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Netzwoche 09/2018

30 Dell setzt auf KI

30 Dell setzt auf KI für Server und Storage In Las Vegas ist die erste Dell Technologies World über die Bühne gegangen. 14 000 Besucher erfuhren von CEO Michael Dell, wie das US-Unternehmen künstliche Intelligenz bei Storage, Netzwerk und Server einsetzt. Eine besondere Auszeichnung gab es für ein Schweizer Unternehmen. Autor: Michael Kurzidim « Von KI geht keine Gefahr aus, sie wird den Homo sapiens nicht unterjochen. » Michael Dell, Chairman und CEO, Dell Technologies Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_90745 Die erste Dell Technologies World – nach dem Zusammenschluss von Dell und EMC – ist in Las Vegas über die Bühne gegangen. 14 000 Teilnehmer aus 129 Ländern waren ins Spielerparadies in die Wüste Nevadas gereist, um zu Netzwerken, über neue Produktlinien zu diskutieren und auch um den einen oder anderen Apéro zu verköstigen. Smarter Flashspeicher Powermax Michael Dell sieht sein Unternehmen als grössten Infrastrukturanbieter der Welt, und ein Trend wurde bereits nach dem ersten Konferenztag klar: Künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning (ML) machen auch Infrastrukturkomponenten wie Storage und Server smarter. Dell hat seiner Highend-Speichermaschine «Powermax» (die alte VMax) eine eingebaute Machine-Learning-Engine verpasst. Damit sei Powermax der zurzeit schnellste Flashspeicher auf dem Markt, doppelt so schnell wie der stärkste Wettbewerber IBM (Flashsystem A9000R), behauptete Michael Dell und berief sich auf interne Benchmark-Ergebnisse. Die Powermax soll bis zu 10 Millionen sogenannter IOPS (Input-Output-Operationen pro Sekunde) schaffen und glänzt mit einer kurzen Latenzzeit von unter 300 Mikrosekunden. Zum Einsatz kommt dabei unter anderem eine heuristische Technologie namens «App Hinting», welche die nächste aufgerufene Applikation im Voraus schätzt und die richtigen Daten zum richtigen Zeitpunkt bereitstellt. Auch die neueste Generation der «PowerEdge»-Serverreihe mit «Precison Optimizer 5.0» (PowerEdge R840 und R940a), die in Las Vegas dem Publikum präsentiert wurde, hat Dell mit KI und ML aufgepeppt. Kunden sollen sich damit durch schnellere Analytics, grössere Datenvolumen und bessere Entscheidungen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz verschaffen können, lautet das verführerische Verkaufsargument. «Wir werden in den nächsten Jahren eine sehr grosse Anzahl spezialisierter KI-Anwendungen sehen», sagte Michael Dell. An eine allgemeine künstliche Intelligenz, die dem Menschen irgendwann einmal überlegen sei, glaubt er aber nicht. Von KI gehe keine Gefahr aus, sie werde den Homo sapiens nicht unterjochen. Mit technologischen Revolutionen wie KI/ML verhalte es sich wie mit dem Feuer, der grossen Innovation unserer ältesten Vorfahren. Mit Feuer könne man die Hütte des Nachbarn abfackeln, aber auch ein schmackhaftes Essen zubereiten. Swisscom ist Titanium-Black-Partner Welche Branchen besonders intensiv mit den neuen Technologien experimentieren, zeigten eindrücklich die zehn Innovations- und Trailblazer-Awards, die am ersten Konferenztag an Kundenunternehmen vergeben wurden. Darunter zwei Automotive-Konzerne, Ford und Volvo, und zwei Banken. Die Schweiz sei ein sehr innovatives Land, hörte die Redaktion auf der Dell Tech World immer wieder. Eine weitere Auszeichnung bestätigte das. Während der Konferenz wurde Swisscom der Status eines Titanium-Black-Partners verliehen. «Wir haben dafür gekämpft, aber es hat uns überrascht», sagte Roland Bieri, Head of Cloud & Datecenter bei Swisscom, zur Redaktion. Weltweit gibt es lediglich zehn Dell-Titanium-Black-Partner. Diesen Status kann man sich nicht verdienen, er wird auf Einladung verliehen. «Wir spüren den Puls des Marktes und sind in der Nähe der Kunden», bekräftigte Bieri. Davon profitiert Dell Technologies. Swisscom wiederum vertraut auf die Innovationskraft des Infrastrukturanbieters und will Einfluss auf zukünftige Produktstrategien nehmen. Für beide Unternehmen ist die Partnerschaft eine Win-win-Situation. Die Schweiz sei für Dell ein sogenanntes segmentiertes Land, denn es gebe zwei Geschäftsführer, betonte Frank Thonüs, General Manager Enterprise bei Dell EMC. Die Highend-Lösung «VMAX 950» (jetzt Powermax) gehöre zu den Produkten, die sich am besten verkauft hätten. Im Schweizer Storage-Markt sei Dell EMC die unangefochtene Nummer eins und habe seit dem Merger der beiden 09 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

