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Netzwoche 15/2018

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18 People Nachgefragt «

18 People Nachgefragt « Wir suchen in der Kategorie ‹Next Global Hot Thing› den nächsten Steve Jobs » Am 21. November geht in Zürich der erste Digital Economy Award über die Bühne. Er prämiert die besten Digitalprojekte des Jahres in sechs Kategorien. Jurypräsident Pascal Kaufmann erklärt, was es mit «seiner» Kategorie «Next Global Hot Thing» auf sich hat und warum es diesen Award braucht. Interview: Marc Landis « Die Unternehmen, die wir auszeichnen, sollten einen engen Bezug zur Schweiz haben. » Pascal Kaufmann, Gründer, Starmind International Wie können Start-ups die Auszeichnung «Next Global Hot Thing» an den Digital Economy Awards gewinnen? Man kann sich ja nicht dafür bewerben ... Pascal Kaufmann: Das stimmt. Wer den Award «Next Global Hot Thing» gewinnen will, muss gefunden werden und zwar von unseren Scouting-Partnern: ATED – ICT Ticino, Blockchain Competition, ETH Zürich, HTW Chur, Impact Hub Zürich, Sictic und Universität St. Gallen. Sie sind am Puls der Start-up-Szene und empfehlen uns in der Jury Jungunternehmen, die das Potenzial haben, mit einem Produkt oder einer Dienstleistung global und flächendeckend erfolgreich zu sein. Wir suchen in dieser Kategorie quasi den nächsten Steve Jobs, das nächste Apple, das nächste iPhone. Aber aus der Schweiz. Wir wollen das Produkt auszeichnen, welches das Potenzial hat, global zu einem Standard für alle Menschen zu werden. Wir glauben, dass es in der Schweiz Unternehmen und Produkte gibt, die dieses Potenzial haben. Pascal Kaufmann, Jurypräsident und Gründer, Starmind International Können nur Produkte und Unternehmen beziehungsweise Unternehmer aus der Schweiz ausgezeichnet werden? Der Digital Economy Award ist ja aus dem Swiss ICT Award hervorgegangen und da ist es auch naheliegend, dass wir auch Schweizer Leistungen auszeichnen wollen. Also ja, die Unternehmen, die wir auszeichnen, sollten einen engen Bezug zur Schweiz haben. Sie müssen etwa hier gegründet worden sein oder eine Mehrzahl Schweizer Founders haben, ihr Domizil in der Schweiz haben oder es muss ein grosser Anteil der Produkt- oder Geschäftsidee in der i DIE JURY In der Kategorie «Next Global Hot Thing» des Digital Economy Awards werden Grossunternehmen, KMUs und aus dem Government-/NPO-Sektor ausgezeichnet. Das sind die Jurymitglieder: ▪▪ Pascal Kaufmann, Starmind International (Jurypräsident) ▪▪ Marianne Janik, Microsoft Schweiz ▪▪ Hanspeter Kipfer, Oracle ▪▪ Fabrice Delaye, Bilan ▪▪ Rolf Bischofberger, Switzerland Global Enterprise ▪▪ Robin Guldener, Avrios International ▪▪ Alain Bandle, GiG – Great Idea Group ▪▪ Reto Gutmann, Abraxas ▪▪ Florian Büchting, Weidmann Group ▪▪ Dalith Steiger, Swiss Cognitive Schweiz erzeugt worden sein. Es können aber nicht nur Start-ups mitmachen, sondern explizit auch Grossunternehmen, die mit einer Innovation von globaler Reichweite den Markt aufmischen wollen. Warum engagieren Sie sich in der Jury der Kategorie «Next Global Hot Thing» des Digital Economy Awards? Ich habe das Gefühl, dass viele Unternehmen in der Schweiz zu klein denken. Wir haben zwar die besten Ingenieure der Welt und bauen die besten Produkte, haben aber oft nicht das Zeug dazu, diese weltweit zu vermarkten und zum Erfolg zu führen. Mit dem Digital Economy Award in der Kategorie «Next Global Hot Thing» wollen wir die innovativsten Schweizer Unternehmen oder Produkte global ins Scheinwerferlicht rücken. Die Gewinner erhalten Zugang zu global relevanten Businessnetzwerken, zu grossen Publikationen, die über die Gewinner berichten. Wir organisieren Interviews mit Wirtschaftspublikationen in New York und Shanghai etc. Ich möchte mich gemeinsam mit der Jury dafür einsetzen, dass Schweizer Unternehmen und Schweizer Ideen weltweit durchstarten können. 15 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

