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Netzwoche 15/2019

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48 Management & Career

48 Management & Career Titelgeschichte Was Unternehmen von Social Media lernen können Im Zeitalter von Social Media und Onlineforen wirken Intranet-Plattformen von Unternehmen oftmals wie Dinosaurier aus der Frühzeit der IT. Um den Anforderungen von Mitarbeitern und Management zu genügen, reicht es allerdings nicht aus, neue Technologien einzuführen. Es braucht einen Wandel der Arbeitskultur. DIE AUTORIN Angela Berrisch Leiterin Intranet und Digital Workplace, Nexum Das Buzzword «New Work» ist noch nicht für jeden greifbar – ungeachtet dessen ist der damit gemeinte Wandel der Arbeitskultur in vollem Gange. Der vom Sozialphilosophen Frithjof Bergmann in den 1970er-Jahren geprägte Begriff beschreibt einen Gegenentwurf zur klassischen Form des Kapitalismus. Neue Werte wie Selbstständigkeit, Freiheit und Teilhabe an der Gemeinschaft stehen im Zentrum unserer zukünftigen Arbeitswelt. Treiber sind die digitale Transformation und die Anforderungen der Generation Y. Es geht dabei um nichts weniger als das Bedürfnis nach passender Work-Life-Balance, die Überwindung starrer Hierarchien, Flexibilität und Sinnhaftigkeit des Arbeitsalltags. Für das Recruiting und die Bindung von Fachkräften spielt es eine grosse Rolle, ob diese Werte im Arbeitsalltag erlebt werden. Ein klassisches Intranet ist dazu oft wenig geeignet. Spiegelt es als statischer Datencontainer in Aufbau und Organisation doch das wider, was Kollaboration hemmt: Hierarchische Entscheidungen über die Relevanz von Informationen, standardisierte, gesteuerte Verteilung von Neuigkeiten und wenig Kommunikation und Interaktion. Nötig ist ein digitaler Arbeitsplatz, der Zusammenarbeit und Austausch untereinander begünstigt. Sollen Grundsätze, wie Wertschätzung von Leistung und Erfolg, Innovation oder Agilität erfahrbar werden, braucht es mehr als nur eine Intranetseite, auf der die Werte des Unternehmens an die Mitarbeiter kommuniziert werden. Nötig ist ein digitaler Arbeitsplatz, der Zusammenarbeit und Austausch untereinander begünstigt. Und das nicht nur für Bildschirmarbeitskräfte: Gerade für Beschäftigte im Produktionssektor und viele weitere im Dienstleistungsbereich ist die digitale Unterstützung ein wichtiger Faktor für ihre Motivation. Ein weiterer Aspekt ist die gestiegene Nutzererfahrung in den digitalen Medien. Im Alltag ist es nicht mehr nur die Generation Y, die regelmässig digital unterwegs ist. Für 83 Prozent der über 55-Jährigen sind digitale Tools im Alltag selbstverständlich. Arbeitnehmer sind es gewohnt, relevantes Wissen stets zur Hand zu haben – oft in Form von Informationen aus interaktiven Wissens-Communitys. Gestiegene Kommunikationsmöglichkeiten über Instant Messaging und Social Media prägen die Erfahrungen darüber hinaus. Wer privat schnell und unkompliziert kommuniziert, Bilder, Erkenntnisse und Erfolge online teilt oder dort Hilfe bei Fragen und Problemen bekommt, wird sich nur schwer mit den klassischen Kommunikationskanälen und Tools im Arbeitskontext abfinden. Intranet und digitale Transformation Aber nicht nur die Erwartungen der Mitarbeiter sind gestiegen. Auch die Anforderungen des Managements haben sich gewandelt: Ausser der Bindung von Mitarbeitern über gelebte Visionen und Werte des Unternehmens ist es vor allem das Streben nach Effizienzsteigerung in zentralen Aufgabenbereichen, das den Wunsch nach einem Stateof-the-Art-Intranet aufkommen lässt. 2017 wurden in der Studie «Digitalisierung im Mittelstand» von UP Research IT-Entscheider und Digitalisierungsverantwortliche zur Rolle des «Digital Workplace» als Lösungsansatz für die Herausforderungen der digitalen Transformation befragt. Die Erkenntnis daraus ist, dass es häufig nicht darum geht, den Arbeitsplatz oder die Arbeit selbst zu digitalisieren. Vielmehr sollten Informationen besser verfügbar und Geschäftsprozesse qualitativ hochwertiger werden. Menschen müssen dafür die Möglichkeit erhalten, bessere Entscheidungen zu treffen und sich mit Dritten auszutauschen. Es geht darum, zentrale Businessprozesse so zu unterstützen, dass die Effizienz signifikant – und messbar – erhöht wird. Welche Prozesse das sind und wie die digitale Unterstützung aussieht, ist dabei so individuell wie die Unternehmenskultur. Kommunikation Kommunikation im Unternehmen zeigt uns, dass der digitale Arbeitsplatz selbst nicht nur Technologie ist. Aktuelle Neuigkeiten, Erfolge, Visionen und Veränderungen werden selbstverständlich im Intranet bereitgestellt. Für alle Mitarbeiter verfügbar, ganz gleich ob sie an einem Computer arbeiten oder anderweitig mobil auf die Infor- 15 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Management & Career Titelgeschichte 49 mationen zugreifen. Doch das blosse Bereitstellen ist noch keine Kommunikation und der digitale Arbeitsplatz in vielen Fällen vor allem ein Change-Projekt. Denn die bidirektionale Kommunikation über Hierarchieebenen hinweg mit direktem Feedback auf ein Statement des Managements ist in den meisten Unternehmen nicht selbstverständlich. Sich fachlich auszutauschen und in der «Öffentlichkeit» Fragen zu stellen erfordert ebenso wie das Teilen von Erkenntnissen Vertrauen und wahrgenommene Wertschätzung. Um dies zu schaffen, steht vor Einführung eines Social Intranets immer eine umfassende Analyse der internen Kommunikationskultur. Der Weg zum digitalen Arbeitsplatz ist ein Wandel, der durch Tools und Technologien initiiert und als Change- Prozess begleitet wird. Wissen und Experten Wissen ist in jedem Unternehmen ein zentraler Wert. In vielen gehört es sogar zum Kerngeschäft. Wo immer auf der Basis von Fachexpertise, Methoden oder zertifizierten Prozessen individuelle Lösungen für Kunden entwickelt werden, ist der Zugriff auf das implizite und explizite Wissen des Unternehmens ein Geschäftswert. Einen Vertrag ausarbeiten, an einer Ausschreibung teilnehmen, ein Problem in der Produktion lösen – es ist unerlässlich, schnell auf Expertenwissen, aber auch auf Best Practices, Guidelines oder Arbeitsanweisungen zugreifen zu können. Damit diese Informationen hilfreich sind, muss die Relevanz für die aktuelle Aufgabe und Fragestellung individuell bewertet werden. Aus welchem Kontext und von wem stammt die Information? Handelt es sich um eine Empfehlung oder ist es eine verbindliche Arbeitsanweisung? Und in welchem Kontext soll das Wissen abgerufen werden? Ein Verkäufer auf der Fläche oder der Vertriebler beim Kunden stellen andere Anforderungen an die Der Weg zum digitalen Arbeitsplatz ist ein Wandel, der durch Tools und Technologien initiiert und als Change-Prozess begleitet wird. Grafik: elenabs / iStock.com www.netzwoche.ch © netzmedien ag 15 / 2019

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