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Netzwoche 6/2019

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12 Business Nachgefragt

12 Business Nachgefragt « Roboter werden in Zukunft aus den Interaktionen der Anwender lernen » Wer Roboter hört, denkt an industrielle Maschinen am Fliessband. Doch Roboter können auch Software bedienen und Bildschirmarbeiten ausführen. Robotic Process Automation nennt sich das und wie es funktioniert, darüber gibt Christian Beyeler, Head of Business Development Application Services von Avectris, Auskunft. Interview: Oliver Schneider Robotic Process Automation, kurz RPA, steht im Zentrum der Diskussion um die Automatisierung menschlicher Arbeit. Was steckt eigentlich hinter dem Begriff? Christian Beyeler: Der Bedarf wächst stetig, betriebliche Prozesse zu rationalisieren und die Qualität sowie Kosteneffizienz von Services zu optimieren. Zur besseren Unterstützung dieser Transformation entstand mit RPA eine neue Softwarekategorie. Aufgaben werden automatisiert, indem sie von Robotern anhand von Regeln auf die gleiche Weise ausgeführt werden wie durch einen Menschen. Für welche Art von Prozessen eignet sich RPA typischerweise? Besonders rasche Erfolge erzielt man mit der Automatisierung von Routineaufgaben, die eine hohe Anzahl Repetitionen, eine geringe Komplexität und strukturierte Daten aufweisen. Die Erfahrung zeigt, dass sich solche Aufgaben vom Back- bis zum Frontoffice entlang der gesamten Wertschöpfungskette finden. Im einfachsten Fall dort, wo Daten aus einer Applikation, etwa einer E-Mail, in ein andere, etwa ein ERP, überführt werden. RPA-Bots interagieren wie Menschen mit Benutzeroberflächen von Software. Wie genau funktioniert das? Die Roboter starten die benötigten Applikationen, erkennen Elemente auf dem Bildschirm anhand von Eigenschaften und führen Mausklicks, Tastatureingaben oder Textsuchen aus. Dank aktueller Algorithmen können wir eine menschenähnliche Erkennung von Benutzeroberflächen ermöglichen. Braucht es für RPA zwingend künstliche Intelligenz? Wenn wir unter KI die Fähigkeit verstehen, menschliche Fertigkeiten zu imitieren, dann deckt RPA in erster Linie die Ausführung von Handlungen ab. Insofern wäre RPA selbst bereits ein KI-System. Wenn die zu automatisierende Aufgabe einer Interpretation von Inhalten bedarf – beispielsweise das Erkennen der Thematik einer Kunden-E- Mail –, dann werden weitere KI-Systeme benötigt. Im erwähnten Beispiel wäre dies eine Komponente zur Verarbeitung natürlicher Sprache. Bei Avectris integrieren wir diese Komponenten über Standardschnittstellen. Wenn zusätzlich Entscheidungen und Voraussagen berücksichtigt werden sollen, sprechen wir von Intelligent Process Automation. Wo liegen die Grenzen von RPA? Bei einem isolierten Fokus auf Effizienzsteigerung besteht die Gefahr, dass mit RPA «nur» der aktuelle Zustand eines Prozesses automatisiert wird. Das Potenzial für ganzheitliche Optimierungen bleibt in diesem Fall ungenutzt. Welche weiteren Entwicklungen dieser Technologie sind zu erwarten? Roboter werden in Zukunft aus den Interaktionen der Anwender lernen, Automatisierungsvorschläge einbringen oder selbstständig Aufgaben übernehmen. «Selbstheilende» Roboter werden Änderungen an der unterliegenden IT-Systemlandschaft, etwa den Oberflächen, selbstständig erkennen und können auf diese angemessen reagieren. Was sollten Unternehmen beim Einsatz einer RPA- Lösung beachten? Ein erstes, einfaches Automatisierungsprojekt kann in kurzer Zeit erfolgreich realisiert werden. Dank der Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Partner können Unternehmen von Beginn an das gesamte Potenzial von RPA nutzen und den Fokus auf besonders werthaltige Prozesse legen. Um einen effizienten Betrieb sicherzustellen, benötigt man einen Partner, welcher der Betreibbarkeit der Gesamtarchitektur bereits zu Projektstart besondere Beachtung schenkt, sonst kann es im Nachhinein teuer werden. « Roboter starten die Applikationen, erkennen Elemente auf dem Bildschirm und führen Mausklicks aus. » Christian Beyeler, Head of Business Development Application Services, Avectris i VERANSTALTUNGtel Avectris Day 2019 am Dienstag, 21. Mai 2019 im Trafo in Baden 13 spannende Fachvorträge mit Themen für Entscheidungsträger aus IT und Business. 