Aufrufe
vor 2 Wochen

Netzwoche 12/2019

48 Management & Career

48 Management & Career Aktuell WWW.NETZWOCHE.CH HWZ startet CAS Digital Ethics jor. Die Hochschule für Wirtschaft Zürich lanciert gemeinsam mit dem Centre for Digital Responsibility einen CAS in Digital Ethics. Lernziel sei es unter anderem, ethische Herausforderungen beim Einsatz neuer Technologien zu identifizieren. Der erste Kurs beginnt im Februar 2020. HSR erhält Technologiepreise osc. Die Stiftung Futur hat zwei Forschungsprojekte der Hochschule für Technik Rapperswil ausgezeichnet. Agathe Koller vom Institut für Laborautomation und Mechatronik entwickelte mit ihrem Team eine Maschine, die elektronische Bauteile vollautomatisch in verschiedene Stoffe integrieren kann. Guido Schuster vom Institut für Kommunikationssysteme entwickelte gemeinsam mit VR- Motion den weltweit ersten Virtual-Reality-Bewegungssimulator für Flugzeug- und Helikoptertraining Die Stars am Schweizer Start-up-Himmel Rod Kommunikation fragte nach den bekanntesten Schweizer Start-ups. osc. Die Schweizer Start-up-Szene ist im Hoch: mehr Unternehmen werden gegründet, mehr Finanzierungsrunden abgeschlossen, mehr Artikel geschrieben. Doch wie viel kommt davon bei Herrn und Frau Schweizer an? Rod Kommunikation wollte es genau wissen und initiierte eine Umfrage. Dafür wurden 50 B2C-Start-ups ausgewählt, die es unter die Top 100 Swiss Start-ups geschafft haben, für Preise wie den Swiss Economic Award selektiert wurden oder sehr erfolgreiche Crowdfunding-Kampagnen abschliessen konnten. Die Start-ups durften nicht älter als zehn Jahre sein. Das Marktforschungsunternehmen Marketagent befragte 1000 Konsumenten, welche dieser Start-ups sie kennen und welche Eigenschaften auf sie zutreffen. Amorana, Farmy und Doppelleu auf dem Treppchen In Sachen Bekanntheit heissen die Gewinner Amorana (Onlineshop für Sextoys), Farmy (digitaler Hofladen) und Doppelleu (Brauerei). Diese Start-ups kannten 44, 39 beziehungsweise 29 Prozent der Befragten. Leicht anders sieht die Rangliste aus, wenn gefragt wurde, von welchen Start-ups die Befragten selbst schon Produkte gekauft oder Services in Anspruch genommen haben. Hier liegt Doppelleu auf dem ersten Platz mit 17 Prozent Ja-Antworten vor Amorana (12 Prozent) und Bring (10 Prozent). Den Konsumenten wurde bei den Fragen jeweils das Logo des Unternehmens gezeigt und eine kurze Beschreibung gegeben. Auf dieser Grundlage wurden sie auch gefragt, ob sie sich vorstellen könnten, die beschriebenen Produkte von Start-ups zu nutzen. Die Ja-Anteile waren dabei sehr hoch. Über 45 Prozent der Befragten antworten etwa bei verkaufen.ch (Verkaufsplattform), Wormup (Wurmkomposter), Invu (Sonnebrillen), Limmex (Notrufuhr), Privately (App für den Schutz von Den vollständigen Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch Kindern im Web), Protonmail (verschlüsselte Mails), oder Codecheck (App für Inhaltsstoffe) mit Ja. DIGITALE TRANSFORMATION DER IT Die Kolumne finden Sie auch online www.netzwoche.ch Der Cloud-Hype erfährt derzeit einen Dämpfer. Der Blick durch die rosarote Brille ist durch Schreckensszenarien getrübt. Im Rahmen einer Umfrage zum Thema Cloud, Daten und Sicherheit kam Netwrix zum Schluss: Wer begeistert in die Cloud ging, der hat nun offenbar Kopfweh. So verführerisch die Agilität und Wirtschaftlichkeit der dynamischen Cloud-Ressourcen angepriesen werden, so hart stösst man in der Realität den Kopf an. Dabei