 08 / 2018