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Netzwoche 09/2018

44 Management & Career

44 Management & Career Nachgefragt « Das inländische Angebot ist zu klein, um die gesamte Nachfrage abzudecken » Die Headhunter-Firma Lionstep verspricht Firmen, neue Arbeitskräfte per Mausklick zu finden. Im Interview verrät CEO Claudia Winkler, wie das Unternehmen dabei vorgeht, wie es digitale Technik einsetzt und worauf es bei der Suche nach IT-Fachkräften ankommt. Interview: Oliver Schneider « Die Maschine ist dort gut, wo es darum geht, Muster in riesigen Daten mengen zu erkennen, den Überblick zu behalten und das Wesen t- liche zu erkennen. » Claudia Winkler, CEO, Lionstep Was macht Lionstep anders als andere Headhunter? Claudia Winkler: Im Unterschied zu den meisten Headhuntern setzen wir sehr viel Technologie ein und haben damit viele Prozesse digitalisiert. Wie so oft verändert dies so einiges. Erstens sind wir dank des Einsatzes von Technologie in der Lage, Talente für unsere Kunden für einen Bruchteil des Preises zu finden – typischerweise sind wir 5 bis 10 Mal günstiger. Zweitens wird der ganze Suchprozess durch die Digitalisierung beschleunigt – wir finden die Kandidaten schneller. Normalerweise erhalten unsere Kunden innerhalb von 48 Stunden erstes Feedback zu interessanten Talenten. Und drittens haben wir in Kombination mit der Technologie eine globale Präsenz und können im Handumdrehen grenzüberschreitend suchen. Dies ist für lokale Headhunter oft nicht möglich. Wie unterstützt Sie dabei die digitale Technik? Wir setzen Technologie überall dort ein, wo wir sie sinnvoll einsetzen können. Dies fängt beim Erheben der Profile im Internet an, geht über das schnelle Matching der Profile zur Vakanz und hört bei der intelligenten Verteilung der Kandidaten-Anfragen an unsere Rekrutierungsexperten auf. Diejenigen Tätigkeiten, die ein Mensch immer noch besser kann als jede Maschine, werden von unseren internen Spezialisten ausgeführt. Wo braucht es beim Recruiting noch Menschen? Die Maschine ist überall dort gut, wo es darum geht, Muster in riesigen Datenmengen zu erkennen, den Überblick zu behalten und das Wesentliche zu erkennen. Das Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_91908 Zwischenmenschliche jedoch, das «zwischen den Zeilen lesen», das können Menschen viel besser. Für diese Aufgabe, das Pre-Screening der Kandidaten, setzen wir unsere menschlichen Recruiting-Experten ein. Sie schreiben auf Ihrer Website, Zugang zu Millionen Talenten zu bieten. Wie leisten Sie das? Wir alle hinterlassen täglich Spuren im Web. Einen Grossteil dieser Spuren hinterlassen wir bewusst, um uns im beruflichen Kontext zu profilieren und auszutauschen. Diese Spuren sammeln wir und stellen sie so zusammen, dass ein aussagekräftiges Profil ersichtlich wird. Verschiedene Tools geben uns so die Möglichkeit, auf eine sehr grosse Menge an Profilen zurückgreifen zu können. Zum individuellen Datenschutz werden diese anonym angezeigt. Wie sieht die Nachfrage nach IT-Spezialisten bei Ihnen im Moment aus? Die Nachfrage ist gewaltig. Die Digitalisierung zwingt fast jedes klassische Unternehmen dazu, interne IT- Spezialisten anzustellen. Oft muss dies auch schnell geschehen. Das inländische Angebot solcher Profile ist jedoch zu klein, um die gesamte Nachfrage abdecken zu können. Wir bei Lionstep haben dies erkannt und unterstützen Unternehmen auch bei der grenzüberschreitenden Suche nach Spezialisten. So beschleunigen wir als Lionstep auch das inländische Wachstum. Wie unterscheidet sich die Rekrutierung in der IT- Branche von anderen Bereichen? Aufgrund des Nachfrageüberhangs findet man nur schwer und langsam die passenden Profile. Viele Unternehmen suchen ausserdem sehr spezifische Profile. Dies erschwert die Suche zusätzlich. Da es kaum aktive Jobsuchende gibt, geht der Trend eindeutig zum aktiven Abwerben von Kandidaten. Diese zeitintensive Arbeit übernimmt Lionstep für seine Kunden. 