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Netzwoche 6/2019

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18 Business Fachbeitrag

18 Business Fachbeitrag Headless-Commerce: unabhängig, nutzerfreundlich, flexibel Für die Umsetzung von Webapplikationen, Shops, Websites und anderen Touchpoints auf dem Weg zum Kauf eines Produkts kommen zunehmend Headless-Commerce-Ansätze zum Zug. Ihre Besonderheiten liegen dabei in der Trennung von Front-End und Back-End: Soll heissen: Das, was der Kunde eines Onlineshops sieht, kommt nicht aus dem Shop selbst, sondern aus einem offenen Front-End-System. DER AUTOR Niels Anhalt Geschäftsbereichsleiter Digital Products & Services, Nexum Erinnern Sie sich noch an die Zeiten, als drei von vier Applikationen auf Ihrem Smartphone nach dem Update des Betriebssystems nicht mehr funktionierten? Das kann auch heute noch passieren – je nachdem wie emsig die Hersteller der Apps mit den Anpassungen hinterherkommen. Und glauben Sie noch an die Customer Journey, die einen klassischen Ablauf bis zum Kauf eines Produkts vorsieht? Also: Kunde sucht Produkt in der Suchmaschine und findet einen Händler, der fit und gut beraten in Suchmaschinenoptimierung und -marketing ist. Kunde besucht anschliessend den Onlineshop und kauft. Schön wär’s! Tatsächlich läuft die Kundenreise schon seit einiger Zeit anders, denn schon heute führen die unterschiedlichsten Wege zum Warenkorb: Shopping-Apps, Facebook, Instagram und Youtube oder Messenger-Apps wie Whatsapp und iMessage sind nur einige der neuen Touchpoints. Es ist immer seltener der mobile Browser allein, der den potenziellen Käufer auf die Reise schickt. Vielmehr locken eine Handvoll Apps, in denen Influencer inspirieren und Freunde überzeugen. Bei einem Blick in die nahe Zukunft wird deutlich, warum sich der Headless-Gedanke als perfekte Lösung anbietet und warum sich (Online-)Anbieter schon heute in einer neuen Welt befinden: Neue Geräte und Sprachassistenten oder Bestell-Buttons werden dieselben Inhalte wie der Onlineshop vermitteln wollen. Schon jetzt zeigen Chatbots und AR-Anwendungen den Weg auf. Mit Headless-Commerce können Marken inspirierende, personalisierte Inhalte für jedes Gerät bereitstellen. Bestes Kauferlebnis bieten Für jeden dieser Touchpoints gilt es, das beste Nutzer- und Kauferlebnis zu bieten, unabhängig davon, auf welchem Weg der Interessent mit dem Produkt in Kontakt kommt. Headless-Commerce setzt genau hier an. Mit diesem Ansatz können Marken inspirierende, personalisierte Inhalte für absolut jedes Gerät bereitstellen. Die wesentlichen Vorteile einer «kopflosen» Umsetzung sind dabei Unabhängigkeit, Nutzerfreundlichkeit und Flexibilität: Back- End und Front-End sind fortan «nur» noch über Schnittstellen verbunden. Diese Trennung macht Schluss mit der Abhängigkeit des Shopbetreibers von den Updates der Softwarehersteller – zumindest was die Aktualisierung der Touchpoints angeht. Technologische Weiterentwicklungen können mit dem Headless-Ansatz direkt flexibel und modular verlustfrei implementiert werden. Das Front-End lässt sich jederzeit anpassen, ohne dass das Back-End neu aufgesetzt werden muss. Es ist die Schnittstelle, die den Content und die Funktionalitäten an die vom Kunden genutzten Geräte kommuniziert; dabei spielt es keine Rolle, welche oder wie viele Geräte angedockt sind. Das ist ein wenig so wie bei Legosteinen: die machen im Verbund mehr Spass, jeder Stein für sich funktioniert aber auch allein; die Noppen der Steine sind dabei die Schnittstellen, die neue Anforderungen auch modular lösen können. Der Content liegt standardisiert im Back-End vor und muss dazu nur noch ein einziges Mal erstellt werden; die Schnittstellen spielen ihn flexibel auf die unterschiedlichen Geräte aus. Für den Kunden bieten sich dadurch sehr schnelle Ladezeiten und eine auf jedes Gerät optimierte Bedienbarkeit: zwei Kernelemente der Nutzerfreundlichkeit. Headless-Shopsystem berücksichtigt individuelle Bedürfnisse Ein Kunde entscheidet heute selbstständig, wann er wo und wie einkauft – und überall erwartet er ein