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Netzwoche 12/2017

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40 Bild: iStock FOCUS FINTECH Vom Finanz- zum Fintechplatz Schweiz gsa. IT verändert nicht nur die bisherigen Prozesse in Banken und Versicherungen. Sie bringt auch Neues hervor. Etwa Crypto finance. Dieses digitale Geld könnte mit Funktionen ergänzt werden. Eine Möglichkeit, die immer wieder diskutiert wird, ist, ein Verfallsdatum für digitales Geld einzuführen. Die Idee dahinter: Menschen geben das Geld aus, bevor es verfällt und somit seinen Wert verliert. Das soll den Konsum ankurbeln. Welche weiteren Möglichkeiten Cryptofinance eröffnet, erklärt Peter Schärer, Head Professional Services Banking bei Inventx, in seinem Fachbeitrag. Die Schweiz ist ein Land, in dem Hochtechnologie entwickelt wird. Ausserdem ist sie ein wichtiger Standort für die Finanzwirtschaft. Mit Fintech werden Technik und Finance zusammengeführt. Was folgt daraus? Es entstehen immer mehr junge Fintech-Unternehmen. Start-up-Programme wie der Inkubator F10 des Finanzdienstleisters Six fördern diese Entwicklung. Doch wie steht es um den Schweizer Fintech-Markt? Wo stehen die Finanzplätze Genf und Zürich? Das Institut für Finanzdienstleistungen (IFZ) der Hochschule Luzern machte eine Standortbestimmung. Wie der Schweizer Fintech-Markt abschneidet, erklären die Finanzexperten des IFZ Thomas Ankenbrand und Denis Bieri. Wie traditionelle Banken von den Fintech-Start-ups profitieren können, erläutert abschliessend Nico Tschanz, Leiter Consulting bei Crealogix. Tschanz plädiert für mehr Offenheit. Entscheider von Finanzinstituten, auch aus der IT-Abteilung, sollten offen sein für Pioniergeist, für eine Fehlerkultur und für die Kooperation mit Fintech-Unternehmen. 12 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Focus Fintech 41 Der Aufstieg des Internet of Money Cryptofinance ist in der Welt der digital vernetzten Dinge weit mehr als elektronisches Geld. Finanzielle Transaktionen werden künftig im IoT und die smarten Geräte in eine Blockchain eingebettet sein. Das Internet of Things wird zum Internet of Money. In unserer digitalisierten Welt verschmelzen Waren-, Daten- und Finanzströme zusehends. Ja, mehr noch: Mittlerweile gehen sogar grössere Wachstumsimpulse von Daten als von Gütern aus, denn viele physische Waren werden schlichtweg durch Daten ersetzt: Musik, Filme oder Bücher werden heutzutage nur noch gestreamt, gedownloadet oder als Service bezogen. Selbst das Geld wird zunehmend digital. Mit den mittlerweile mehr als 700 verschiedenen Krypto-Währungen repräsentieren Daten das Geld nicht mehr, sie sind das Geld. Wobei echtes digitales Geld nicht gleichzusetzen ist mit elektronischem Geld, das bei Onlinebanking, am POS oder per Kreditkarte das Konto wechselt. Letzteres ist als Buchoder «stoffwertloses» Geld noch immer der Geld- und Währungsordnung eines Zentralbankensystems zugeordnet. Das digitale Geld hingegen wird ohne zentrale Instanz in einem öffentlichen Netzwerk gemeinschaftlich erzeugt. Der Besitz von kryptologisch abgesichertem Guthaben wird durch elektronische Signaturen sichergestellt. Das Geld wird nicht mehr auf einem Konto verwaltet, sondern im Netzwerk. Um zusätzliche Applikationen bereichertes digitales Geld Geld, das nur noch digital existiert, also im Wesentlichen aus Daten besteht, kann durch zusätzliche Applikationen in seiner Verwendung mannigfaltig bereichert werden. Zum Beispiel kann digitales Geld als volkswirtschaftliches Steuerungsinstrument um ein Verfallsdatum – ähnlich einem Gutschein – erweitert werden. Würde das Geld nicht bis zum Datum x ausgegeben, verlöre es seinen Wert. Damit könnte unter anderem im Zeitalter von Negativzinsen gezielte Wirtschaftsförderung betrieben werden. Technisch gesehen wird die Frist als Algorithmus direkt im digitalen Geld hinterlegt, ebenso wie in einem anderen Szenario: der Verwendungszweck. Damit liesse sich besser steuern und kontrollieren, wofür das Geld eingesetzt wird – etwa für die Ausbildung, indem die Währung nur von Universitäten oder Buchhandlungen akzeptiert werden kann und nicht von der nächsten Bar. Die Informationen darüber sind im jeweiligen Programmcode auf der Blockchain hinterlegt und ebenso manipulierungssicher wie verifizierbar. Internet of Things wird zum Internet of Money Ein weiterer Treiber hin zu Kryptofinance ist das Internet of Things. Im Jahr 2020 werden vermutlich 40 Prozent des Datenverkehrs auf Machine-to-Machine-Kommunikation beruhen und aus Informationen wie auch Transaktionen bestehen. Der vielzitierte smarte Kühlschrank kann nicht nur die Milch nachbestellen, wenn sie zur Neige gegangen ist, sondern er kann auch die Bezahlung auslösen. Die Finanzdienstleistung wird somit in den Prozess eingebettet und das Internet of Things wird zum Internet of Money mit der Blockchain als einer Art IoT-Betriebssystem. Für das Banking der Zukunft bedeutet diese Entwicklung, dass Kernelemente des Bankings, nämlich das Vertrauen und die Schnittstelle zum Kunden, quasi automatisiert hergestellt werden können. Womöglich wird künftig nicht mehr der Bankberater den Kunden und seine Finanzströme besser kennen, sondern eben der Kühlschrank, das autonome Auto oder das Fitnessarmband. Unterlegt sind all diese smarten Appliances lediglich mit einer Blockchain-Technologie, über die transparent, authentifiziert und nachvollziehbar ein- und ausgebucht wird. DER AUTOR Peter Schnürer Head Professional Services Banking, Inventx Mit den mittlerweile mehr als 700 verschiedenen Krypto-Währungen repräsentieren Daten das Geld nicht mehr, sie sind das Geld. Bild: Fotolia www.netzwoche.ch © netzmedien ag 12 / 2017