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Netzwoche 2/2019

20 Technology

20 Technology Fachbeitrag KI-Technologie verbessert Schutz vor neuesten Cyberbedrohungen Angreifer aus dem Internet entwickeln Schadsoftware mit der Absicht, finanziellen Gewinn zu erzielen. Next-Gen- Technologien der Antivirenhersteller ändern die Spielregeln, etwa mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz und selbstlernenden Systemen, und senken die Profitabilität des Geschäftsmodells für Cyberkriminelle deutlich. Grafik: AurielAki / Fotolia.com DER AUTOR Dominik Neugebauer Public Relations Manager, G Data Software Die Anzahl an neuer Schadsoftware steigt exponentiell an. Je nachdem, welches IT-Sicherheitsunternehmen befragt wird, belaufen sich die Zahlen auf 500 000 bis 5 000 000 neue Schädlinge – und das jeden Tag. Cyberkriminelle können mit Schadsoftware aber nur einen finanziellen Gewinn erzielen, wenn diese möglichst viele Endpoints erfolgreich infiziert. Wurde eine Malware aber erst einmal identifiziert und von Antivirenlösungen erkannt, kann sie keinen Profit mehr erzielen. Das Geschäftsmodell des Cyberkriminellen ist dann hinfällig. Um nicht immer wieder mit hohem Aufwand neue Malware erstellen zu müssen, wenden Cyberkriminelle einen Trick an: Sie tarnen die Schadsoftware mit immer neuen Hüllen. Die erneute Verschleierung ist deutlich einfacher und billiger, somit profitabler und wird «Packen» genannt. Die Zahl der Packer ist bereits unüberschaubar gross und wächst stetig weiter. Jeder Packer kann dabei schnell und einfach verändert werden. Von traditionellen Ansätzen, wie signaturbasierten Erkennungstechnologien, kann diese gepackte Schadsoftware nicht erkannt werden. Hier ist eine neue Methode erforderlich, die die Hase-und-Igel- Situation zwischen Cyberkriminellen und Anbietern von IT-Sicherheitslösungen durchbricht. Machine Learning ändert die Spielregeln Selbstlernende Technologien bieten gegenüber Internetkriminellen enorme Vorteile. Sie erkennen zuverlässig, ob eine Datei verhüllt wurde und überprüfen anhand einer mathematischen Formel hunderte Attribute auf ungewöhnliche Werte. Ist ein Wert signifikant, so wird die Datei genauer betrachtet. Anders formuliert: Machine Learning hilft dabei, den Monetarisierungsprozess der Cyberkriminellen zu durchbrechen, indem die Tarnung des Schadsoftware-Kerns durch einen selbstlernenden Prozess erkannt wird. Die Folge sind hohe Investitionskosten der Malware-Autoren und ausbleibender Gewinn. Für Unternehmen können dadurch finanzielle Schäden durch Cyberkriminalität abgewendet werden. Experten schätzen, dass ein Ausfall der gesamten IT-Infrastruktur eines KMU durchschnittlich 23 000 Franken an Kosten verursacht – und das stündlich! Deshalb ist es als Entscheider wichtig, den Status der eigenen IT-Sicherheit regelmässig zu überprüfen und neuen Technologien zugewandt zu sein. Selbstlernende Systeme unterstützen und ergänzen traditionelle IT-Sicherheitskonzepte durch vorausschauendes Verhalten und bieten so einen zuverlässigen Schutz vor den neuesten Cyberbedrohungen. Darüber hinaus wird das neuronale Netz mithilfe einer erfolgreichen Erkennung im Gesamtkonstrukt der IT-Sicherheit gehärtet und gleichzeitig trainiert. Es handelt sich um einen adaptiven Lernvorgang der KI-Technologie, die das stark homogene IT-Netzwerk eines Unternehmens kontinuierlich vor zukünftigen und unbekannten Gefahren schützen kann. Performanceverluste gibt es nicht, denn unbedenkliche Dateien werden wie beabsichtigt ausgeführt. Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass Bedrohungen durch proaktive Technologien schneller erkannt, dadurch Schäden und Ausfälle bei Unternehmen verhindert und infolgedessen die Gewinne der Cyberkriminellen durch perfide Schadsoftware drastisch gemindert werden. 