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Netzwoche 15/2018

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20 triert. Wir sind in

20 triert. Wir sind in einer Zeit angekommen, wo ein einzelnes Unternehmen eine ganze Industrie dominiert und für alle anderen nur noch Nischen bleiben. Facebook ist ja nicht einfach ein soziales Netzwerk, sondern schlicht der grösste Medienkonzern der Welt. Es gibt viele Menschen, die sich vor Technologie fürchten, weil sie glauben, dass sie etwa an ihrem Arbeitsplatz durch Roboter und künstliche Intelligenz ersetzt werden könnten. Was entgegnen Sie? Wir müssen hier präzisieren: Die Menschen fürchten sich nicht vor der Technologie an sich. Sie fürchten sich vor der Veränderung, welche die Technologie mit sich bringt. Sie fürchten sich davor, irrelevant zu werden. Seit den Anfängen der industriellen Revolution oder noch früher hatten die Menschen Angst vor solchen Veränderungen. Menschen hassen Veränderung. Wir haben Angst vor der Zukunft, weil wir sie nicht kennen. Aber die Menschen haben es immer wieder geschafft, sich anzupassen, sich weiterzuentwickeln. Der Unterschied zu damals ist die Geschwindigkeit, wie die Veränderungen vonstatten gehen. Deshalb fühlt es sich vielleicht so an, dass alles schlimmer als jemals zuvor ist. Die Wahrheit ist aber, dass es der Menschheit noch nie so gut ging wie heute. Es gibt aber doch Herausforderungen? Natürlich. Wir müssen uns gut überlegen, was wir mit der bevorstehenden Ära der künstlichen Intelligenz anstellen « Künstliche Intelligenz wird zu einer Erweiterung der Menschen, die es uns ermöglichen wird, Dinge zu tun, die wir ohne sie nicht tun könnten. » Chris Riddell, Keynote-Speaker und Futurist wollen. Denn nur, weil wir etwas tun können, heisst das nicht, dass wir es auch tun sollten. Doch vieles, was heutzutage in den Medien rund um künstliche Intelligenz geschrieben wird, dass uns die künstliche Intelligenz ersetzen werde und es früher oder später um die Frage «sie oder wir?» gehen werde, stimmt nicht. In Wahrheit ist es eine Fusion beider Welten. Künstliche Intelligenz wird zu einer Erweiterung der Menschen, die es uns ermöglichen wird, Dinge zu tun, die wir ohne sie nicht tun könnten. Denken Sie da ran, dass ein Auto eine Erweiterung unserer Beine ist, um schneller von A nach B zu kommen. Genauso ist die künstliche Intelligenz eine Erweiterung unseres Gehirns, um Dinge schneller, besser, einfacher zu denken und zu tun. Sicher wird das die Art und Weise, wie wir etwas tun, verändern, aber wir werden deshalb immer noch relevant bleiben. Wie wird unsere Welt in 20 Jahren aussehen? Wir werden in einer Welt leben, in der die Technologie die Reibungsverluste aus unserem täglichen Leben weitestgehend entfernt haben wird. Unsere Art zu arbeiten, Entscheidungen zu treffen, zu leben, wird sich durch den Einsatz von Technologie komplett verändert haben. Alles, was wir tun, wird in irgendeiner Weise technologisch unterstützt werden. Der Einsatz von Technologie wird so selbstverständlich sein wie der Strom, der aus der Steckdose kommt. Autonome Technologien werden zur Normalität geworden sein. Die Konnektivität zwischen 15 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