09 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Management & Career Studie 45 Digital Natives sehen Automatisierung als Chance Der Think Tank «GfK Verein» und das St. Gallen Symposium haben junge Talente zu ihrer Haltung gegenüber Digitalisierung und Karriere befragt. Die Chefs von morgen sehen der Automatisierung mit Zuversicht entgegen. Kritik üben sie an den aktuellen Führungskräften und klassischen Karrierepfaden. Autor: Oliver Schneider WAS DIGITAL NATIVES ÜBER IHRE KARRIERE DENKEN WAS DIGITAL NATIVES VOM ARBEITSLEBEN ERWARTEN Ich denke nicht zu weit voraus Ich mache mir Sorgen über die Zukunft Ich rechne mit Erfolg in der Zukunft Ich sehe viele Möglichkeiten Total Zwei oder mehr Jahre Management-Erfahrung Interessante Tätigkeit Beitrag zur Gesellschaft Neues lernen Gutes Salär Viel Eigenverantwortung Arbeit mit interessanten Menschen Teams führen Einfluss auf das Unternehmen haben Anerkennung Aufstiegschancen Passende Arbeitszeiten Arbeitsplatzsicherheit Zusatzleistungen Wie fühlen Sie sich, wenn Sie über KI und Automatisierung nachdenken und wie sie sich in Zukunft auf Sie auswirken wird? 13 2 11 42 45 87 Wie fühlen Sie sich, wenn Sie über Ihre berufliche Zukunft nachdenken? 11 1 10 36 53 89 Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_90770 0 10 20 30 40 50 60 Quelle: GfK Verein und St. Gallen Symposium Das Marktforschungs-Think-Tank GfK Verein und das St. Gallen Symposium haben 1400 junge Talente (Digital Natives) aus mehr als 90 Ländern, die sogenannten «Leaders of Tomorrow», zu ihren Meinungen bezüglich Digitalisierung und Automatisierung befragt. Die wichtigste Erkenntnis: Die Chefs von morgen blicken mit Zuversicht auf die technologische Entwicklung, wie die Autoren der Studie schreiben. 89 Prozent der Umfrageteilnehmer seien «mehrheitlich optimistisch», wenn es um ihre Karriere gehe. 53 Prozent sähen der Zukunft mit sehr viel Zuversicht entgegen, weil sie in digitalen Technologien wie künstlicher Intelligenz (KI) Vorteile erkennen würden. Sie seien sich weitgehend einig, dass Technologie mehr Chancen biete und neue Industrien, neue Arbeitsplätze und mehr Wachstum bringe, heisst es in der Studie. Fast alle Befragten könnten sich vorstellen, KI für Managementaufgaben zu nutzen. Die Teilnehmer seien der Meinung, dass KIs ihnen vor allem bei Verwaltungs- und Routineaufgaben unter die Arme greifen könnten, während Entscheidungen weiterhin von Menschen gefällt würden. Neben Technologie-Skills sind laut Studie Kreativität, kritisches Denken und die Fähigkeit zur Bildung von Netzwerken die wichtigsten Kompetenzen, die Führungskräfte heute mitbringen müssen. Aus der Perspektive der Befragten müsse die aktuelle Management-Generation diese Fähigkeiten verbessern, um morgen relevant zu bleiben. Traditionelle Management-Kompetenzen wie Erfahrung und Expertise verlören dagegen an Bedeutung, heisst es weiter. Kritik am Management von heute 40 Prozent der jungen Talente glauben laut Studie, dass der aktuellen Manager-Generation die Fähigkeit fehle, technische Investitionen für die Zukunft richtig zu planen. Diese liege daran, dass die derzeitigen Führungskräfte nicht verstünden, wie Technologie wirklich funktioniere und Entscheidungen auf der Grundlage von falschen Annahmen fällten. Auch für die Chefs von morgen sei das Salär ein wichtiger Motivator, heisst es weiter. Allerdings würden die Befragten beruflichen Erfolg in erster Linie an ihren Arbeitsinhalten messen. Diese müssten sinnvoll und herausfordernd sein. Um ein erfülltes Berufsleben zu führen, strebten sie keine traditionellen Karrieren an. Nur 17 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, dass sie C-Level- Führungskräfte werden wollen. Die Chefs von morgen blicken mit Zuversicht auf die technologische Entwicklung. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 09 / 2018

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