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Netzwoche 08/2018

38 Management & Career

38 Management & Career Aktuell WWW.NETZWOCHE.CH Studerus bietet neuen Lehrgang an mur. Der Distributor Studerus will ab Juni 2018 den Lehrgang Comptia Security+ anbieten und damit die Kursteilnehmer an vier Freitagen und Samstagen auf die Prüfung vorbereiten. Leiter ist Autor Markus Kammermann, der das Lehrmittel für den Kurs schrieb. Comptia Security+ zertifiziert herstellerunabhängige Sicherheitskenntnisse rund um Netzwerksicherheit und Risiko management. Der Lehrgang richtet sich an IT- Fachleute, die bereits Wissen über Netzwerksicherheit haben. Jährlich nehmen rund 500 Personen an Kursen von Studerus teil. ▸ Webcode DPF8_88371 100 000 Franken für zwei ETH-Spin-offs osc. Die Waadtländer Fondation pour l’innovation technologique (FIT) hat zwei Spinoffs der ETH Lausanne Darlehen in Höhe von je 100 000 Franken gewährt. Darix entwickelt Augmented-Reality(AR)- Anwendungen für professionelle Anwender. Zaphiro hat sich auf smarte Stromlösungen spezialisiert. Wie die FIT in einer Mitteilung schreibt soll das Geld den Start-ups helfen, die nächsten Schritte in ihrer Firmengeschichte zu machen. ▸ Webcode DPF8_88996 Adecco kauft New Yorker Edtech-Start-up osc. Der Personaldienstleister Adecco hat den Kauf des New Yorker Unternehmens General Assembly verkündet. Wie Adecco in einer Mitteilung schreibt, übernimmt die Firma aus Opfikon das auf Ausbildung mit digitalen Kompetenzen und Karriere-Transformationen spezialisierte Start-up für 412,5 Millionen US-Dollar. Adecco will mit der Übernahme gemäss eigener Angabe sein Angebot an Weiterbildungen im IT-Bereich für Unternehmen ausbauen. ▸ Webcode DPF8_88318 Das bieten die dritten Zürcher Informatiktage mur. Die Organisatoren der dritten Zürcher Informatiktage, die am 1. und 2. Juni in den Regionen Zürich und Winterthur bei diversen Gastgebern stattfinden, haben das Programm kommuniziert. Die Besucher sollen ein Bilderbuch oder einen Schrittzähler programmieren oder auf einer virtuellen Achterbahn fahren können. Sie sollen zudem erfahren, wie ein Hackerangriff funktioniert. Es werde Führungen in Rechenzentren und Forschungslaboren wie auch Erklärungen zu komplexen Technologien wie Blockchain geben. Die Besucher sollen zudem erfahren, wie sich die Berufsbilder von Informatikern wandeln, welche neuen IT- Berufe entstehen und welche Karrierechancen sich in der Informatik insbesondere jungen Frauen bieten. Der Eintritt an die Veranstaltungen ist gratis, die Platzzahl beschränkt. Reservierungen sind möglich. Für Schulklassen werden bereits ab 28. Mai Anlässe angeboten, wie es in der Mitteilung heisst. Der Organisator der Informatiktage ist «eZürich», eine Plattform für Menschen und Projekte, die den ICT-Standort Zürich voranbringen wollen. Das Netzwerk hat rund 100 Mitglieder. Am Event wirken rund 70 Firmen, Hochschulen, Start-ups und Organisationen mit. Darunter sind etwa Grossfirmen wie Swisscom, Migros und IBM sowie fast alle ICT-Verbände. Folgende Organisationen sind als «Unterstützer & Freunde» gelistet: Asut, Credit Suisse, Digitalswitzerland, Emineo, Gewerbemuseum Winterthur, Hasler Stiftung, House of Winterthur, HP Schweiz, ICT-Switzerland, Ing- CH, Smama, Swico, Swiss Game Developers Association, Swiss-ICT, Swiss Made Software, Technopark Zürich, Zürich Tourismus, die Zürcher Handelskammer und die Handelskammer und Arbeitgebervereinigung Winterthur. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_88715 Nach der Informatikolympiade ist vor der Informatikolympiade mur. Am 21. April ist die Informatikolympiade mit der Schlussfeier an der Universität Bern zu Ende gegangen. Gold gab es für Nicolas Camenisch von der Kantonsschule Wettingen, Bibin Muttappillil vom Gymnasium Oberwil, Elias Boschung vom Collège St. Michel und Tobias Feigenwinter von der Kantonsschule Schüpfheim. Boschung, Camenisch, Feigenwinter und Muttappillil werden die Schweiz nun an der Internationalen Informatikolympiade in Tokio vertreten. Sie findet vom 1. bis 8. September statt. Ein weiteres Schweizer Team wird vom 12. bis 18. August an der Zentraleuropäischen Informatikolympiade in Polen teilnehmen. Der Aargauer Camenisch gewann nach 2017 zum zweiten Mal die Goldmedaille. «Heute löse ich Probleme innerhalb von wenigen Minuten, für die ich vor einem Jahr noch sehr lange gebraucht habe», zitieren ihn die Organisatoren in einer Mitteilung. Die 12 Finalisten kämpften am 13. und 14. April in Lenovos E-Sports-Bar in Zürich und am 20. und 21. April an der Universität Bern um Medaillen. Insgesamt nahmen über 100 Jugendliche an der Informatikolympiade teil. Die Teilnehmer entwickelten unter anderem 16 Algorithmen. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_89640 Rangliste Rang Vorname Nachname Schule (Kanton) 1 * / ** Nicolas Camenisch Kantonsschule Wettingen (AG) 2 * Bibin Muttappillil Gymnasium Oberwil (BL) 3 * / ** Elias Boschung Collége St. Michel (FR) 4 Tobias Feigenwinter Kantonsschule Schüpfheim (LU) 5 * Valentin Imbach MNG Ramibühl (ZH) 6 Erwan Serandour Gymnase de Morges (VD) 7 Remo Spichtig Berufsbildungsschule Winterthur (ZH) 8 Martin Chikov Collège Rousseau (GE) 9 ** Kunyang Wu SAMD (GR) 10 ** Julian Steinmann Kantonsschule Wettingen (AG) 11 Christian Geyer Kantonsschule Kreuzlingen (TG) 12 Sophia Koulen Collége Rousseau (GE) * Qualifiziert für die Internationale Informatikolympiade in Japan (1. – 9. September 2018) ** Qualifiziert für die Zentraleuropäische Informatikolympiade in Polen (12. – 18. August 2018) 08 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Management & Career Nachgefragt 39 Wie Liip ohne Chefs funktioniert Seit Anfang 2016 setzt Liip auf Holacracy und hat damit Rollen statt Chefs. Die Redaktion fragte bei der Webagentur nach, welche Erfahrungen sie mit dem neuen System macht und wo die Vor- und Nachteile liegen. Autor: Oliver Schneider Liip hat in den vergangenen Monaten einige Erfolge vorweisen können. Im Oktober 2017 zeichnete der Kanton Zürich die Webagentur mit dem «Prix Balance» aus. Zum Jahresanfang landete Liip in einem Ranking der Schweizer Firmen beim Jobportal Kununu auf Platz drei und gewann den «German Design Award». Im April holte das Unternehmen mit «Tooyoo» Gold bei Best of Swiss Web. Grund genug, die Webagentur genauer unter die Lupe zu nehmen. Liip setzt für die Entscheidungsfindung nämlich auf ein System, das sich von den in anderen Firmen üblichen Hierarchien und Steuerungsmethoden unterscheidet. Seit dem 1. Januar 2016 verwendet das Unternehmen «Holacracy». Das ist eine Organisationsform, bei der Mitsprache, klare Zuständigkeiten und Flexibilität im Vordergrund