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Netzwoche 08/2018

10 Business Studie

10 Business Studie Blockchain hält in Unternehmen Einzug IBM hat zum zweiten Mal Schweizer Unternehmen über ihre Haltung zur Blockchain-Technologie befragt. Das Interesse am Thema nimmt weiter zu, viele grosse Firmen gleisen Projekte auf. Autor: Oliver Schneider WELCHE VORTEILE ERHOFFEN SIE SICH VON DER BLOCKCHAIN FÜR IHR UNTERNEHMEN? 13 % Bessere Produkte und Dienstleistungen entwickeln 30 % 21 % 22 % 20 % 19 % 17 % 18 % Steigerung der Effizienz des Geschäftsbetriebs Ausweitung der Wertschöpfungskette auf neue Bereiche Stärkere Kundenbeziehungen entwickeln 12 % 10 % Produkte und Dienstleistungen effizienter machen 2016 2017 2 % 5 % 0 % 4 % 5 % 3 % Verbesserung der Effektivität von Marketing und Vertrieb Genauere Verkaufs- und Betriebsprognosen erstellen Andere « Nach Branchen betrachtet sind es vor allem Logistikund Finanzunternehmen, die Blockchain-Strategien ver folgen. » Urs Karrer, Associate Partner and Digital Consulting Lead, IBM Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_89237 IBM hat zum zweiten Mal Schweizer Unternehmen zum Thema Blockchain befragt. Im Vordergrund standen dabei zwei Fragen, wie Urs Karrer, Associate Partner and Digital Consulting Lead bei IBM, an einer Presseveranstaltung sagte. Erstens habe IBM herausfinden wollen, ob das Interesse an der Technologie weiter zugenommen habe. Zweitens solle die Umfrage zeigen, wo die Teilnehmer beim Aufbau von Ökosystemen und Plattformen stünden. Fast 70 Firmen hätten an der Umfrage teilgenommen. IBM habe die Teilnehmer in drei Gruppen gegliedert, in «Passives», «Investigators» und «Explorers», je nachdem, wie stark sie sich mit der Blockchain auseinandersetzten. Letztere seien nicht nur generell an der Technologie interessiert, sie würden auch konkrete Projekte aufgleisen und Geschäftsanwendungen testen. Der Anteil der Explorers sei gegenüber der Umfrage von 2016 von 32 auf 53 Prozent gestiegen. Das Interesse habe zugenommen und verschiebe sich hin zu konkreten Use Cases, so Karrer. Demgegenüber sei der Anteil jener Unternehmen, die entweder nicht an der Blockchain interessiert seien oder noch gar nichts über das Thema wüssten, von 34 auf 7 Prozent zurückgegangen. Für IBM ein Zeichen dafür, dass die Blockchain in immer mehr Unternehmen Fuss fasse. Hoffnungen und Hürden Nach Branchen betrachtet seien es vor allem Logistik- und Finanzunternehmen, die Blockchain-Strategien verfolgten. Aber auch Firmen aus den Bereichen Kommunikation und Industrie zeigten vermehrt Interesse an der Technologie. Als Grund für die Beschäftigung mit der Blockchain gab eine relative Mehrheit von 28 Prozent das generelle Interesse an der Technik an. Zunehmend wird als Motivation aber auch die Ausweitung des eigenen Angebots (25 Prozent) und die Transformation des Geschäftsmodells (24 Prozent) genannt, wie Karrer erklärte. Was erhoffen sich Unternehmen vom Einsatz der Blockchain? Laut Umfrage erwarten 21 Prozent, damit bessere Produkte und Dienstleistungen anbieten zu können. Für 20 Prozent steht die Steigerung der Effizienz von Prozessen im Vordergrund, und 19 Prozent wollen damit ihre Wertschöpfungskette in bislang nicht erreichte Felder ausdehnen. Viele Unternehmen sehen Herausforderungen beim Einsatz von Blockchain. 28 Prozent sähen es etwa als Problem an, dass das Nutzenversprechen der Blockchain aktuell noch nicht definiert sei. Welchen Mehrwert die Blockchain einer Firma biete, müsse in diesen Fällen noch herausgefunden werden, sagte Karrer. 21 Prozent erwähnten als Herausforderung die aktuellen regulatorischen Unsicherheiten. Es sei oft noch nicht klar, ob eine Blockchain-Lösung den Vorgaben gerecht werde. Hier sei auch Aufklärungsbedarf vorhanden, so Karrer. Manchen Firmen müsse man deutlich machen, dass der Einsatz von Blockchain-Lösungen keinen direkten Zusammenhang mit Kryptowährungen wie Bitcoin habe. Für 17 Prozent sei es zudem schwierig, geeignetes Know-how und Fachkräfte zu finden. IBM stellte den Unternehmen auch die Frage nach den grössten Hürden für ihre Blockchain-Projekte. 21 Prozent gaben hierzu an, dass die Firmenleitung aktuell dringendere Probleme habe. Für 20 Prozent stellt die mangelnde Reife der Technologie ein Hindernis dar. Im Vergleich zur Umfrage 2016 gewann der Mangel an etablierten Kooperationen und Partnern an Bedeutung. 