People Live 19 « Ich finde es beunruhigend, dass sich bei Facebook so viel Macht konzentriert » Der australische Futurist Chris Riddell kommt am 21. November nach Zürich und hält die Keynote am Gala-Abend des Swiss Digital Economy Awards. Im Interview gibt er einen Vorgeschmack auf sein Referat, erklärt, welche Herausforderungen Technologien wie KI und Roboter mit sich bringen und wie die Welt in 20 Jahren aussehen könnte. Interview: Marc Landis « Wir sind in einer Zeit angekommen, wo ein einzelnes Unternehmen eine ganze Industrie dominiert und für alle anderen nur noch Nischen bleiben. » Chris Riddell, Zukunftsforscher Haben Sie als Zukunftsforscher Angst vor der Zukunft? Chris Riddell: Ganz und gar nicht. Die Ära, in der wir uns zurzeit befinden, ist wahrscheinlich eine der aufregendsten und interessantesten, die es jemals auf unserem Planeten gegeben hat. Denn egal ob Frau oder Mann, egal welche Hautfarbe, egal welche Vorstellungen man hat und egal wo auf der Welt man sich befindet: Fast jeder hat die Möglichkeit, Einzigartiges zu schaffen und es einer grossen Anzahl Menschen mitzuteilen. Und die Basis dafür ist Technologie. Ich bin jetzt 37 Jahre alt und wenn ich mich an meine Kindheit in den 1980er-Jahren zurückerinnere, kommt mir in den Sinn, dass meine Eltern oft mit mir gereist sind und wir in vielen verschiedenen Ländern, weit weg von Australien gelebt haben. Unsere Familie, Verwandten und Freunde waren auch in alle Himmelsrichtungen verstreut. Damals konnten wir, um in Kontakt mit unseren Lieben zu bleiben, nur telefonieren oder Briefe mit der Post verschicken. Interkontinentale Ferngespräche waren aber unglaublich teuer, und dann war auch noch die Übertragungsqualität wirklich schlecht. Und ein Brief brauchte mehrere Tage bis zu einem Monat, um anzukommen; oder er kam gar nicht an. Das ist heute anders. Ja. Die Kommunikationsmöglichkeiten, die wir heute haben, die fast nichts mehr kosten, haben die Menschen einander nähergebracht. Die Menschen sind mehr mitei nander vernetzt als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte. Und das führt mich zu den vielen Möglichkeiten, die ich vorher erwähnt habe, und die uns aufgrund von Technologie offenstehen: Ein 13-Jähriger kann heutzutage in seinem Teenager-Zimmer zuhause i AWARD Der neue Swiss Digital Economy Award vereint den bisherigen Swiss ICT Award und den Digital Transformation Award unter dem Dach der Swiss Digital Economy Award AG. Start-ups, etablierte Unternehmen und Organisationen erhalten die Möglichkeit, sich mit den Besten zu messen und am 21.11.2018 im Zürcher Hallenstadion zu feiern und zu netzwerken. www.digitaleconomyaward.ch bei den Eltern für ein paar Dollar online ein skalierbares Business starten, ein Medienstar auf Youtube werden etc. So etwas war vor der Internetzeit und vor der Demokratisierung von Technologie nicht möglich, als Computer, Server, Netzwerkanbindung noch zehntausende Dollar kosteten. « Fast jeder hat heute die Möglichkeit, Einzigartiges zu schaffen und es einer grossen Anzahl Menschen mitzuteilen. » Chris Riddell, Keynote-Speaker und Futurist Sie sprechen mit so einer Begeisterung von den Vorteilen von Technologie und den vielen Möglichkeiten, die den Menschen heutzutage offenstehen. Technologie wird von Unternehmen und Regierungen aber auch zunehmend eingesetzt, um die Freiheit der Menschen zu beschneiden, sie zu überwachen, die öffentliche Meinung zu manipulieren und Wahlen zu beeinflussen. Der Einsatz von Technologie hat auch seine negativen Seiten. Ich finde, wir sollten etwas vorsichtig sein, dass wir hier kein falsches Bild zeichnen. Missbrauch von Technologie hat es schon immer gegeben. Es ist nicht so, dass die Dinge, die Sie erwähnen, komplett neu sind. Regierungen haben immer schon auf andere Regierungen Einfluss genommen. Wahlen wurden immer schon von in- und ausländischen Interessengruppen beeinflusst. Ebenso die Meinung der Menschen. Früher geschah das einfach klandestin, im Verborgenen. Heutzutage – und das ist ein Riesenfortschritt im Vergleich zu früher – sind diese Vorgänge viel transparenter. Diese Transparenz brachte schliesslich Cambridge Analytica zu Fall. Nachdem bekannt geworden war, dass sie geholfen hatten, die US-Präsidentschaftswahlen für Donald Trump zu gewinnen und auch die Brexit-Abstimmung beeinflusst haben sollen, gab es einen derartigen Skandal, dass das Unternehmen Insolvenz anmelden musste, weil niemand mehr mit ihnen zusammenarbeiten wollte. Sie haben also keine Bedenken? Doch. Ich finde es beunruhigend, dass sich bei einzelnen Organisationen wie etwa Facebook so viel Macht konzen- www.netzwoche.ch © netzmedien ag 15 / 2018