sind aber nicht bloss die bösen Hacker schuld. Doppelt so viele Störfälle sind gemäss Studie hausgemacht. Es liegt wohl auch daran, dass man noch nicht so recht weiss, wie mit der neuen Technologie umgegangen werden soll. Also lautet die Devise: Die weniger wichtigen Daten können sorglos in der Cloud verstaut werden, wenn es sich aber um businesskritische Daten handelt, sollte man möglichst die Hände von der Cloud lassen. Wenn sich der «Wolkenstaub» nun etwas gelegt hat, ist ein Hybrid-IT-Modell, das beides zulässt und die Türen auf beiden Seiten offenhält, offenbar die beste Option für die Zukunft. Das ist grundsätzlich ein guter Ansatz. Es gibt auch Organisationen, die diese schmerzhaften Erfahrungen nicht machen mussten und schon von Anbeginn auf ein hybrides Modell gesetzt haben. Egal, auf welchem Weg man zu dieser Überzeugung gelangt, das Ziel dabei muss immer sein, die Sicherheit für das Unternehmen insgesamt hoch zu halten, wenn nicht gar zu steigern. Dabei ist die Frage nach der Sicherheit nicht allein damit geklärt, ob die Daten in der Cloud sind oder auf der eigenen Infrastruktur. Es ist übrigens auch nicht damit geklärt, dass ich weiss, ob die Daten in der Schweiz gespeichert sind oder nicht. Wenn eigene physische Maschinen virtualisiert und mit Openstack-Technologien als Private Cloud mit Public Clouds wie Azure, AWS oder Google vermischt werden, dann steigen die Risiken mit der Komplexität exponentiell. Es wird praktisch unmöglich, die vielen verteilten Systeme, aus der sich die hybride IT zusammensetzt, klar zu betrachten und zu kontrollieren. Dies gilt insbesondere für Administratoren, die versuchen, die Sicherheit und Compliance manuell zu überwachen. Und wenn dann noch Selfservice-Systeme zum Einsatz gelangen, die jegliche Konfigurationsänderungen per Portal zulassen, dann ist das nächste Blame-Game vorprogrammiert. Eine Hybrid-Cloud ist nicht einfach ein organisches Anreichern der traditionellen Virtual-Machine-Infrastruktur mit Public-Cloud-Diensten. Es braucht auch hier eine klare Cloud-Strategie, wie eine solche Umgebung gestaltet und gemanagt werden muss. Insbesondere muss die Kontrolle über die Cloud vollständig automatisiert werden können, weil händisch der Dynamik nicht beizukommen ist. Ohne klare Strategie ist eine Hybrid-IT dem Wildwuchs, Chaos und der Blindheit ausgesetzt. Hybrid-IT, aber nicht ohne Strategie Martin Andenmatten Gründer und Geschäftsführer, Glenfis 12 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Management & Career Nachgefragt 49 « Firmen sind oft nicht bereit, in ihre Mitarbeiter zu investieren » Der Schweiz fehlen die Informatiker, klagt die ICT-Branche. Stimmt nicht, sagt Reto Bättig, CEO des Softwareherstellers M&F Engineering. Wer Fachkräfte sucht, sollte seine Ansprüche überdenken, genauer hinschauen und in die eigenen Mitarbeiter investieren. Interview: Oliver Schneider Der Fachkräftemangel ist in der Schweizer ICT ein Dauerbrenner. Braucht die Schweiz wirklich mehr Informatiker? Reto Bättig: Es kommt darauf an, wen man fragt und wie man eine Fachkraft definiert. Wenn man jemanden mit einem ganz eng definierten Profil sucht – etwa Mobile- Experte Android+IOS mit mindestens fünf Jahren Xamarin-Erfahrung, Informatik-Hochschulabschluss und Erfahrung mit Jenkins, REST usw. –, dann hat man heute und wird auch künftig Mühe haben, solche «Experten» zu finden, und man nimmt subjektiv einen Fachkräftemangel wahr. Wenn