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Netzwoche 12/2019

36 Web Best of Swiss Web

36 Web Best of Swiss Web So finden die Sieger von Best of Swiss Web ihre Webdienstleister Interviews: Marcel Urech und Oliver Schneider SCHWEIZERISCHE BUNDESBAHNEN Die SBB gewannen 2018 zusammen mit Unic und Inside Solutions (One Inside) mit «SBB.ch Relaunch» den Titel Master of Swiss Web. Wie gehen Sie vor, wenn Sie einen Dienstleister für ein Webprojekt suchen? Raffael Hirt: Für die SBB gilt in solchen Fällen das öffentliche Beschaffungsrecht. Je nach Projektsumme ist eine freie Vergabe, ein Einladungsverfahren oder eine öffentliche Ausschreibung möglich beziehungsweise nötig. Was sind die wichtigsten Kriterien bei der Auswahl eines Webdienstleisters? Dies variiert von Projekt zu Projekt. Grundsätzlich sind uns folgende Punkte wichtig: ▪▪ Nachweis von Innovationskraft sowie der geforderten Fähigkeiten und Kompetenzen mittels relevanter Referenzen ▪▪ Nachweis einer guten Zusammenarbeit zwischen den SBB und dem Dienstleister im agilen Umfeld ▪ ▪ «Passende» Unternehmensstruktur für eine nachhaltige, mittelfristige Zusammenarbeit ▪▪ Wirtschaftlichkeit Wie ist die Wechselwirkung zwischen Projektspezifikation und der Evaluation des Dienstleisters? Auch hier wirkt das öffentliche Beschaffungsrecht. Was wir beeinflussen können, ist die Zielsetzung inklusive Definition der Messgrössen vor der Ausschreibung. Um diese Projektanforderungen möglichst gut zu erstellen, nutzen wir unser Netzwerk sowie Benchmarking-Anlässe wie die Best of Swiss Web Awards. Wie stellen Sie sicher, dass die Evaluation erfolgreich abläuft? Auch hier sind die Anforderungen der Ausschreibung das A und O. Um deren Erfüllung anschliessend zu evaluieren, braucht die SBB genügend Inhouse-Kompetenzen. Während der Evaluations- und Auswahlphase gehen wir iterativ vor. Die Mitbieter legen hierfür Proofsof-Concepts vor, um zu belegen, dass sie die Anforderungen erfüllen können. Wie gehen Sie damit um, dass heute mehrere Dienstleister zusammenarbeiten? Diesbezüglich ist die SBB offen. Zentral (sowie rechtlich vorgeschrieben) ist, dass der oder die ausgewählte(n) Dienstleister die Anforderungen der Ausschreibung am besten erfüllen. Bei einer Zusammenarbeit mit mehreren Externen setzen wir Anreize, die deren Zusammenarbeit fördern und Optimierung zugunsten eines Dienstleiters und zuungunsten des anderen pönalisieren. SWISS Swiss gewann 2015 zusammen mit Hinderling Volkart mit dem Relaunch von Swiss.com den Titel Master of Swiss Web. Wie gehen Sie vor, wenn Sie einen Dienstleister für ein Webprojekt suchen? Stéphanie Joly: Als Swiss und im Verbund mit der Lufthansa Group suchen wir längerfristige und weniger projektbasierte Partnerschaften. Für die Suche nach einer Digitalagentur gibt es einen sehr strukturierten Prozess. Dieser beginnt bei der Aufnahme der Anforderungen an eine Agentur, gefolgt vom Screening des Marktes für eine Longlist, mit anschliessendem «Request for Information», bei dem gewisse Eckdaten abgefragt werden. Somit haben wir erste Indikatoren, wie gut die Agentur zu uns passt. Daraus wiederum entsteht die Shortlist. Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht, indem wir mit den Shortlist-Kandidaten Chemistry Meetings vereinbart haben, direkt bei der Agentur. Wie sich herausgestellt hat, sind diese sehr wertvoll und aufschlussreich. Die reduzierte Shortlist wird dann zum Pitch eingeladen. Was sind die wichtigsten Kriterien bei der Auswahl eines Webdienstleisters? Parallel mit der Erarbeitung des Anforderungskatalogs wird eine Bewertungsmatrix erstellt. Diese beinhaltet unterschiedlichste Kriterien wie zum Beispiel Abdeckung der Anforderungen, Fit zum Unternehmen, Kreativität, Chemie zwischen Agentur und Inhouse-Team, Klima innerhalb der Agentur, Branchenerfahrung. Darüber hinaus sind natürlich die kommerziellen Bedingungen relevant, aber auch die Interpretation des Briefings sowie Aufgabenerfüllung und Herangehensweise. Wie ist die Wechselwirkung zwischen Projektspezifikation und der Evaluation des Dienstleisters? Keine Angabe. Wie stellen Sie sicher, dass die Evaluation erfolgreich abläuft? Bei uns bestehen Strukturen mit mehrstufigem E valuationsprozess. Zu Beginn wird ein Einkaufs - team gebildet, das den ganzen Prozess, von der Erstellung des Anforderungskatalogs bis zum Pitch gemeinsam durchläuft. Zudem verfügen wir von Beginn an über eine klare Bewertungsmatrix mit unterschiedlichsten Kriterien, die für alle Schritte berücksichtigt werden. Wie gehen Sie damit um, dass heute mehrere Dienstleister zusammenarbeiten? Dies ist Teil der heutigen Realität. Unterschiedliche Dienstleister und ein agiles Set-up verteilt über mehrere Standorte sind Herausforderungen, denen wir heute begegnen. Wichtig ist dabei für uns, so früh wie möglich alle Parteien an einen Tisch zu bringen und eine kontinuierliche Kommunikation zwischen allen aufrechtzuerhalten. Dabei machen wir gute Erfahrungen mit gemeinsam genutzten Kollaborationstools und regelmässigen Abstimmungsterminen. Ebenfalls bedarf dies einer übergeordneten Koordination und Steuerung der Agenturen und Dienst leister. 12 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Web Best of Swiss Web 37 FREITAG Freitag gewann 2003 zusammen mit Betabong Klaus Kreation mit dem «Projekt F-Cut» den Titel Master of Swiss Web. 2019 holte das Unternehmen zusammen mit Liip ausserdem Gold in der Kategorie «Creation» für «Freitag City Guide Lines». Wie gehen Sie vor, wenn Sie einen Dienstleister für ein Webprojekt suchen? Lena Fisler: Zum einen setzen wir auf Empfehlungen von Kolleginnen und Kollegen (intern und extern) und sammeln hier immer mal wieder Inputs ein. Wir recherchieren aber natürlich auch selbst, indem wir zum Beispiel nachschauen, welche Agentur hinter tollen Websites steckt und nehmen diese genauer unter die Lupe. Eine weitere Quelle sind Empfehlungen aus Fachgruppen auf Facebook oder Linkedin. Was sind die wichtigsten Kriterien bei der Auswahl eines Webdienstleisters? Das Projekt- und Kundenverständnis ist bei uns ein Schlüsselfaktor. Gerade bei einem Brand wie Freitag, der sich durch individuelle Produkte (Komplexität etwa im Online-Store), aber auch Spielwitz in der Kommunikation auszeichnet, hat die Fähigkeit, sich in den Kunden hineinzuversetzen wie auch Bestehendes zu hinterfragen und weiterzudenken, höchste Priorität. Weitere zentrale Faktoren sind für uns die Art und Weise der Zusammenarbeit und eine ehrliche gegenseitige Kommunikation und Transparenz. Natürlich spielen für uns Timing und Budget ebenfalls eine Rolle. Wie ist die Wechselwirkung zwischen Projektspezifikation und der Evaluation des Dienstleisters? Zuerst erstellen wir intern eine grobe Projektspezifikation, auf diese muss der Dienstleister schon mal passen. Nach dieser Entscheidung beziehungsweise bereits bei einem allfälligen Pitch wird aber auch Wert auf das Challengen der Spezifikationen (durch die Agentur) gelegt. Das heisst, die Spezifikationen können an diesem Punkt gegebenenfalls an den Dienstleister angepasst werden. Wie stellen Sie sicher, dass die Evaluation erfolgreich abläuft? Das Kennenlernen und gegenseitige Verständnis vom Projekt sowie der Arbeitsweise ist zentral. Dafür setzen wir auf eine offene Kommunikation als Basis für das gegenseitige Vertrauensverhältnis, um so gemeinsam effizient und erfolgreich ans