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Netzwoche 12/2019

12 So

12 So hat Chuck Robbins Cisco aus der Hardwarefalle gerettet Cisco hat sein hardwarelastiges Geschäft in den vergangenen Jahren um Software und Services im Abomodell ergänzt. An seiner Hausmesse in San Diego zeigte das Unternehmen denn auch vor allem Software, KI, Machine Learning und eine neue Entwicklerplattform. Autor: Marc Landis Den vollständigen Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch An Ciscos 30. Hausmesse «Cisco Live 2019», die Mitte Juni im kalifornischen San Diego über die Bühne ging, hat man von verschiedenen Cisco-Leuten immer wieder gehört, dass «Chuck» Cisco gerettet habe, dass er die «Bedrohung» durch Software-defined Networking (SDN) zum Vorteil des Unternehmens genutzt habe. Wenn sie von Chuck sprachen, meinten sie Chuck Robbins, der seit vier Jahren die Geschicke des weltgrössten Netzwerkanbieters Cisco als CEO leitet, nachdem sich Langzeit-CEO John Chambers 2015 von seiner Funktion zurückgezogen und sich 2017 schliesslich komplett von Cisco verabschiedet hatte. Robbins baute Cisco zu einem Unternehmen um, dessen Einnahmen nicht mehr nur vom reinen Hardwareumsätzen abhingen, sondern auch durch wiederkehrende Umsatzströme in Form von Abos für Software und Dienstleistungen Geld verdient. So rettete er Cisco aus der Hardwarefalle. Der Umbau scheint ihm ganz gut gelungen zu sein. So zeigte sich etwa IDC-Analyst Rohit Mehra in einem Interview mit der Onlinezeitschrift «Marketwatch» beeindruckt, wie Robbins das Unternehmen umkrempelte: «Wie sich Cisco von einem Hardware-Boxmover zu einem vertrauenswürdigen Technologiepartner entwickelt hat, der Kunden hilft, sich in der komplexen Cloud-Welt zurechtzufinden, ist eine grossartige Geschichte.» Und diese Geschichte soll weitergehen, wenn es nach Cisco geht. Bis 2020 will Cisco 30 Prozent des operativen Umsatzes aus wiederkehrenden Abo-Einnahmen für Software und Dienstleistungen generieren, wie das Unternehmen anlässlich der Publikation seiner Quartalszahlen im Mai bekannt gab. 25 000 Besucher an Hausmesse Cisco Live An der Hausmesse Cisco Live im kalifornischen San Diego konnten sich 25 000 Besucher davon überzeugen, wohin Ciscos weitere Reise konkret geht. Security, Multi-Cloud, 5G, Wi-Fi 6, IoT waren Themen in CEO Chuck Robbins’ Eröffnungsrede an der Cisco Live 2019. Robbins liess keinen Zweifel daran, dass Cisco im Netzwerkgeschäft weiterhin den Ton angeben will. Der Cisco- Chef zeigte sich zudem überzeugt, dass es einen starken Bedarf für die Neuerfindung der Netzwerkarchitektur gebe. Die Netzwerktechnologie befinde sich in einer tiefgreifenden Veränderung. Software und Service werden immer wichtiger, während die reine Hardware in den Hintergrund trete. Dies widerspiegelte sich auch in der Tatsache, dass sich nur wenige von Ciscos Ankündigungen um Hardware drehten. So präsentierte Cisco eine Reihe von «ruggedized» Access Points, Switches und Routern, die für den Einsatz in rauen Umgebungen gedacht sind und dort IoT-Anwendungen ermöglichen sollen. Zu den angekündigten neuen Produkten gehören Catalyst Heavy Duty Switches und Access Points, ein Industrie-Router, der die Cisco SD-WAN-Funktionen zur Anbindung von Remote-Standorten unterstütze und eine erste SD-WAN-Lösung Ciscos für industrielles IoT. Gemanagt werden auch diese Netzwerkkomponenten über die Plattform Digital Network Architecture (Cisco DNA), die seit der Einführung von Ciscos Intent-based Networking Strategie 2017 das Herzstück von Cisco-Netzwerken ist. Nächste Version von Cisco DNA kommt Die nächste Version von Cisco DNA soll im dritten Quartal lanciert werden und über neue Funktionalitäten verfügen, mit der Kunden etwa Domain-Silos im Unternehmen und in der Cloud leichter mit dem WAN verbinden können sollen. Cisco nennt das Multidomain-Integration. Die Software ermögliche es Kunden auch, Nutzungsrichtlinien für einheitliche Zugriffskontrollen auf Benutzer, Geräte und Anwendungen anzuwenden, egal von wo aus sie sich mit dem Unternehmensnetzwerk verbänden. Ausser der Geräteverwaltung und -konfiguration könnten Kunden mit dem Cisco DNA Center zudem Richtlinien für den Zugriff auf das Unternehmensnetzwerk via Soft- 12 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Event 13 ware-defined Access (SD-Access) steuern, automatisieren, Geräte über Cisco «Network Functions Virtualization» (NFV) virtualisieren und Sicherheitsrisiken durch Segmentierung und Encrypted Traffic Analysis verringern. Zudem sollen Sicherheitsfunktionen auf mehrere Domänen ausgerollt werden können. KI und Machine Learning Cisco präsentierte auch «AI Network Analytics», ein