man eine Fachkraft sucht, die ein technisches Studium hat, Erfahrung mit objektorientierter Softwareentwicklung und in der Lage ist, sich in vernünftiger Frist in die gewünschten Technologien einzuarbeiten, gibt es plötzlich keinen Fachkräftemangel mehr. Warum fällt es Schweizer Unternehmen so schwer, Spezialisten für ihre IT-Projekte zu finden? Viele Firmen haben heute Mühe, längerfristig zu planen und müssen immer kurzfristigere «Hauruck-Übungen» machen. Wir erhalten erstaunlich viele Anfragen von Firmen im Stil von: Wir brauchen Softwareexperten mit diesen und jenen Kompetenzen, ab morgen. Warum ist es nicht möglich, drei Monate im Voraus zu planen? Dies würde es ermöglichen, geeignete Kandidaten zu finden und gegebenenfalls auch noch mit Weiterbildungen auf den Job vorzubereiten, den sie dann wahrnehmen müssten. Woran liegt das? Die Firmen sind heute oft nicht bereit, in das Know-how ihrer Mitarbeiter substanziell zu investieren und suchen sich lieber Leute auf dem Markt, die das benötigte Knowhow schon mitbringen. Oft gibt es aber gar nicht genug von diesen Spezialisten, und wenn sie niemand aus- und weiterbildet, wird sich dies auch nicht ändern. Was machen Unternehmen falsch, die sich über den Fachkräftemangel beklagen? Das ist schwierig zu sagen. Die Margen im IT-Bereich sind relativ tief. Trotz des vielbeschworenen Fachkräftemangels sind die durchschnittlichen Stundensätze und Löhne in den letzten 20 Jahren tendenziell eher gesunken. Die Margen der Firmen sind eng und der Wettbewerb ist gross. Viele Firmen scheuen sich aus diesen Gründen, viel Geld und Zeit in die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden zu investieren. Die Löhne und Arbeitsbedingungen in vielen kleineren Firmen sind auch im Vergleich zu Grosskonzernen auf den ersten Blick oft weniger attraktiv. Meiner Erfahrung nach beklagen sich Grossfirmen weniger über den Fachkräftemangel als KMUs. Sie verfolgen bei M&F Engineering einen anderen Ansatz. Sie setzen auf die Ausbildung von Studienabgängern. Wie gehen Sie dabei vor? Wir bieten den Studienabgängern ein sehr attraktives Traineeprogramm an, in dem sie in ihren ersten drei Berufsjahren maximal viel Erfahrung sammeln und ihr berufliches Netzwerk aufbauen können. Dies funktioniert so, dass die Trainees in den drei Jahren bei vier bis fünf verschiedenen Firmen jeweils sechs oder zwölf Monate in relevanten Projekten mitarbeiten und parallel dazu durch einen Mentor gecoacht werden. Ein Mal pro Monat kommen alle Trainees zu uns und besuchen Weiterbildungskurse und Seminare von anerkannten Experten. Wie sehen die Chancen für ältere Informatiker aus, die viel Projekterfahrung mitbringen? Wir sind aktuell daran, zusammen mit Swiss- ICT ein Konzept auszuarbeiten, wie wir das Modell des Traineeprogramms auch auf genau diese Informatiker 50+ ausweiten könnten. Aus dem Traineeprogramm für Studienabgänger wissen wir, dass dank des Programms auch Quereinsteiger (z.B. Maschinenbauer oder Elektrotechniker) ohne Informatikstudium in der Lage sind, sich innerhalb dieser drei Jahre zu Top-Software-Engineers zu entwickeln. Dies sollte eigentlich auch mit älteren Personen möglich sein, die sich noch einmal auf den neuesten Stand bringen möchten. Das vollständige Interview finden Sie online www.netzwoche.ch « Viele Firmen haben heute Mühe, längerfristig zu planen. » Reto Bättig, CEO, M&F Engineering www.netzwoche.ch © netzmedien ag 12 / 2019

Archiv