einzigartiges Kauferlebnis. Ein Headless-Shopsystem berücksichtigt die individuellen Bedürfnisse der Käufer sehr viel besser als herkömmliche Lösungen. Beispielsweise ist die Umsetzung der Navigation einer Website oder deren Suchfunktion nicht mehr länger an ein Standard-Template gebunden, vielmehr werden sie im Shop-Front-End individuell gestaltet. Zudem bringen Headless-Anwendungen den richtigen Inhalt für jeden Kunden auf die verschiedenen Bildschirme und Geräte und schaffen dadurch erfolgreiche Einkaufserlebnisse. So lassen sich die Vorteile mobilfreundlicher Websites (z. B. Reichweite, SEO, Geschwindigkeit) mit denen nativer Apps verbinden, die sich durch eine hohe Nutzererfahrung und deren Offlinefähigkeit auszeichnen. 06 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Fachbeitrag 19 Und die Shopbetreiber? Sie können über intelligente Anwendungsschnittstellen Drittanbieter problemlos integrieren, etwa Apps, soziale Medien oder POS-Software. Es spielt keine Rolle mehr, auf welchem Weg der Kunde eine Information abrufen möchte. Und es ist egal, ob er eine mobile App, einen Messenger, den Bestell-Button oder einen Sprachbefehl nutzt, um zu kaufen: Über die Schnittstelle können Back-End und Front-End in beide Richtungen kommunizieren. Durch Headless-Commerce wird es weitaus einfacher, Shop-Funktionalitäten und Inhalte in einer integrierten Experience darzustellen. Das bestmögliche Markenerlebnis des Kunden auf allen Kanälen ist kein Wunschdenken mehr, wenn Inhalte aus einem «Headless-CMS» kommen und die Shop-Funktionalitäten und Produktdaten aus dem «Headless-Shopsystem». Eine Headless-Commerce-Lösung ist immer eine individuelle für den jeweiligen Shopbetreiber. Der wiederum sollte dringend auf die Wahl des Systems in puncto Funktionalitätsumfang, Performance und Reife achten. Headless beschreibt nur die Methode der Auslieferung von Inhalten und Funktionalitäten – der Ansatz nützt aber nichts, wenn er im Betrieb nicht reibungslos funktioniert. Zukunftsgewandte Entscheidung Die Wahl für ein Headless-Commerce-System ist eine zukunftsgewandte Entscheidung, die sich besonders für Unternehmen eignet, die einen signifikanten Anteil ihres Umsatzes online erwirtschaften und deren Kunden eine individuelle Nutzererfahrung erwarten. Der Aufbau der neuen Strukturen kostet Zeit und Geld: Ausser dem initialen Aufwand benötigt der Headless-Ansatz aufseiten des Unternehmens zusätzliche IT-Ressourcen und andere Mitarbeiterprofile. Dem gegenüber stehen die viel geringeren Kosten für Betrieb und Pflege, die nicht mit denen von herkömmlichen Shop-Systemen zu vergleichen sind. Und fortan können Händler etwa modular Shopsysteme austauschen und auf neue Kundenanforderungen oder Trends reagieren, ohne auf eine Markteinführung des Drittanbieters warten zu müssen, beziehungsweise davon abhängig zu sein. Die Kunden und die Kosten: sie entscheiden am Ende. Amazon, Zalando und Co. treiben die Spirale in Sachen Nutzerfreundlichkeit und Kauferlebnis immer weiter nach oben. Das hinterlässt Eindruck: der Kunde erwartet diesen Komfort auch von anderen Shops und nimmt Abweichungen negativ wahr. Headless-Systeme bieten wettbewerbsrelevante Vorteile, sie ermöglichen sogar Kauferfahrungen jenseits dieses Standards. Mit ihnen sind differenzierende Shops möglich, die Einzigartiges bieten und beim Kauf behilflich sind. Der Trend zeigt deutlich in Richtung einer service- und kundenzentrierten Architektur. Systeme, die zukünftig am Markt bestehen bleiben wollen, werden kaum ohne Headless-Commerce auskommen können. Im Gegenteil, es werden wohl schon bald weitere Systeme mit Kundenschnittstellen folgen, etwa CRM-Systeme. Insofern dürften die Kosten für die technologische Komplexität und der Aufwand für den Aufbau der nötigen IT-Ressourcen beim Shopbetreiber in den meisten Fällen gerechtfertigt sein. Amazon, Zalando und Co. treiben die Spirale in Sachen Nutzerfreundlichkeit und Kauferlebnis immer weiter nach oben. Bild: Warchi / iStock.com www.netzwoche.ch © netzmedien ag 06 / 2019

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