stehen. Klassische Managementstrukturen und Entscheidungswege gibt es mit Holacracy nicht mehr. Mitarbeitende müssen selbst Entscheidungen treffen Der Umstieg auf Holacracy habe das Verantwortungsbewusstsein bei jedem einzelnen Mitarbeitenden gestärkt und zu mehr Transparenz bei Organisation und Prozessen geführt, sagt Tonio Zemp. Zemp ist «ehemaliges Mitglied der ehemaligen Geschäftsleitung» von Liip, wie es auf seinem Linkedin-Profil heisst. Dadurch dass jeder Entscheidungen treffe und dafür Verantwortung übernehme, müsse auch jeder über die Tätigkeiten der Firma Bescheid wissen. Die Zeiten, in denen man bei Unsicherheiten einfach einen Chef fragen konnte, seien vorbei, sagt Zemp. So führe Holacracy zwar zu mehr Freiheit, aber auch zu dem Druck, Entscheidungen selbst zu fällen. Das habe anfangs verunsichert, später aber ein risikobewusstes Arbeiten nach sich gezogen. Der effektiv verdiente Ertrag pro Stunde sei jedenfalls seit gut zwei Jahren auf einem Allzeithoch. Schon bald nach der Einführung von Holacracy habe sich ausserdem gezeigt, dass mit dem neuen System Entscheidungen effizienter zustande kämen. «Wir hatten früher eine sehr auf Konsens orientierte Kultur. Dinge wurden über Stunden, Tage und Wochen diskutiert, bis jeder an Bord war», berichtet Zemp. Mit der heutigen Rollenverteilung habe Liip massiv an Geschwindigkeit zugelegt. Eine Umwälzung der bestehenden Strukturen und Prozesse sei Holacracy aber nicht gewesen. Schon vorher hätten die Teams bei Liip relativ viel Autonomie gehabt. Die grösste Veränderung sei deshalb die Abschaffung der Geschäftsleitung gewesen. Tonio Zemp von Liip. Holacracy hat auch Grenzen Der Einfluss von Holacracy auf die Webentwicklung bei Liip war nach Ansicht von Zemp begrenzt. Das Modell eigne sich zur Organisation einer Firma, wenn es um Verantwortung und Kommunikation gehe. Es könne aber keine Antworten auf Fragen der Produktion geben. Hier sei der Einsatz von Scrum als Projektmanagement-Methode seit 2009 wichtiger. Zemp sieht deshalb auch keinen direkten Zusammenhang zwischen Holacracy und den Erfolgen der letzten Zeit. Holacracy ist zudem nicht frei von Problemen. «Am meisten tut es im sozialen Bereich weh», sagt Zemp. Holacracy passe nicht zum Urtrieb des Menschen, sich in Gruppen zu organisieren. Früher habe sich bei Liip alles um Teams gedreht, heute stünden die Rollen im Vordergrund. Das habe mit den bestehenden Strukturen konkurriert und teils zu Problemen geführt, die bis heute nicht ganz gelöst seien. Mitarbeitende befänden sich in der Schwebe, weil ihre Rolle nicht definiert gewesen und die Zugehörigkeit zum Team weggefallen sei. «Die hatten dann plötzlich keine Homebase mehr und waren auf sich allein gestellt», sagt Zemp. Trotzdem überwögen bei Liip unter dem Strich die Vorteile des neuen Systems. Die Entscheidung für Holacracy habe sich als richtig erwiesen. Das System biete Wege, interne Hindernisse zu überwinden und in einem umkämpften Markt konkurrenzfähig zu bleiben. Zwar könne es manchmal auch von Vorteil sein, wenn ein Chef das letzte Wort habe. Das selbstorganisierte Arbeiten mit Fokus auf Eigenverantwortung werde sich auf längere Sicht aber durchsetzen, ist Zemp überzeugt – auch in anderen Branchen. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_90625 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 08 / 2018