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Netzwoche 12/2017

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34 Technology Event Der

34 Technology Event Der Patient muss bei der Digitalisierung im Fokus stehen Medidata hat sein EDI-Podium in Luzern abgehalten. Die Referenten skizzierten die Zukunft des Gesundheitswesens. Die Gäste führten intensive Diskussionen. Autor: Christoph Grau Am 23. Juni hat Medidata sein alljährliches EDI-Podium in Luzern abgehalten. Im angenehm kühlen Kantonsratssaal sprachen Referenten über die Zukunft des Gesundheitswesens. Wie schon im Vorjahr führte Moderatorin Nicole Westenfelder durch die Veranstaltung. Medidata-CEO Daniel Ebner begrüsste die Gäste mit einem knackigen Vortrag, in dem er einige Eckdaten des Unternehmens nannte. Seinen Ausführungen zufolge nutzen inzwischen 70 Prozent aller Versicherungsgruppen Lösungen von Medidata. So gut wie alle Versicherer seien Kunden des Unternehmens. Er zeigte sich zudem optimistisch, bis zum Oktober dieses Jahres den 10 000sten Arzt als Kunden begrüssen zu können. «Ich freue mich, mit ihnen zusammen diese Reise weiterzuführen», schloss er seinen Vortrag ab. Stephan Sigrist, Gründer und Leiter des Think Tank W.I.R.E., sprach über seine Vision eines Gesundheistsystems der Zukunft. Patienten in den Fokus rücken Als erster Referent trat Stephan Sigrist, Gründer und Leiter des Think Tank W.I.R.E., an das Rednerpult. In seinem Vortrag skizzierte er einige seiner Gedanken zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf das Gesundheitswesen. Zunächst relativierte er die vielen Versprechen von Start-ups, die gerade im Bereich E-Health aus dem Boden sprössen. Die grosse Revolution des Gesundheitswesens wird es seiner Einschätzung nach nicht geben. Es würden sich die Innovationen durchsetzen, die einen direkten Nutzen für die Patienten brächten. «Der Patient spielt eine zentrale Rolle», sagte Sigrist. Viele der Innovationsansätze würden dies noch nicht berücksichtigen. Generell hielt er sich mit konkreten Prognosen aber zurück. Es sei schon schwierig, nur wenige Jahre in die Zukunft zu schauen. Hauptgrund sei die hohe Komplexität im Gesundheitswesen. Plötzliche technische Durchbrüche und neue Geschäftsmodelle könnten vieles durcheinanderbringen. Insgesamt attestierte er eine grosse Beschleunigung der Veränderungsprozesse, die Langzeitpläne, wie in der Vergangenheit geschmiedet, unmöglich mache. Neue Sichtweisen sind gefragt Aktuell konzentriere sich das Gesundheitswesen vor allem auf die schlechten Phasen im Leben eines Menschen, wenn er etwa erkrankt sei oder einen Unfall gehabt habe. Das Leben würde nicht in seiner Gesamtheit angesehen, was laut Sigrist aber nötig ist. Weitere Herausforderungen seien die steigende Lebenserwartung, die damit einhergehende Zunahme von Alterserkrankungen und die zunehmende Individualisierung. Zum letzten Punkt meinte Sigrist, dass es immer mehr unterschiedliche Lebensformen geben werde. Auch neue Formen der Familienplanung, wie etwa das sogenannte «So cial Freezing» könnten eine zunehmende Rolle spielen. Die Medizin müsse daher weg von «dem einen Patienten», hin zu ganz vielen unterschiedlichen Patientenmodellen. Die Vision müsse daher die einer «personalisierten Gesundheit» sein, sagte Sigrist. Ziel müsse ein schneller und effektiver Zugang zu medizinischen Leistungen sein. Dabei sollten die speziellen Bedürfnisse der Patienten berücksichtigt, und Medikamente müssten massgeschneidert werden. Auch die emotionale Versorgung dürfe dabei nicht unter den Tisch fallen. Nicht alle diese Anforderungen könnten durch die Digitalisierung erfüllt werden. Entscheidend sei, die Digitalisierung so auf das Gesundheitssystem zu übersetzen, dass sie einen Mehrwert für die Patienten böte. Letztlich werde auch nur das digitalisiert werden, was einen wirklichen Mehrwert verspreche, zeigte sich Sigrist überzeugt. Die Veranstaltung klang mit einem Apéro aus, der – wie schon die Pausen – von den Gästen rege zum Austausch genutzt wurde. « Die Medizin muss weg von ‹dem einen Patienten› und hin zu ganz vielen unterschiedlichen Patientenmodellen. » Stephan Sigrist, Gründer und Leiter des Think Tank W.I.R.E. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_47136 12 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Research 35 Cloud-Professional-Services dominieren den Projektmarkt Im laufenden Jahr werden im Schweizer Markt (B2B) 10,2 Milliarden Franken für ICT-Dienstleistungen ausgegeben, das sind mehr als 40 Millionen Franken pro Arbeitstag. Wir rechnen dieses Jahr mit einem satten Wachstums-Plus des gesamten Dienstleistungssegments von 5,9 Prozent. Das Wachstum des Schweizer ICT-Marktes wird zur Hauptsache durch die ICT-Services bestimmt. Unter den vier Topline-Segmenten Hardware, Software, Kommunikation und Services liegen Letztere sowohl mit Blick auf das Volumen als auch das prozentuale Wachstum an der Spitze des Rankings. Auf den Kern der ICT-Dienstleistungen, die traditionellen Professional-Services, entfallen 34 Prozent der Spendings. Und rund die Hälfte davon gehen auf das Konto der cloudbezogenen Dienstleistungen, dazu zählen vorab Beratung und Change Management, Transformationsdienste, Datenmigration, Implementierung und Integration. Das Auftauchen und die rasante Verbreitung der Cloud-Computing-Services hat nicht nur das Marktgefüge rund um die externen Sourcing-Leistungen durcheinandergewirbelt, sondern auch den Markt der professionellen Projektdienstleistungen nachhaltig verändert. Die Nachfrage nach traditionellen projektbezogenen Services sinkt. Markant zugenommen haben cloudbezogene Integrations- und Implementierungsaufträge. Grosser Zuwachs bei hybrider ICT Im Sog des Paradigmenwechsels, das heisst der zunehmenden Verlagerung des ICT-Betriebs hin zu externen Cloud-Providern, entsteht damit flächendeckend über alle Grössenklassen und Branchen hinweg ein enormer Bedarf an Professional- und vor allem Transformationsservices. Am meisten Zuwachs unter den ICT-Betriebsmodellen verzeichnet derzeit die hybride ICT, das heisst der Mix aus unterschiedlichen Formen des Betriebes, sowohl aus internen wie auch externen Quellen, und dies selbst oder durch Dritte gemanagt. Die Karten werden neu gemischt Aus der Makroperspektive betrachtet ändert sich nicht viel. Der Projektmarkt legt weiterhin kräftig zu. Die Mikroperspektive liefert aber ein differenzierteres Bild. Der Einfluss der Cloud ist gross geworden, die Karten im Markt der Projektdienstleister werden neu gemischt, da ist viel in Bewegung, alles strukturiert sich neu. Die klassischen, traditionellen Services verlieren, die Cloud-Professional- Services gewinnen kontinuierlich an Terrain. Insgesamt legen die Projektdienste 2017 um 3,1 Prozent zu, für das Wachstum sind aber die Cloud-Professional-Services verantwortlich. Sie verzeichnen einen kräftigen Sprung um 20,3 Prozent. Die Anforderungen an die Dienstleister steigen, das Differenzierungspotenzial ist gegeben. Entsprechende Expertise und überzeugende Skills sichern den Vorsprung. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_47370 DER AUTOR Philipp A. Ziegler Geschäftsführer, MSM Research AG DIE SPENDINGS FÜR CLOUD-PROFESSIONAL-SERVICES IN DER SCHWEIZ Total Ausgaben 2017, Prognose: 1654,7 Millionen Franken Individuelle Anpassungen, Apps, Schnittstellen ICT-Consulting, Strategie, Architektur, Transformation ICT-Ausbildung & Training System- & Netzwerk-Implementierung/Integration, Datenmigration Quelle: MSM Research AG 783,2 Mio. Fr. 47,3 % 326,2 Mio. Fr. 19,7 % 394,3 Mio. Fr. 23,8 % 151,0 Mio. Fr. 9,1 % www.netzwoche.ch © netzmedien ag 12 / 2017