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Netzwoche 6/2019

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30 « Wenn wir uns alle

30 « Wenn wir uns alle ein bisschen mehr darauf konzentrieren, was wir schon besitzen, erreicht haben und wie gut es uns geht, anstelle sich auf vergängliche Momente zu konzentrieren oder etwas Neues anzuschaffen, könnte sich auch die Grundhaltung zum bewusster Leben und Teilen ändern. » Cédric Waldburger, Unternehmer und Minimalisierung gut vertragen, aber nicht im Doppelpack vorhanden sein müssen. In meiner derzeitigen Lebensphase geht es mir sehr gut mit minimalem Besitz. Es ist der richtige Lebensstil für mich. Ich bin mir aber bewusst, dass andere Menschen mit meinem Lebensstil todunglücklich sein könnten – gestresst vom vielen Reisen und ohne Zuhause. Deshalb versuche ich auch niemanden zu weniger Besitz zu überreden. Ich glaube, was uns allen guttut, ist Bewusstsein: Bewusst zu hinterfragen, warum wir so leben, wie wir's tun, und ob es uns glücklich macht. Und wenn wir merken, dass etwas unserem Glück im Weg steht, den Mut zu radikalen Entscheiden und Veränderungen zu haben. Sehr oft werden wir durch die Konsumgesellschaft verführt oder abgelenkt. Ich glaube, es tut uns allen gut, erstmal durchzuatmen und uns zu fragen, ob wir etwas wirklich brauchen, bevor wir bei einem Schnäppchen zuschlagen. Wer bewegt sich nun eher in der Komfortzone? Sie mit Ihrem gelebten rationalistischen Minimalismus, ein typischer Schweizer Bürger oder gar ein Materialist? Jeder sollte für sich selbst herausfinden, was er alles oder eben nicht braucht und was ihn glücklich macht. Es ist spannend, zu beobachten, wie viele Dinge wir rund um uns anhäufen. Bringen all diese Dinge mir effektiv mehr Wert und mehr Glück oder werden sie schnell zu Ballast? Das Schöne ist ja auch, dass man Dinge weggeben kann, als Geschenk oder Spende, und weiss, dass diese anderen Menschen mehr Freude bereiten können als einem selbst. Wie bewerten Sie die «Shared Economy» oder «On Demand Consumption» zum Trend der Optimierung und digital unterstützten Bequemlichkeit und Produktivität? Ich bin ein grosser Fan der «Shared Economy». Ich nutze Produkte wie Uber, Airbnb, Mobility, oder wähle auch traditionellere Modelle wie das Nutzen von Fahrzeugen, Gegenständen, Zimmern oder Wohnungen von Freunden. Ein Zitat von Sokrates lautet, frei übersetzt: «Das Geheimnis des Glücks liegt nicht im Finden oder Streben nach mehr, sondern darin, mehr zu machen aus dem, was man hat.» Wenn wir uns alle ein bisschen mehr darauf konzentrieren, was wir schon besitzen, erreicht haben und wie gut es uns geht, anstelle sich auf vergängliche Momente zu konzentrieren oder sich etwas Neues anzuschaffen, könnte sich auch die Grundhaltung zum bewusster Leben und Teilen ändern. Ich hoffe, die Angebote der Shared Economy werden erweitert: Am liebsten hätte ich gar keinen Rucksack mehr mit 64 Gegenständen, sondern würde wirklich nur noch alles auf Abruf mieten. Wird es in Zukunft irgendwann einen sesshaften Cédric Waldburger geben? Ich bin verlobt und heirate im Sommer 2019. Mein Ziel ist es nicht, möglichst viel zu reisen, sondern in möglichst vielen interessanten Projekten wachsen und lernen zu können. Mit der Eröffnung eines Offices in Zürich und der Konzentration auf ein Projekt – Dfinity – wird sich meine Reisetätigkeit automatisch etwas legen. Vielleicht bedeutet das auch, dass ich sesshaft werde. Trotzdem werde ich nicht anfangen, Sachen anzuhäufen: 64 Sachen ist alles, was ich brauche, und ich geniesse die Freiheit, die mir so wenig Besitz gibt. Jeden Tag happy aufzustehen und happy einzuschlafen, ist letztlich meine Maxime. 06 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

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