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Netzwoche 12/2018

30 Technology Research

30 Technology Research Connectivity hat Top-Priorität – ohne Vernetzung läuft es nicht Die Digitalisierung hält Einzug im Gesundheitswesen. Wie unsere Studie zum Thema «E-Health und ICT im Schweizer Gesundheitswesen» aufzeigt, erfasst die digitale Transformation zunehmend sowohl die Leistungserbringer als auch die Patienten. Ein wichtiger Generator für neue Projekte ist dabei sicherlich die gesetzlich vorangetriebene Planung und Einführung des elektronischen Patientendossiers. DER AUTOR Philipp A. Ziegler Geschäftsführer, MSM Research AG Es wäre falsch und zu kurz gegriffen, das Thema der Digitalisierung im Gesundheitswesen nur auf das elektronische Patientendossier EPD zu reduzieren. Aus den Fachbereichen ebenso gefördert werden derzeit unter anderem auch das Klinikinformationssystem (KIS), die Vernetzung, Mobilität und Geschäftsprozessanwendungen. Bei der Umsetzung entsprechender Lösungen spielt die Informatik eine zentrale Rolle. Mit Blick auf die formulierten Zielsetzungen, die mit einer E-Health-Strategie und der Digitalisierung verfolgt werden sollen, stehen zwei Kernthemen im Mittelpunkt: 1. Die Optimierung der Prozesse durch ·· Verschlankung des Verwaltungsaufwandes ·· verbesserte Kommunikation und ·· höhere Transparenz hinsichtlich der Abläufe sowie Geschäfts- und Patientendaten 2. Die Betreuung des Patienten mit dem Ziel ·· rascher und gezielter zu reagieren ·· die Reaktionszeiten zu verkürzen ·· insgesamt den Individualisierungsgrad der Betreuung zu erhöhen Die Voraussetzung dafür bildet eine durchgängig digitalisierte Prozesswelt, welche die Konvergenz der Daten von allen beteiligten Stellen und Partnern im Ökosystem des Gesundheitswesens erfordert: angefangen beim Hausarzt, über die Klinik, die Apotheke bis zum Physiotherapeuten. Hier besteht aber noch viel Handlungsbedarf, so sind etwa erst knapp die Hälfte der Spitäler mit Ärzten oder auch nur ein Viertel mit der Spitex vernetzt. In vielen der befragten Spitäler und Kliniken stehen deshalb Vernetzungsprojekte zusammen mit dem Thema Sicherheit an oberster Stelle der aktuell geplanten Vorhaben. Nur mit einer durchgängigen Erreichbarkeit aller Beteiligten sowie dem medienbruchfreien Austausch und der Zusammenführung aller Patientendaten können die Effizienz, Agilität und Reaktionszeit gesteigert respektive weiter verbessert werden. Die Vision einer personalisierten Gesundheit und individualisierten Patientenbetreuung wird nicht ohne eine Optimierung der Vernetzung und Abläufe zu realisieren sein. Connectivity hat Top-Priorität. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_98623 SPITÄLER UND KLINIKEN – DIE TOP-PROJEKTE AUS DER ICT Welche Projektthemen generieren in Ihrem Unternehmen bis 2019 am meisten Bedarf im ICT-Bereich? Mehrfachantworten möglich, n=44 ICT-Security, Datenschutz Vernetzung mit externen Stellen und Leistungserbringern 59% 64% Infrastrukturthemen: Integration & Konsolidierung (Datacenter, Server, Clients, Netzwerke) 45% Virtualisierung (Management virtueller Rechen- und Storage-Ressourcen) 32% Vernetzung intern (Intranet) Business Continuity & Recovery Services (Katastrophenvorsorge) 23% 23% Nutzung von Cloud-Services (Public und Private) Auslagerungsthemen: Managed Services 9% 14% Quelle: MSM Research AG 12 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Nachgefragt 31 So setzt Postfinance die Blockchain ein Ist die Blockchain bloss ein Hype? Nein, sagt Postfinance. Die Bank experimentiert schon länger damit und arbeitet nun mit Energie Wasser Bern an einer