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Netzwoche 12/2017

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36 Technology

36 Technology Nachgefragt « Wir haben geliefert, was wir versprochen haben, auch wenn einige Leute höhere Erwartungen hatten » Kirill Tatarinov ist im Januar 2016 als CEO zu Citrix gestossen, um das Unternehmen zu reorganisieren. Vieles läuft heute anders unter dem Mann, der von Microsoft kam und der das Unternehmen (vielleicht) für einen Verkauf schönmacht. Im Gespräch erklärt er, wie es mit Citrix weitergeht. Interview: Marc Landis, Redaktion: Oliver Schneider « Citrix ist für Microsoft ein sehr wichtiger Anker für die Azure Cloud. » Kirill Tatarinov, CEO, Citrix Kirill Tatarinov, CEO von Citrix: «Wir preschen vorwärts mit Geschwindigkeit und Überzeugung.» Womit haben Sie sich seit Ihrem Arbeitsbeginn im Januar 2016 vor allem beschäftigt? Kirill Tatarinov: Als ich bei Citrix anfing, war mir klar, dass das Unternehmen eine neue Struktur und einen neuen Rahmen brauchte. Also beschäftigten wir uns 2016 vor allem mit der Firmenvision, -strategie und -kultur. Nun haben wir eine klare Vorstellung von unseren Aufgaben, unserer Strategie und von der Kultur, die Citrix haben sollte. Auf der Grundlage unserer definierten Werte und in Kontakt mit unseren Angestellten. In der Rückschau verblüfft es mich etwas, wie rasch wir den Kulturwandel geschafft haben. Ich glaube, wir waren deshalb so schnell, weil die Menschen bei Citrix diesen Wandel herbeigesehnt hatten und sich alle dafür engagierten. An unserer Hausmesse Synergy vor einem Jahr stellten wir das neue Citrix Synergy erstmals vor. Und wie ist es heute, ein Jahr später: Sind Sie wieder auf dem richtigen Weg? Ja, wir sind auf dem richtigen Weg. Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung der Unternehmenszahlen? Wir hatten sieben Quartale mit laufend verbesserten Zahlen. Und wir sind sehr glücklich mit den Resultaten, mit der Margenerhöhung und mit der Entwicklung der weltweiten Verkäufe. Es lief sehr gut. Aber es geht uns nicht nur um Quartalszahlen, sondern auch um die Schaffung eines Fundaments für nachhaltiges und profitables Wachstum. Wenn ich zurückblicke, ist es dieses Fundament, das mir für die Zukunft Begeisterung und Zuversicht gibt. Haben Sie denn genug Zeit, ein Unternehmen auf diese für US-Firmen unübliche Art zu führen? Die Wahrheit ist, man muss beides machen. Man muss sowohl konkrete, kurzfristige Resultate vorweisen können, als auch im Rahmen eines langfristigen Plans operieren. Man muss kurzfristig denken und gleichzeitig berücksichtigen, dass man sich in einer Welt mit Grenzen befindet und langfristig denken. Das schafft Hürden, aber das ist die Realität, in der wir gewohnt und geschult sind zu leben. Die Einnahmen im letzten Quartal von Citrix waren in Ordnung, aber nicht wirklich gut. Warum? Man verspricht und man liefert. Und wir haben genau das geliefert, was wir versprochen haben, wenn auch einige Leute höhere Erwartungen hatten. Wir begannen die Transformation in die Cloud, was ein wichtiger Teil der Zukunft der Firma ist. Wir gewannen neue Kunden, was uns sehr freut. Wir erreichten unser Ziel, aber vor allem übertrafen im letzten Quartal alle Regionen ihre Ziele. Was sind Ihre Perspektiven bei Citrix? Wie viele Jahre bleiben Sie CEO? Ich fing erst vor 16 Monaten an, es ist wohl noch etwas zu früh, um schon über die Rente nachzudenken. Ich bin mit Leidenschaft dabei und glaube, dass wir enormes Potenzial und Chancen haben. Vor allem aber arbeiten bei Citrix grossartige Leute, was den Job zum Höhepunkt meiner Karriere macht. Ich werde ihn geniessen, solange ich darf. Wie wichtig ist die Schweiz als Markt für Citrix? Citrix ist bereits seit langer Zeit in der Schweiz aktiv und 12 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