People Live 21 verschiedenen Technologieplattformen wird massiv zunehmen. Welche Technologien setzen Sie bei sich zuhause heute schon ein? Wo haben Sie die «Reibung» aus ihrem Alltag bereits verbannt? Bei uns zuhause ist schon sehr viel miteinander vernetzt. Etwa 200 verschiedene Geräte von Leuchten über die Türklingel, das Garagentor, die Überwachungskameras, den Kühlschrank, die Waschmaschine, den Tumbler, den Fernseher bis hin zum Babybett, das den Schlafrhythmus unseres Neugeborenen überwacht. Nur die Klimaanlage können wir nicht darüber steuern, weil sie nicht mit Homekit kompatibel ist. Ein Silo-Problem. In Zukunft wird es keine separaten Silos und keine separaten Apps mehr geben. Die unterschiedlichsten Devices werden viel flüssiger miteinander verbunden sein als heute. Und wie setzen Sie Social Media ein? Ich sagte bereits, dass ich diese Machtkonzentration in einzelnen Organisationen problematisch finde. Auch glaube ich, dass wir die Bedeutung von sozialen Medien heute noch nicht richtig einschätzen können. Insbesondere ihren Einfluss auf unser Bewusstsein und unsere Psyche. Es gibt in diesem Zusammenhang noch viel zu lernen, sowohl im Positiven wie auch im Negativen. Aber ja, ich bin auch auf den sozialen Netzwerken aktiv, etwa auf Facebook, Twitter, Youtube. Sie eignen sich hervorragend, um mit den Menschen in Kontakt zu bleiben. Wenn man über die Zukunft der Wirtschaft spricht, kommen immer schnell Start-ups zur Sprache, welche die etablierten Industrien «disrupten» werden. Welche Branchen sind besonders gefährdet? Alle Industrien werden durch den digitalen Wandel grundsätzlich verändert. Im Gesundheitswesen tut sich sehr viel, und die Healthcare-Industrie wächst massiv durch den technologischen Wandel. Die Menschen sind so interessiert an ihrer eigenen Gesundheit wie selten zuvor und monitoren sie permanent mit Wearables und Apps. Früher haben wir uns nur für unsere Gesundheit interessiert, wenn wir krank waren und zum Arzt mussten. Heute sind wir viel mehr interessiert daran, wie wir unsere Gesundheit für die Zukunft bewahren können. Die Finanzindustrie ist etwas stärker unter Disruptionsdruck. Sie hat aber reagiert und genug Mittel für die Transformation zur Verfügung. Vor allem die grösseren Player im Markt. Die Retail-Industrie steckt seit dem Aufkommen des Onlinehandels in der Disruption. Aber gerade Retailer wären in einer guten Position, sich der Digitalisierung zu stellen und dabei zu gewinnen. Unternehmen, die sich den Spiegel vorhalten und immer wieder challengen, was sie tun, und eine digitales Erlebnis für ihre Kunden schaffen, haben gute Chancen. Wenn Sie natürlich das, was sie heute tun, immer noch so wie vor zehn Jahren tun ... ganz ehrlich: Schliessen Sie ihren Laden! Es gibt ja einige auch grosse Retailer, wie etwa Toys’R’Us, die auf die Nase gefallen sind, weil sie sich nicht angepasst haben, und es werden weitere folgen. Am 21. November kommen Sie ja nach Zürich und werden am Gala-Abend des Swiss Digital Economy Awards als Keynote- Speaker auftreten. Worüber werden Sie sprechen? Ich werde darüber sprechen, wie die nächste disruptive Technologiewelle aussehen wird. Wie wird uns Technologie verändern, was wird sie für die Menschheit tun. Was werden die Impacts sein, die wir sehen werden, welche Trends haben uns bis hierhergebracht etc. Auch werde ich darüber sprechen, wie Geschäftsbereiche sich anpassen und Entrepreneurship innerhalb von Organisationen fördern können. Ich werde ausserdem Beispiele von Unternehmen nennen, die das sehr gut machen. Und natürlich werde ich über künstliche Intelligenz, Blockchain und Augmented Reality sprechen. i ZUR PERSON Chris Riddell ist ein preisgekrönter Zukunftsdenker und branchenweit anerkannter Keynote-Speaker, der sich mit aufkommenden Trends in unserer vernetzten Welt befasst. Er sucht weltweit nach Verhaltensmustern, entdeckt und identifiziert, wie Menschen sich verändern und sich dem schnellen Wandel anpassen, verschafft Unternehmen und Führungskräften Erkenntnisse in der äusserst disrup tiven digitalen Welt von heute. Quelle: chrisriddell.com Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_102688 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 15 / 2018