3 Vorträge widmen sich der Thematik RPA & Machine Learning. Kostenlose Anmeldung, Agenda und Referenten: www.avectris.ch/AD19 06 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Event 13 Warum viele Unternehmen mit der Digitalisierung überfordert sind «Cloud next level!» So warb die Fachhochschule Nordwestschweiz für den 6. Cloud Use Cases Day in Olten. Doch nicht alle Firmen erreichen mit der Cloud das nächste Level. Der Event zeigte, warum viele mit der Digitalisierung überfordert sind. Autor: Marcel Urech Die Cloud ist ein Kernelement der digitalen Transformation und beeinflusst Unternehmen nachhaltig. Während einige Firmen stark von Cloud Computing profitieren, gelingt es anderen nicht, grossen Nutzen aus der Technologie zu ziehen. Warum? Diese Frage klärte der 6. Cloud Use Cases Day, der am 13. März in Olten stattfand. Am Event ging es um die Frage, warum einige Firmen keinen Nutzen aus dem Cloud Computing ziehen können. Bild: Robert Othmar Eggs, Foto Mendez Das Innovationstempo ist horrend Nach der Begrüssung durch Stella Gatziu Grivas, Dozentin am Institut für Wirtschaftsinformatik der FHNW und Organisatorin der Veranstaltung, betrat Kai Reinhardt die Bühne. «Es brodelt in den Unternehmen», sagte der Professor von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. «Sie wissen, dass stürmische Zeiten auf sie zukommen.» Er sprach damit die Herausforderungen an, welche die digitale Transformation mit sich bringt – «viele Firmen sind damit überfordert». Reinhardt zeigte am Beispiel des von Ex-BMW-Managern gegründeten Autoherstellers Byton auf, wie schnell die Digitalisierung die Wirtschaft umkrempelt. Die chinesische Firma gibt es erst seit September 2017. Sie setzte sich zum Ziel, ein «Smartphone auf Rädern» zu bauen – ähnlich wie Tesla. «Aber eigentlich ist das kein Auto, sondern eine vernetzte Plattform, die einfach fährt», sagte Reinhardt. «Autos bauen und verkaufen, das ist ein auslaufendes Geschäftsmodell», sagte Byton-CEO Carsten Breitfeld. 2018 stellte Byton einen Prototyp vor. Die Entwicklung des Elektro-SUV dauerte gerade mal zwei Jahre; und Ende 2019 soll schon die Serienproduktion starten. «BMW hätte das Auto auch haben können, der Vorstand lehnte die Idee aber ab», sagte Reinhardt. Es fehlt an Digitalisierungs-Know-how «Die Digitalisierung gefährdet das Geschäftsmodell fast jedes Unternehmens», fuhr Reinhardt fort. «Sie hat vor allem Einfluss auf die Innovation und die Mitarbeiter.» Vielen Unternehmen fehle heute das Know-how, um ihr Geschäftsmodell zu digitalisieren – obwohl sie das dringend tun sollten. Ein Grund dafür sei, dass die Qualifikation der Mitarbeiter oft nicht ausreiche, um die digitale Transformation erfolgreich zu gestalten. Auch das Topmanagement sei in vielen Unternehmen immer noch nicht digital unterwegs. Dabei sei das ein entscheidender Faktor, um auch in Zukunft zu überleben. Diese Situation habe zu einer Produktivitätslücke geführt, einem Gap zwischen operativer Produktivität und technologischem Wandel. Digitalisierung schafft neue Arbeitswelten Unternehmen müssten umdenken: Gefragt seien heute Autonomie statt Kontrolle, Selbstverwirklichung statt Prestige, Potenzial statt Qualifikation, Gemeinschaften statt Abteilungen und Lebenseffizienz statt Work-Life- Balance. Früher seien Unternehmen noch reaktiv organisiert gewesen, dann seien sie agil geworden, in Zukunft sollen sie integrativ sein, sagte Reinhardt. Starre Organisationsstrukturen sollten fast hierarchielosen «Cloud- Organisation» Platz machen, die auf Ökosystemen und Netzwerken aufbauen. Als Beispiel nannte Reinhardt die schwedische IT-Firma Netlight Consulting. Sie setze auf Rollen und Verantwortungen statt auf Hierarchien, und die Kommunikation der Mitarbeiter geschehe über 1500 Slack Channels. Das mache die Entscheidungsprozesse effizient und die meisten Mitarbeiter glücklich. Für Ordnung sorge ein gemeinsames Wertesystem. Künftig werden die Organisatoren den Event neu ausrichten: Am 18. März 2020 findet der erste «Transformation Cases Day» in Olten statt. Die Cloud werde dabei auch eine Rolle spielen, jedoch in einem breiteren Kontext, sagt Kathrin Hubli von der FHNW. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_130135 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 06 / 2019

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