Ziel zu kommen. Wie gehen Sie damit um, dass heute mehrere Dienstleister zusammenarbeiten? Wir arbeiten meist nur mit einem Dienstleister. Wenn nicht, schauen wir wo möglich, dass sich die Agenturen direkt für den nötigen Wissensaustausch vernetzen. Der Fokus liegt also auch hier auf der Offenheit zwischen allen Partnern. CSS VERSICHERUNG CSS Versicherung gewann 2019 zusammen mit Notch Interactive und Mediacom Gold in der Kategorie «Business» für «CSS Versicherung: Herbstkampagne 2017». Die Artikel finden Sie auch online unter: www.netzwoche.ch Wie gehen Sie vor, wenn Sie einen Dienstleister für ein Webprojekt suchen? Nina Mayer: Wir erstellen eine «Longlist» von möglichen, passenden Dienstleistern – gesammelt aus vergangenen Projekten, bestehenden Kontakten und der Suche in Web oder Fachportalen/-presse. Über verschiedene Optionen (RFP, interne Selektion) gelangen wir zu einer Shortlist, welche die potenziellen Pitch-Teilnehmer definiert. Eher klassisch also: Longlist > (RFP >) Shortlist > RFP/RFO > Pitch/RFO > Entscheid. Was sind die wichtigsten Kriterien bei der Auswahl eines Webdienstleisters? Für uns muss ein Webdienstleister als Teammitglied funktionieren. Wir wollen mit echter «Co-Creation» und einem gemeinsamen «Spirit» das beste Ergebnis erzielen. ▪▪ Referenzen und Referenzprojekte ▪▪ Branchenerfahrung und/oder Erfahrung mit projektspezifischen Anforderungen ▪▪ Menschen/Persönlichkeiten passend zum Team ▪▪ Erfahrung mit Arbeitsweisen wie Co-Creation & Agile ▪▪ Erfahrung mit den durch uns verwendeten Tools und Technologien ▪▪ Preis/Leistung (Angebot) Wie ist die Wechselwirkung zwischen Projektspezifikation und der Evaluation des Dienstleisters? Die Projektspezifikation liefert die Vorgaben zu den spezifischen Skills und Erfahrungen, die wir von einem Webdienstleister brauchen und damit natürlich auch die Anforderungen für Pitch-Konzept und Offers. Tendenziell definiert das Projektvolumen auch die «Grösse» des gesuchten Dienstleisters. Dabei geht es vor allem um die zur Verfügung stehenden Ressourcen in Relation zu der geplanten Umsetzungsdauer und -zeit – somit also auch um das Risikomanagement. Wie stellen Sie sicher, dass die Evaluation erfolgreich abläuft? Wir setzen auf ein erfahrenes, breit abgestütztes internes Evaluationsteam und legen Wert auf ein persönliches Kennenlernen. Alle evaluierten Dienstleister werden nach gleichen vordefinierten Kriterien kollaborativ bewertet – dies liefert eine wichtige Grundlage für einen finalen Entscheid. Wie gehen Sie damit um, dass heute mehrere Dienstleister zusammenarbeiten? Ein Projektteam muss sich entwickeln und zusam menwachsen – dies braucht einen gewissen Raum und auch Zeit. Das muss von Anfang an berücksichtigt und mit eingeplant werden. Sodass im Idealfall nicht mehr relevant ist, wer von welcher Partei beziehungsweise von welchem Dienstleister ist – er/sie ist Teil des Projektteams und damit Teil des Projekts und des damit verfolgten Ziels. Weiter hilft Folgendes: ▪▪ Klare Definition des Projektleads (Over-all-Kunde/ Agentur) & SPOC (pro Stream) ▪▪ Organisation in Projektstreams (nicht Dienstleisterteams) ▪▪ ▪▪ ▪▪ ▪▪ von Beginn saubere, transparente Grobplanung (Phasen/Milestones) über ganzes Projekt über alle Dienstleister und Streams hinweg regelmässiger Austausch aller Beteiligten (z.B. Jour- Fixe, möglichst auch immer wieder physisch vor Ort bei Kunde oder Agentur) laufender Austausch über Zusammenarbeit und allfällige damit verbundene Herausforderungen (lets face it, frühzeitig) Einsatz von kollaborativen Tools (Kommunikation/ Dokumentation/Planung) www.netzwoche.ch © netzmedien ag 12 / 2019

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