31 Unternehmen in jedem Quartal ein zweistelliges Wachstum hingelegt. Im Markt der hyperkonvergenten Lösungen, die Speicher, Server und Netzwerk optimal aufeinander abstimmen, sei das Quartalswachstum noch um Einiges höher ausgefallen. «Das Geschäft in der Schweiz läuft sehr gut», sagte Thonüs zur Redaktion. Warum ist das so? Michael Dell habe die Firma gegründet, sei heute immer noch Eigentümer und CEO, erklärte sich der zweite Schweizer General Manager Achim Freyer den Erfolg seines Unternehmens. Dells Name stehe auch heute immer noch über der Tür. Der Shareholder Value sei völlig zweitrangig, der langfristige Wert stehe im Vordergrund. Deshalb prosperiere Dell EMC, nicht aber der ehemalige Konkurrent auf dem Speichermarkt HPE, der aus dem Split der alten Hewlett-Packard hervorgegangen ist, lautete Freyers Erklärung. Tabscott: Banken werden überflüssig Der Bedarf an Speicher und Computing wächst. Den Infrastrukturanbietern wird die Kundschaft in Zukunft nicht ausgehen. Getrieben wird das Wachstum von speicherintensiven Technologien wie dem Internet der Dinge, virtueller Realität und der Blockchain. Für die Speicheranbieter ist das ein guter, für die betroffenen Branchen eher ein gefährlicher Trend. Beispiel Blockchain: In einer der sogenannten Guru- Sessions malte Management-Professor und Erfolgsautor Don Tabscott die Zukunft der Banken in sehr düsteren Farben (vgl. Blockchain Revolution, How the Technology behind Bitcoin is changing Money, Business and the World). Das Internet wandle sich von einem Informations- und Kommunikationsmedium in ein Internet der Werte (und Wertpapiere), der Assets und persönlicher Identitäten. Die Blockchain-Technologie werde die Finanzinstitute überflüssig machen, befürchtete Tabscott, weil sie Werte (values) fälschungssicher und ohne die Hilfe von Intermediären handhaben könne. Die Blockchain sei zwar nicht prinzipiell vor Manipulation gefeit, aber das sei eben doch sehr, sehr schwierig und erfordere einen Wahnsinnsaufwand, sagte Tabscott, der mit solch steilen Thesen sicher auch mit dem linken Auge auf die Auflage seines Buches schielte. generiere heute 4 Terabyte pro Tag, eine mittelgrosse Stadt werde bis 2020 etwa 200 Petabyte pro Tag an Daten generieren (Smart Citys). «Wir wachsen viel schneller, als wir geglaubt haben», betonte er. Die digitale Transformation (transformational journey) verändere vor allem die vier Bereiche Digital, IT, Arbeitskräfte/Personal und die Sicherheit. Der effizienteste Weg, seine IT zu modernisieren, seien die hybride Cloud und automatisierte Prozesse, empfahl Michael Dell. Und zwar mithilfe einer hyperkonvergenten Infrastruktur, die selbstständig mittels künstlicher Intelligenz die Infrastrukturkomponenten Server, Storage und Netzwerk auf aktuelle Anforderungen hin optimiere. Eine Schlüsselrolle spielten dabei die Softwaretöchter des Dell- Konzerns: der Virtualisierungsmarktführer VMware, der Netzwerkvirtualisierer NSX und die Cloud-Apps-Spezialistin Pivotal. Denn alles sei heute softwaredefiniert. Chairman und CEO Michael Dell begrüsst die Besucher der Dell Technologies World. Alles softwaredefiniert Eine schnelle und smarte Infrastruktur ist für Konzernchef Michael Dell unabdingbare Voraussetzung dafür, die Herausforderungen der Zukunft meistern zu können. Ein einziges autonomes Automobil (connected autonomous car) www.netzwoche.ch © netzmedien ag 09 / 2018