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Netzwoche 13/2017

26 People Live « Bis

26 People Live « Bis Ende 2018 werden über 4 Millionen Swiss-IDs über unsere Plattform laufen» Swisssign ist seit Mai 2017 ein Joint Venture der Post und der SBB. Seit Mai hat das Unternehmen, das die elektronische Identität flächendeckend in der Schweiz einführen will, auch einen neuen CEO. Die Redaktion sprach mit Markus Naef über seine Pläne mit Swisssign. Interview: Marc Landis « Die Daten liegen bei Swisssign hier bei uns in der Schweiz zentral auf einem Schweizer Server. » Markus Naef, CEO, Swisssign i PERSÖNLICH Markus Naef (Jahrgang 1969) ist Schweizer Staatsbürger und seit Mai 2017 CEO von Swisssign. Naef hat an der Universität St. Gallen Wirtschaft und Recht studiert und bringt 20 Jahre Erfahrung in General Management und Business Development mit. Zuletzt war er als Chief Commercial Officer und Senior Vice President bei Sunrise Communications tätig. Davor war er Managing Director von 20th Century Fox für die Schweiz und Russland. Naef arbeitete auch während acht Jahren in diversen Positionen bei Orange, unter anderem als Director Business Marketing sowie General Counsel und Corporate Secretary. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_53656 Wo machen Sie die Abgrenzung zwischen elektronischer Signatur und elektronischer Identität? Markus Naef: Fangen wir mit der Identität an: Sie stellt sicher, dass etwa der Absender einer E-Mail tatsächlich die Person ist, die sie vorgibt zu sein. Es handelt sich dabei um eine sogenannte geprüfte Identität. Die elektronische Signatur hingegen ersetzt die handschriftliche Unterschrift auf einem Dokument, womit der Unterschreibende etwa einen Vertrag oder ein anderes Rechtsgeschäft abschliesst und damit quasi seine Willensäusserung zum Abschluss eines solchen Rechtsgeschäfts besiegelt. Die Voraussetzung für eine elektronische Signatur ist aber die elektronische Identität? Genau. Die elektronische Signatur baut auf der elektronischen Identität auf. Und wie muss man sich nun das Angebot von Swisssign rund um die elektronische Signatur und Identität vorstellen? Swisssign hat zwei Standbeine. Das eine ist das Zertifikatsbusiness, das zweite Standbein ist die neue Swiss-ID, die auch der Grund für das Joint Venture Swisssign der Post und der SBB ist. Die neue Swiss-ID bietet einen Funktionsumfang, der aus fünf Modulen besteht. Modul eins deckt das einfache Log-in-Verfahren, bestehend aus Username und Passwort, ab. Modul zwei ist die persönliche Datenübergabe; dieses Modul gibt dem Anwender die Hoheit, über seine Daten selbst zu bestimmen. Modul drei bietet die Zwei-Faktor-Authentifizierung etwa via SMS, Mobile- ID, biometrischen Merkmalen. Modul vier ist die geprüfte Identität, und auf der geprüften Identität baut schliesslich Modul fünf auf, die geprüfte elektronische Signatur. Aber warum braucht es denn Modul 1 bis 3 überhaupt, also Log-in, Zwei-Faktor-Authentifizierung und selbstdeklarierte Identität, wenn diese nicht garantiert authentisch sind? Bei den ersten drei Modulen geht es nur darum, dass Anwender das eigene digitale Profil anreichern können und die Bedienung einfacher und bequemer wird. In einem Onlineshop etwa geht es um die Angabe von Zugangsdaten oder der Adresse. Studien zeigen, dass Onlinekunden den Bestellvorgang oft dann abbrechen, wenn es darum geht, die eigene Adresse einzugeben. Wenn die Anwender diesen Vorgang mit einem Knopfdruck erledigen und wir so die Umwandlungsrate im E-Commerce steigern können, hat das einen Wert für einen Onlineanbieter. Das können mein Macbook und mein iPhone aber auch ohne Swiss-ID. Die Funktion heisst «Automatisch ausfüllen» im Safari-Browser ... Das mag sein, wenn Sie das so im Browser beziehungsweise in den Kontakten hinterlegt haben. Nur liegt die Kontrolle über die Daten damit nicht bei den Anwendern, und die Daten wiederum liegen nicht wie bei Swisssign hier bei uns in der Schweiz zentral auf einem Schweizer Server, sondern irgendwo auf der Welt in Apples iCloud. Swiss-ID ist die Schweizer Antwort auf Google, Facebook, Apple und Co. Die Anwender von Swiss-ID sollen unter Einhaltung des Schweizer Datenschutzgesetzes die Kontrolle über ihre eigenen Daten behalten. Wie sind Sie mit der neuen Swisssign als Joint Venture von Post und SBB in den Regelbetrieb gestartet? Ich kenne natürlich nichts anderes als den «Regelbetrieb» des Joint Ventures, da ich ja genau zum Start der neuen Firma meine Funktion als CEO bei Swisssign übernommen habe. Der Regelbetrieb im Zertifikatgeschäft und bei der bisherigen Suisse-ID ging normal weiter. Zu den grossen Arbeiten, die nun anstehen, gehört, alle bisherigen Suisse- ID-Kunden und über eine Million Kunden der Post, die ein Benutzerkonto bei post.ch haben, mit der neuen Swiss-ID zu verknüpfen. Technisch sind wir dafür gerüstet. Die Plattform funktioniert. Erste Postportal-Kunden können das neue, einheitliche Log-in über Swiss-ID ab Herbst 2017 nutzen, ab 2018 folgen Swisspass-Kunden. Das klingt nach viel Arbeit ... Wir bewegen uns in einem sehr dynamischen Spannungsfeld und es stehen spannende Themen an. Swisssign ist einerseits als Joint Venture der Post und SBB im Start-up- Modus unterwegs, andererseits sind wir auch ein Unternehmen, das in einem tiefgreifenden Transformationsprozess steckt und sich vom Suisse-ID-Anbieter zum Swiss- ID-Provider entwickeln muss. Durch die Gründung des 13 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