Blockchain-Lösung. Projektleiter Matthias Egli und Thomas Goetz, stellvertretender Leiter IT-Architektur bei Postfinance, haben der Redaktion erklärt, was es dabei für Herausforderungen gibt. Interview: Marcel Urech Seit wann hat Postfinance ein Blockchain-Team? Thomas Goetz: Wir beschäftigen uns bei Postfinance seit rund drei Jahren mit der Blockchain. Unsere Geschäftsleitung erkannte das Potenzial der Technologie schon früh. Wir vereinbarten, mit einem kleinen Team loszulegen, um schnell erste Erfahrungen zu sammeln. Wie gross ist das Team? Goetz: Das Kernteam hat vier Mitarbeiter. Für Frontend- Anwendungen greifen wir zusätzlich auf Externe zurück. Die Blockchain-Lösung entwickeln wir aber intern. Was für eine Lösung entwickelt Postfinance? Matthias Egli: Wir arbeiten mit Energie Wasser Bern am Projekt «Blockchain for Utility» (B4U). Es verfolgt das Ziel, Energie dezentral über eine Blockchain abzurechnen. Warum braucht es dafür eine Blockchain-Lösung? Egli: Der Energiemarkt verändert sich stark. Es gibt nun Stromkonsumenten, die einen Teil ihres Verbrauchs selbst produzieren – sogenannte Prosumer. Und der Strommarkt dezentralisiert sich zunehmend. In einem solchen Umfeld ist es sinnvoll, eine Blockchain zu nutzen. Verlief das Projekt bis jetzt nach Plan? Egli: Ja, es verläuft etwa so, wie erwartet. Wir entschieden uns im Mai, einen Proof-of-Concept zu machen. Ende 2017 startete die Pilotphase. Nun führen wir regelmässig Status-Meetings durch, an denen auch die Geschäftsleitung von Energie Wasser Bern teilnimmt. Thomas Goetz, stellvertretender Leiter IT-Architektur bei Postfinance (l.), und Matthias Egli, Leiter des Projekts «Blockchain for Utility» bei Postfinance. Was wollen Sie über die Blockchain abwickeln, was nicht? Goetz: Wir protokollieren, wer wie viel Energie produziert und konsumiert. Nicht über die Blockchain gelöst sind die Identitätsverwaltung und die Bezahlung. Zahlungen wären aber eine ideale Blockchain-Anwendung. Egli: Ja, aber die Akzeptanz von Kryptowährungen ist gering. Nur wenige Kunden würden Rechnungen mit Bitcoin oder Ether bezahlen. Der Kryptomarkt ist zudem äusserst volatil und der Wert der Währungen schwankt stark. Und wenn der E-Franken kommt? Egli: Der E-Franken ist eine spannende Idee und wir beobachten genau, wie sich der Markt entwickelt. Vorerst geht es für uns aber nicht um grosse Visionen – wir müssen zuerst weitere Erfahrungen sammeln. Wie weit ist das B4U-Projekt fortgeschritten? Egli: Wir führen es gerade testweise auf dem Markt ein. Den Prototyp bauten wir 2017. Kunden können das Produkt voraussichtlich im Herbst erstmals nutzen. Welche Blockchain verwenden Sie im Projekt? Goetz: Wir befassten uns zuerst mit öffentlichen Blockchains wie Ethereum. Wir entschieden uns dann aber, für unsere Geschäftsanwendungen auf Hyperledger Fabric von der Linux Foundation zu setzen. Warum nicht Ethereum? Goetz: Ethereum ist spannend, keine Frage. Für unseren Anwendungsfall bevorzugten wir aber eine private Blockchain, die sich flexibel einsetzen lässt und ein effizientes Konsensverfahren bietet. Viele Blockchains skalieren nicht gut. Ist das ein Problem? Goetz: Es kommt immer auf den Anwendungsfall an. Hyperledger Fabric kann durchaus mit höheren Transaktionsvolumen umgehen. In unserem Projekt erwarte ich kein Problem mit der Skalierung. Die Post arbeitet an einer E-ID. Funktioniert sie mit der Blockchain? Goetz: Das ist geplant. Wir wollen die E-ID der Swiss Sign Group auch für unsere Blockchain-Projekte einsetzen. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_98534 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 12 / 2018