Softwarepaket, das KI und Machine Learning einsetzt, um sicherheitsrelevante Muster im Netzwerkverkehr zu erlernen und so Kunden helfen sollen, Probleme proaktiv im gesamten Unternehmen zu erkennen und zu beheben. Dies entlaste Netzwerk-Engineers davon, sich mit falschen Alarmen herumzuschlagen. Laut einem Kundentestimonial des Online-Games-Anbieters King.com Ltd (Candy Crush etc.) sind die Alarme um etwa 80 Prozent gesunken, da die trivialen jetzt entweder von der KI bearbeitet oder ignoriert werden, weil sie nicht signifikant sind. Um zu den entsprechenden Erkenntnisse zu gelangen, sammelt AI Network Analytics Netzwerkdaten von Cisco DNA Centern an den angeschlossenen Standorten, verschlüsselt und anonymisiert die Daten, damit die Privatsphäre gewahrt bleibt und bündelt sie in der sogenannten Cisco Worldwide Data Platform. In dieser Cloud analysiert Cisco die aggregierten Daten via Deep Machine Learning, um Muster und Anomalien zu erkennen. Diese Lösung sei ab August in einem Abomodell verfügbar. IBN durch Multi-Domain-Integrationen Cisco kündigte auch Lösungen an für den weiteren Aus – und Aufbau von absichts-basierenden Netzwerken (IBN), die alle Bereiche abdecken können vom Hauptsitz eines Unternehmens über die verschiedenen Niederlassungen, im WAN, bis hin zu IoT, Rechenzentrum und Cloud. Durch Multi-Domain-Integrationen will Cisco seinen Kunden ein sicheres und verlässliches Erlebnis bieten, unabhängig von ihrer Verbindungsmethode, während es gleichzeitig alle einzigartigen Bedürfnisse jeder der genannten Netzwerkbereiche erfüllt. Softwareentwicklung immer näher zusammenrücken. Der neue Cisco-Zertifizierungspfad beinhaltet eine Cisco Dev- Net-Zertifizierung für die Entwicklung von Softwarefähigkeiten und verfügt über eine DevNet-Associate-Spezialisierung, eine DevNet-Specialist-Spezialisierung und eine DevNet-Professional-Spezialisierung. Die neuen Kurse sollen diesen Monat starten und Prüfungen könnten ab Februar 2020 absolviert werden. Auch will Cisco die Zertifizierungen für Partner und Endkunden erleichtern. Der Zeit- und Geld-Aufwand für das Erreichen bestimmter Zertifizierungsstufen soll stark reduziert werden. So will Cisco mehrere seiner Zertifizierungen rationalisieren und konsolidieren, einschliesslich der CCNA-Einstiegszertifizierung, CCNP, Cisco Certified Specialist und Cisco Certified Internetwork Engineer. Netzwerkautomatisierung, Wi-Fi 6 und 5G Um die Netzwerkautomatisierung weiter zu fördern, präsentierte Cisco die DevNet Automation Exchange. Diese «Börse» ist eine neue Community, die von Entwicklern, Endanwendern und Vertriebspartnern genutzt werden kann und gemeinsamen Code bietet, der spezifische Anwendungsfälle der Netzwerkautomatisierung, etwa die Automatisierung von SD-WAN-Richtlinien, lösen kann. Der Code werde von der DevNet-Community entwickelt und von Cisco laufend kuratiert. Damit will Cisco die Netzwerkautomatisierung auf sehr konkrete Weise zu mehr Partnern und Endkunden bringen. Nicht zuletzt diskutierten Experten an der Cisco Live auch über Wi-Fi 6 und 5G. Die neuen Standards werden Unternehmen schneller und effizienter und mit geringerer Latenz vernetzen. Dabei wird es nicht entweder 5G oder Wi-Fi 6 heissen, sondern 5G UND Wi-Fi 6. Etwas lapidar sagte ein Cisco-Referent dazu: «Du wirst draussen 5G und drinnen Wi-Fi 6 benutzen.» Die Aussichten für Cisco, auch in Zukunft den Ton im Netzwerkgeschäft anzugeben, scheinen intakt. Und auch Chuck Robbins zeigte sich zuversichtlich, dass der eingeschlagene Weg richtig ist: «Wir fühlen uns gut dabei, wo wir sind», sagte er. Bis 2020 will Cisco 30 Prozent des operativen Umsatzes aus wiederkehrenden Abo-Einnahmen für Software und Dienstleistungen generieren. Neue Cisco Certification Suite und eine Entwickler-Community Auch kündigte Cisco an, seine Zertifizierungen streamlinen zu wollen und bietet sie nun in der neuen Cisco Certification Suite an. Damit will Cisco Kunden und Partner auf den neusten Stand im Zusammenhang mit der Softwaredefinierten Business-Strategie bringen. Dafür will Cisco seine Zertifizierungen aktualisieren, um Softwarekenntnisse und DevNet-Kenntnisse zu integrieren. Es handelt sich bei DevNet um ein weiterentwickeltes Zertifizierungsund Trainingsprogramm, das mit einem speziellen Zertifizierungspfad ausgestattet ist, mit dem Softwareentwickler ihre Programmierkenntnisse und Softwarekenntnisse unter Beweis stellen können sollen. Cisco trägt damit der Entwicklung Rechnung, dass Infrastruktur-Engineering und « Wir fühlen uns gut dabei, wo wir sind. » Chuck Robbins, CEO, Cisco www.netzwoche.ch © netzmedien ag 12 / 2019

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