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Netzwoche 12/2019

26 People Fachbeitrag

26 People Fachbeitrag Die Smart City funktioniert nur in der Cloud Bis zum Jahr 2050 werden laut einer Studie von Frost & Sullivan über 80 Prozent der Bevölkerung von Industrieländern in Städten leben. Sogenannte «intelligente Städte» (Smart Citys) spielen bei dieser Entwicklung eine zentrale Rolle. Vor allem in den Bereichen Energieeffizienz, Luftqualität, intelligenter Nahverkehr und öffentliche Sicherheit sollen Technologien den Kommunen Vorteile bringen. DER AUTOR Giulio Soro Head of Solutions Architecture Emerging Markets/RoEMEA Public Sector, Amazon Web Services (AWS) Dank verbesserter Netzabdeckung, höherer Rechenleistung und grösserer Speicherkapazitäten erwachen Smart Citys in immer mehr Regionen zum Leben. Dabei spielen vier Faktoren eine zentrale Rolle. 1. Der Schlüssel liegt in der Wolke Intelligente Städte generieren grosse Datenmengen. All diese Informationen müssen verarbeitet und sicher abgespeichert werden. Hier bietet sich eine Lösung in der Cloud wie beispielsweise jener von AWS an, weil sie einfach skalierbar ist. Nur so kann die städtische IT dem kontinuierlichen Datenzufluss begegnen, ohne ständig die eigene Speicherkapazität aufstocken zu müssen. Hinzu kommt, dass mit Cloud Analytics die Menge an Daten fast in Echtzeit ausgewertet werden kann. Wenn Kommunen Smart-City-Lösungen implementieren wollen, sehen sie sich mit einer wesentlichen Herausforderung konfrontiert: Internet-of-Things(IoT)-Szenarien sind in der Regel mit erheblichen Investitionen verbunden. Immerhin müssen viele über das Internet verbundene Sensoren und Sonden über das gesamte Stadtgebiet verteilt Informationen sammeln. 2. Vorhandene Ressourcen nutzen Eine naheliegende Lösung ist das Nutzen von Sensoren, die in den Städten und Kommunen bereits vorhanden sind. Diese Herangehensweise bietet sich etwa beim Smart Parking an. Dabei bekommen Autofahrer über eine Mobile- App freie Parkplätze in ihrer Nähe angezeigt. So verbindet beispielsweise eine Anwendung des Unternehmens EYSA in der Cloud Parkuhren, Smartphones, Parksensoren, mobile Geräte des Ordnungsamtes und weitere Datenquellen. Mithilfe von Big-Data-Technologien werden die dadurch generierten Informationen verarbeitet. Das Ergebnis sind in Echtzeit gelieferte Rückmeldungen, über die sich das Management des öffentlichen Parkraums optimieren lässt. 3. Überall Informationen sammeln Die vorhandene Infrastruktur lässt sich auch zielführend einsetzen, indem etwa Busse oder Strassenleuchten mit kostengünstigen Sensoren ausgestattet und so zu eigenständigen Informationssammlern aufgewertet werden. So könnten in Grossstädten sensorbestückte Busse auf ihrer täglichen Strecke Daten sammeln und wichtige Informationen rund um Verkehrslage, CO2-Wert, Temperatur oder Lärmpegel erfassen. Mit Cloud Analytics liessen sich diese Informationen analysieren, um zu ermitteln, wo Staus oder Unfälle drohen oder in welchen Gebieten die Schadstoffbelastung zu stark steigt. Hier wäre es denkbar, die betroffenen Bürger über eine Mobile-App über die aktuelle Lage zu informieren. 4. Innovationen auslagern Wenn Bürgern und Unternehmen frei nutzbare städtische Daten zur Verfügung gestellt werden, entstehen neue Ideen und Geschäftsmodelle. Diese Datensätze können unabhängige Entwickler zur Erstellung einer Anwendung verwenden, die ihre Nutzer beispielsweise darüber informiert, wann eine bestimmte Strasse in ihrer Gegend gereinigt werden soll. Autos, die auf der betreffenden Strasse parken, würden abgeschleppt und die Besitzer mit einer Geldstrafe belegt. App-Nutzer schützen sich also vor Strafen. Letztlich entsteht durch die Bereitstellung von Open Data ein App-Ökosystem, das dank Outsourcing kontinuierliche Innovationen fördert. Schon jetzt sollte die bestehende Infrastruktur so umgerüstet werden, dass eine leichte Datenerfassung und -verarbeitung möglich ist. Fazit Smarte Technologien werden mittlerweile weltweit in städtische Infrastrukturen implementiert. Viele Experten glauben, dass die Digitalisierung die Zukunft der Städte massgeblich prägt. Doch intelligente Städte basieren nicht allein auf neuer Technik, sondern sind auch stark von Teilhabe geprägt. Die Installation von Sensoren, um verschiedene Informationen zu sammeln, stellt dabei nur einen von vielen Aspekten dar. Schon jetzt sollte die bestehende Infrastruktur so umgerüstet werden, dass eine leichte Datenerfassung und -verarbeitung möglich ist. 12 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