14 Prozent sehen dies als Hürde bei der Umsetzung. Quelle: IBM 2017 Blockchain Adoption Study 08 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business EU-Datenschutz-Grundverordnung 11 « Die Anforderungen an die Sicherheit erfordern oft einen Umbau der IT » Das Interesse am Thema EU-DSGVO ist gross. Eine der grössen Herausforderungen ist für Pascal Stürchler, CEO und Gründer von Acceleris, die Datensicherheit. Im Interview erklärt er, wie Firmen bei der Implementierung der EU-DSGVO vorgehen sollten und warum mehr Datenschutz Vorteile für alle bietet. Interview: Marcel Urech Am 25. Mai endet die Übergangsfrist für die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung. Sind Schweizer Firmen vorbereitet? Pascal Stürchler: Schaut man sich die Teilnehmerzahlen bei DSGVO-Veranstaltungen und die Anzahl solcher Events an, dann ist das Interesse von Schweizer Unternehmen an dieser neuen Datenschutz-Grundverordnung klar ersichtlich. Inwiefern über dieses Interesse hinaus die Unternehmen auch wirklich vorbereitet sind, ist schwierig abzuschätzen. Dabei gehe ich aber davon aus, dass sich zumindest die Sensibilität für datenschutzrechtliche Themen sicher grundsätzlich erhöht hat und sich das bei zukünftigen Geschäften bemerkbar machen wird. Was empfehlen Sie Firmen, die sich noch nicht mit der EU- DSGVO befasst haben? Sie haben ja kaum noch Zeit für die Umsetzung. Das Thema ist ernst zu nehmen, und Schweizer Firmen sollten sich daher rasch mit den Anforderungen der EU- DSGVO vertraut machen. Zum Einstieg ins Thema ist der Besuch eines entsprechenden Vortrags sicherlich zu empfehlen. Der erhaltene, grobe Überblick hilft, die weiteren Schritte zu bestimmen. Die Anzahl solcher Veranstaltungen wird mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht abnehmen, denn Best Practices werden erst nach und nach entstehen. Ebenso werden erste ausgesprochene Bussen den allgemeinen Druck zusätzlich erhöhen. Datenverarbeitern auf Eis gelegt werden sollen. Als erste Schritte könnten das Zusammenstellen der bereits existierenden Dokumente zum Thema Datenschutz, Überlegungen zu den vorhandenen und benötigten Ressourcen und Kenntnissen sowie die Dokumentation und eine rechtliche Einschätzung im Zentrum stehen. Wo liegen die grössten Herausforderungen bei der Umsetzung? Als technische Herausforderungen bei der Umsetzung ist sicher die eigentliche Datensicherheit zu sehen. Die Anforderungen an die Sicherheit erfordern oft einen Umbau der IT. Die bei einem Umbau erforderliche Migration der Daten sowie die Länge des Prozesses werden dabei oft unterschätzt. Zudem sehe ich Herausforderungen im Bereich Compliance. Diese erfordert einen ganzheitlichen Überblick über alle Daten. Das bedeutet, dass zuerst ein Dateninventar erstellt werden sollte: Was ist alles da? Welche Daten sind wo im System? Gibt es Daten, die von Dritten ebenfalls verarbeitet werden? Diese Daten müssen dann mit einer Risikoanalyse bewertet und kategorisiert werden. Bei einem hohen Risiko muss vorab eine Datenschutz-Folgeabschätzung seitens des Unternehmens erfolgen. Zuletzt müssen natürlich auch die Mitarbeitenden entsprechend geschult werden. Hier wäre aufgrund der raschen Entwicklung auch zu empfehlen, solche Schulungen regelmässig durchzuführen. Dossier online auf www.netzwoche.ch/eu-dsgvo Quelle Grafik: ibrandify / Freepik.com; makyzz / Freepik.com Wie sollten Firmen vorgehen? Als Erstes sollte analysiert werden, welche unterschiedlichen Konstellationen bezüglich der Verarbeitung von Personendaten im Unternehmen vorkommen. Aufgrund dessen können, allenfalls mit juristischer Hilfe, die effektiven Anforderungen definiert werden. Damit der Prozess der Umsetzung möglichst schnell und effizient ablaufen kann, sollte die Umsetzung insgesamt als Projekt angesehen werden, inklusive der Ernennung eines dedizierten Projektteams und der Planung von Milestones. Aufgrund einer detaillierten Risikoeinschätzung muss allenfalls entschieden werden, ob gewisse Datenverarbeitungen bis zur kompletten Implementierung der benötigten Änderungen unterbrochen sowie Verträge mit externen Wer profitiert am meisten vom besseren Datenschutz? Für die Kunden ist ein besserer Datenschutz natürlich wichtig. Zudem können, wie erwähnt, auch Firmen und ganze Branchen profitieren. Ein besserer Datenschutz tut uns allen gut! Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_90464 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 08 / 2018