People Live 27 Joint Ventures hat Swisssign von den SBB und der Post unternehmerische Freiheit erhalten, damit sich unsere Mitarbeitenden und die technische Plattform auf das Kerngeschäft konzentrieren können. Warum brauchte Swisssign einen neuen CEO? Man wollte mit dem CEO-Wechsel den Neuanfang signalisieren, sowohl gegen innen als auch gegen aussen. Und warum sind Sie der richtige Mann für den Job? Ich bringe 20 Jahre Erfahrung in General Management und Business Development mit, hatte führende Rollen im Zusammenhang mit der Digitalisierung und Transformation inne sowie in der Umsetzung digitaler Geschäftsmodelle im B2C- und B2B-Bereich. Zuletzt war ich als CCO und Senior Vice President bei Sunrise Communications tätig. Nicht zuletzt meine Erfahrung im Aufbau und in der Bildung von strategischen Partnerschaften, mein Know-how zu komplexen Finanzthemen und meine Rechtskenntnisse insbesondere zu den Themen Datenschutz, Wettbewerb und E-Commerce in Europa und Nordamerika dürften für meine Wahl ebenfalls ausschlaggebend gewesen sein. Das Unternehmen baute in der Vergangenheit sehr gute Produkte. Jetzt möchten wir vermehrt einen Pull-Ansatz anvisieren: Das heisst, wir holen zuerst systematisch die Bedürfnisse von den Partnern des Ökosystems und von den Kunden ab und bauen für sie ein passendes Produkt. Warum haben Sie zugesagt? Mir hat der Spirit des Unternehmens gefallen und ich bin auch vom Nutzen unserer Lösung überzeugt. Es braucht im Rahmen der fortschreitenden Digitalisierung einfach eine zuverlässige und verbindliche Identifikation im Netz. Ich glaube auch, dass so eine Lösung eher national statt international gefärbt sein muss. Und nicht zuletzt kann man mit den beiden Konzernen Post und SBB im Rücken auch etwas bewirken. Die Suisse-ID hat sich bis heute nicht durchgesetzt. Warum soll sich die neue Swiss-ID durchsetzen? Im Gegensatz zur alten Suisse-ID wird die neue Swiss-ID für natürliche Personen kostenlos sein. Zudem starten wir mit über 4 Millionen IDs, die wir den Kunden von Post und SBB anbieten können. Ich bin sehr zuversichtlich. Und wo verdient Swisssign das Geld? Wir verdienen Geld mit unseren Partnern, etwa grosse Onlineshops, die unter anderem den Log-in-Prozess an uns outsourcen, aber auch unser Ökosystem nutzen und Services von uns abfragen. Dafür sind sie bereit, etwas zu bezahlen. Wenn wir als Beispiel eine Versicherung nehmen, hat sie ein Interesse daran, eine geprüfte Identität von uns für die papierlose, rein digitale Abwicklung eines Vertragsabschlusses zu benutzen. Dafür bezahlt sie uns einen Gegenwert. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 13 / 2017