People Live 27 « Der Finanzplatz wird digital, offen und intelligent » Seit September 2018 ist Hendrik Lang CEO der Bankensoftware-Anbieterin Finnova. Im Interview spricht er über den Wandel des Unternehmens, mutige Banken und über den Sinn von Blockchain-Anwendungen. Interview: Marc Landis, Redaktion: Fabian Vogt Seit September sind Sie CEO bei Finnova. Wie ist es Ihnen seither ergangen? Hendrik Lang: Der Start war sehr gut, danke. Ich bin ja schon seit Dezember 2015 bei Finnova, das ist schon etwas anderes, als wenn jemand Neues kommt. Ich kannte unsere Kunden und Produkte bereits, der Wechsel verlief deshalb reibungslos. Das hat auch den Vorteil, dass Kontinuität gewahrt wird, sowohl den Kunden als auch den Mitarbeitenden gegenüber. Ich bin nach wie vor oft bei den Kunden und Partnern, das mache ich gerne. So hört man, was läuft. Auch intern pflege ich nicht nur eine «Open-Door-Politik», sondern plane Zeit ein, um mit den Mitarbeitenden im Gang reden zu können, oder habe beispielsweise ein monatliches CEO-Frühstück eingeführt. Was haben Sie konkret als Erstes angepackt, als Sie am 1. September im CEO-Büro sassen? Als Erstes habe ich das Büro umgeräumt, aber Spass beiseite. Wir haben ja, gemessen an der Anzahl Banken und Partner, die führende Position auf dem Finanzplatz Schweiz, sind auf Wachstumskurs mit vielen innovativen Produkten in der Pipeline und verfügen über talentierte Mitarbeitende. Sehr wichtig ist mir nun, dass unsere für dieses Jahr angekündigten Innovationen rechtzeitig auf den Markt kommen. Einerseits für unsere Kunden, die sich darauf freuen, andererseits für unsere Mitarbeitenden, die darauf hingearbeitet haben. Zudem definieren wir momentan unsere «Strategie 2025». Von welchen Innovationen sprechen wir da? Etwa von einem völlig neuen digitalen Beraterarbeitsplatz. Dieser ermöglicht geführte Prozesse, wie etwa das Onboarding, umfassende Kundencockpits oder auch den Absprung in die Tablet-geführte Beratungswelt. Mit der Glarner Kantonalbank entwickelten wir zudem eine neue Kreditberatungslösung. Und im Bereich künstliche Intelligenz haben wir eine selbstlernende Analytics-Lösung für vielfältige Anwendungsmöglichkeiten, die seit diesem Jahr bereits bei ersten Banken produktiv ist. Ausserdem ist uns die Öffnung unserer Banking-Software sehr wichtig. Wir sind dabei, unsere Open-Plattform zu pilotieren. Durch diese wird die Integration von Drittapplikationen erleichtert und Daten können kanalübergreifend weitergeleitet werden, damit die gesamte Customer Journey abgebildet werden kann. Was hat es mit der «Strategie 2025» auf sich? Also zu viel darf ich natürlich nicht verraten, sie ist in Arbeit. Um hierzulande zu wachsen, wollen wir individuelle Kundenbedürfnisse noch besser abdecken. Die Entwicklung hin zu einem Lösungsanbieter ist ein wichtiger Schritt für uns, denn bisher waren wir eher produktorientiert unterwegs; so ist beispielsweise unser Servicebereich in den letzten Jahren stets um 30 bis 40 Prozent gewachsen. Was umfasst das Projekt sonst noch? Wir setzen einen noch grösseren Fokus auf das Private Banking. Bisher haben wir dort 20 Kunden, allein in den « Wir sind dabei, unsere Open-Plattform zu pilotieren. » Hendrik Lang, CEO, Finnova www.netzwoche.ch © netzmedien ag 12 / 2019

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