37 « Das Durchhaltevermögen von Citrix ist wesentlich besser, als das von anderen Unternehmen in der Branche. » Kirill Tatarinov, CEO, Citrix wir haben hier einen festen Kundenstamm. Die Schweiz ist Sitz vieler grosser Unternehmen wie Nestlé oder ABB, die Kunden von Citrix sind. Und wir sind bereit, weiter in der Schweiz zu arbeiten und diese Unternehmen zu unterstützen. Eine Marktumfrage zur installierten IT-Basis in den 12 000 grössten Unternehmen der Schweiz zeigt, dass Citrix Marktanteile an Microsoft verloren hat. Was wollen Sie tun, um wieder zu wachsen? Den Bericht möchte ich gerne sehen, denn ich glaube, er widerspiegelt nicht die tatsächliche Entwicklung. Wir kooperieren mit Microsoft und dadurch entstehen vielleicht Missverständnisse, denn ihre Lizenzen gehen mit unseren Hand in Hand. Alles in allem haben wir im Verlauf des letzten Jahres erheblich Marktanteile gewonnen, vor allem gegenüber VMware. 2014 und 2015 gab es gegen diesen Mitbewerber zwar Anteilsverluste, aber im Jahr 2016 gewannen wir wieder dazu, und 2017 hat sich das beschleunigt. An der Synergy sagten Sie in Ihrer Keynote, dass Citrix gerne zur Sicherheitsfirma werden möchte. Das klingt nicht gerade innovativ, denn jeder will sichere Produkte herstellen und Sicherheits- Features anbieten. Inwiefern unterscheidet sich Ihr Ansatz von dem anderer Unternehmen? Citrix liefert bereits seit vielen Jahren Sicherheitstechnologie aus. Wir haben die Firma ironischerweise aber nicht so vermarktet und den Wert dieser Produkte nicht herausgestrichen. Auf die Notwendigkeit, dies zu ändern, machten mich einige Kunden aufmerksam. Sie sagten: «Ihr helft uns mit der Sicherheitsinfrastruktur, aber ihr redet nicht darüber und erklärt den Wert nicht.» Eine Umfrage bei unseren Kunden ergab, dass 66 Prozent von ihnen uns bereits als Sicherheitsdienstleister wahrnehmen. Das hörten Sie auch vom Chief Security Officer von ADP, einem unserer ältesten Kunden. Wir müssen uns nur anders verkaufen. Denn wenn Sie unser Portfolio betrachten, sehen Sie eine Menge Sicherheitsanwendungen: Netscaler, Secure Gateway oder Sharefile umfasst viele Sicherheitsmerkmale ... VDI ist der einzige Weg, Endgeräte sicher zu machen. Lassen Sie uns noch über Citrix und Microsoft sprechen. Warum ist diese Partnerschaft für Sie so wichtig? Diese Partnerschaft ist eigentlich für beide sehr wichtig. Wir beide haben Kunden, die wollen, dass Microsoft und Citrix zusammenarbeiten, um Windows-Umgebungen zu virtualisieren. Andere benötigen Hilfe bei der Umstellung auf Windows 10, denn Windows 7 wird bald den Support- Lifecycle verlassen und dann nicht mehr sicher sein. Die Leute wissen, dass sie umstellen müssen, und für viele bedeutet das, virtuelle Umgebungen zu schaffen. Dieser Schritt bedeutet für viele aber auch, den Schritt in die Cloud zu tun – und genau in diesem Zusammenhang wird diese Partnerschaft grosse Vorteile bieten. Die Möglichkeit, ein virtuelles Windows 10 aus der Azure Cloud einzusetzen, ist logisch und nur ein Teil dieser Partnerschaft. Und welche Bedeutung hat diese Partnerschaft für Microsoft? Microsoft hat am Rollout von Windows 10 ein ebenso grosses Interesse wie alle anderen auch. Dass Citrix hierbei als engagierter Anbieter auftreten kann, ist für Microsoft sehr wichtig. Citrix ist für Microsoft ausserdem ein sehr wichtiger Anker für die Azure Cloud. Sie wurden gefragt, ob Citrix zum Verkauf stehe. Lassen Sie uns einmal spekulieren: Wäre es für das längerfristige Überleben von Citrix nicht besser, mit einer anderen Firma zu fusionieren? Wir geschäften seit 28 Jahren erfolgreich und bringen erfolgreich Produkte auf den Markt. Wir hatten einige Stolpersteine auf dem Weg vor vier, fünf Jahren, aber darüber sind wir hinweg. Wir preschen vorwärts mit Geschwindigkeit und Überzeugung. Ich würde sagen, dass das Durchhaltevermögen von Citrix wesentlich besser ist, als das anderer Unternehmen in der Branche. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_47380 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 12 / 2017