02 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Research 21 Das Wachstum im KMU-Markt schwächt sich 2019 etwas ab Auch wenn 2019 die ICT-Ausgaben der kleinen und mittleren Unternehmen in der Schweiz nicht mehr auf dem Niveau des Vorjahres zulegen, sind die Aussichten mehrheitlich erfreulich. Wir gehen auf der Basis unserer aktuellen Prognosen davon aus, dass die Ausgaben um 4,6 Prozent steigen werden. Diese Zahl liegt zwar 0,2 Prozent unter der des vergangenen Jahres, aber immer noch deutlich über den Wachstumsraten der letzten zehn Jahre. Die wirtschaftlichen Aussichten 2019 trüben sich im Vergleich zum vergangenen Jahr etwas ein. Der Konjunkturforschungsstelle KOF zufolge wirkt sich die Abschwächung der weltweiten Konjunktur seit 2018 negativ auf den Schweizer Markt aus. Darüber hinaus bremsen internationale Handelskonflikte und politische Unsicherheiten (Stichwort Brexit) die Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Als Folge dieser Verlangsamung, die im neuen Jahr voraussichtlich anhalten wird, prognostiziert die KOF für 2019 ein BIP-Wachstum von 1,6 Prozent (2018: 2,6 Prozent). Auch wenn die wirtschaftliche Entwicklung der KMUs und die Wachstumsraten im Laufe des Jahres aktuellen Entwicklungen entsprechend angepasst werden könnten, rechnen wir mit einer weiter anhaltenden positiven Entwicklung der ICT-Ausgaben der KMUs. Mit Blick auf die Unternehmensgrössenklassen und der vertikalen Ausrichtung präsentiert sich der KMU-Markt als ein sehr heterogenes Gebilde. Drei von vier KMUs verdienen ihr Geld mit Dienstleistungen (z. B. Detailhandel, Grosshandel, Gastronomie,Telekommunikationsdienste), wobei mehr als 50 Prozent aller Unternehmen Einzelunternehmen sind und über 90 Prozent aller Unternehmen weniger als 10 Mitarbeiter beschäftigen. Damit dominieren Mikro- und Miniunternehmen, was deren Anzahl betrifft, den Schweizer Markt. Nicht ganz so hoch fällt der Anteil der ICT-Ausgaben aus. Auf die Kleinunternehmen (bis 9 Mitarbeiter) entfallen lediglich 19 Prozent aller ICT-Ausgaben der kleinen und mittleren Unternehmen. Durchschnittlich 51 Millionen Franken pro Arbeitstag Insgesamt, so unsere aktuelle Prognose, werden die KMUs 2019 12,15 Milliarden Franken für ihre ICT ausgeben. Auf einen einzelnen Arbeitstag umgerechnet sind dies durchschnittlich rund 51 Millionen Franken oder 65 Prozent aller ICT-Ausgaben, einschliesslich Grossunternehmen. Wesentlich zum weiteren positiven Anstieg der ICT- Gesamtausgaben im KMU-Markt tragen die Dienstleistungen, inklusive Cloud-Services und Individual-Software, bei. Diese werden 2019 um markante und für entsprechend erfolgreich positionierte Provider und Dienstleister erfreuliche 10 Prozent zulegen. Dies zulasten der traditionellen Marktsegmente der Hardware, Software (on Premise) und Kommunikation, die alle rückläufige Wachstumsraten aufweisen. Wie im letzten Beitrag berichtet, ist es der Paradigmenwechsel im Bereich des ICT-Betriebs, das heisst die zunehmende Verlagerung des Betriebs hin zu externen Dienstleistern, der das derzeitige Wachstum antreibt. Wir gehen davon aus, dass 2019 die Ausgaben für den traditionellen ICT-Eigenbetrieb (on Premise) der KMUs um annähernd 10 Prozent sinken, während sie für externe Managed und Cloud-Services um rund 17 Prozent zulegen werden. Welchen Verlauf auch immer die wirtschaftliche Entwicklung nehmen wird, die grosse Mehrheit der KMUs dürfte in der Lage sein, sich darauf entsprechend einzustellen. Und im Vergleich zu den grossen Unternehmen entscheiden sie mit Blick auf wirtschaftliche Veränderungen schneller und pragmatischer und passen Ausgaben und Investitionen rasch und agil an sich abzeichnende, veränderte Verhältnisse an. ICT-AUSGABEN DER SCHWEIZER KMUS Forecast 2019, Struktur der KMU-Ausgaben 2019 (insgesamt 12,15 Milliarden Franken) Quelle: MSM Research AG Hardware Software Kommunikation Services 69 % 12 % 9 % 10 % Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_123565 DER AUTOR Philipp A. Ziegler Geschäftsführer, MSM Research AG www.netzwoche.ch © netzmedien ag 02 / 2019

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