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Netzwoche 8/2019

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10 Business Porträt Ein

10 Business Porträt Ein Hacker mit einem moralischen Kompass Die Kriminellen, das sind die anderen. Ivan Bütler ist einer von den Guten – ein professioneller Hacker mit ethischen Prinzipien. Er und seine Mitarbeiter von Compass Security decken Sicherheitslücken auf, schlüpfen in die Haut der Angreifer und erleben immer wieder haarsträubende Momente. Autor: Joël Orizet Adrenalin schiesst durch die Adern. Der Atem stockt. Jemand rief die Polizei, denkt sich Ivan Bütler, als er im Hinterraum einer Bankfiliale steht und vor Angst erstarrt. Doch der Streifenwagen, der draussen patrouilliert, ist nicht seinetwegen hier. Bütler holt tief Luft, zieht den USB-Stick aus der Tasche und steckt ihn in den PC. Das spielte sich vor etwa zwölf Jahren ab. Dass jemand einbrechen sollte, davon wussten die Bankangestellten nichts. Aber ihre Chefs wussten es. Sie hatten Bütler beauftragt, ins System einzudringen. Das ist Bütlers Beruf. Als Ethical Hacker prüft er die IT-Sicherheit seiner Auftraggeber auf Herz und Nieren. Er deckt Sicherheitslücken auf, nutzt sie aber niemals aus, wie er sagt. Das könne er sich gar nicht leisten. Schliesslich ist er mit seinem Unternehmen Compass Security seit 20 Jahren im Geschäft. Was einen guten Hacker ausmacht Klare Grenzen sind wichtig, wie Bütler sagt. Wenn der Rechtsstaat oder Persönlichkeitsrechte auf dem Spiel stehen, macht er nicht mit. «Ich bekam schon viele unmoralische Angebote», sagt er. Einige Unternehmen hätten ihn schon gebeten, jemanden auszuspionieren. Auch staatliche Organisationen hätten angefragt, ob er bestimmten Leuten einen Staatstrojaner unterjubeln würde. Solche Anfragen lehne er höflich, aber bestimmt ab. Trotzdem setzt Compass Security auch Trojaner ein. Das kommt etwa ein Mal im Monat vor. Die Aufträge kommen von Unternehmen, die wissen wollen, ob man eine Cyberattacke erkennen würde. Für solche Fälle greift Bütler tief in die Trickkiste. Mal verkleidet er sich als Elektriker, mal macht er einen auf Blumenbote. So oder so: Irgendein hilfsbereiter Mitarbeiter lässt ihn meistens rein. « Ich bekam schon viele unmoralische Angebote. » Ivan Bütler, Mitgründer und Verwaltungsratspräsident, Compass Security Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_133665 Der Chef erstickte das Vorhaben im Keim. Doch die Idee liess Bütler nicht los. Mit seinem Studienfreund Walter Sprenger erstellte er einen Businessplan. Ziel war es, die erste Schweizer Firma für professionelles Pentesting aufzubauen. Kurz nach der Gründung konnte Compass Security die ersten Aufträge für zwei grosse Schweizer Unternehmen durchführen. Von da an hätte sie ein Grossunternehmen zum anderem weiterempfohlen. Wachsen will gelernt sein Das Unternehmen wuchs schnell – was allerdings nicht immer einfach war, wie Bütler sagt. Steigende Fixkosten, Löhne und Liquidität: Auf solche Dinge habe er plötzlich höllisch aufpassen müssen. Doch offensichtlich schaffte er es, in die Rolle des Patrons zu schlüpfen. Denn das Geschäft läuft wie geschmiert. Ausser dem Hauptsitz in Jona unterhält Compass Security Niederlassungen in Zürich, Bern sowie in Berlin. Und schon bald folgt der Sprung über den Grossen Teich, wie Bütler andeutet. Wenn er mal nicht gerade Vorlesungen hält oder sich ums Firmenwachstum kümmert, dann hackt er auch noch heute. Gerade kürzlich habe er Kreditkartennummern in einem Onlineshop ausgelesen – natürlich im Auftrag, wie er sagt. Aber dass ihm Adrenalin ins Blut schiesse, das komme nur noch selten vor. «Ein Glück», sagt Bütler. Die Geschichten, die er tagtäglich mitbekommt, sind aufregend genug. Der tollkühne Tüftler Nach seinem Abschluss als Elektroingenieur arbeitete Bütler in der IT der St. Galler Kantonalbank. Er war 25, pendelte täglich mit dem Zug und las viel. Eines Tages bekam er ein Buch in die Finger, das ihn bis heute beeindruckt: «Angewandte Kryptographie» von Bruce Schneier. «Das war für mich wie eine Offenbarung», sagt Bütler. So kam er auf die Idee, bei seinem Arbeitgeber einen Pentest zu machen. 1997 kannte das aber noch niemand. Ivan Bütler, Mit gründer und Verwaltungsratspräsident, Compass Security 08 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Event 11 Wie die Schweiz heute in der Fabrik von morgen mitmischt Industrie 4.0 ist das Schlagwort der Stunde. Digitale Technik soll Rohstoffabbau, Fertigung und Logistik in die nächste Ära katapultieren. Doch was macht die 4. industrielle Revolution eigentlich aus? Die Redaktion hat sich bei Schweizer Unternehmen auf dem wichtigsten Branchentreff der Welt umgehört, der Hannover Messe. Autor: Oliver Schneider Es gibt kaum ein Referat über die Fabrik der Zukunft, in dem der Begriff Industrie 4.0 nicht erwähnt wird, kaum ein Anbieter von Industrielösungen, der nicht damit wirbt. Was 5G für die Telkos und die künstliche Intelligenz (KI) für die Softwarehersteller sind, ist der Begriff Industrie 4.0 für die Fertigung, Energiewirtschaft und Logistik. Es gibt kaum ein Referat über die Fabrik der Zukunft, in dem der Begriff nicht erwähnt wird, kaum ein Anbieter von Industrielösungen, der nicht damit wirbt. Doch was macht die Industrie 4.0 beziehungsweise ihre Wegbereiterin, die 4. industrielle Revolution, eigentlich aus? Produkte steuern Prozesse Der beste Ort, um dieser Frage auf den Grund zu gehen, ist die Hannover Messe. Seit 1947 stellen dort Unternehmen ihre Lösungen für die Industrie aus, zuletzt Anfang April 2019. 215 000 Menschen besuchten die laut Veranstalter «international wichtigste Plattform für alle Technologien rund um die industrielle Transformation». Rund 6500 Aussteller präsentierten ihre Lösungen, darunter auch Firmen aus der Schweiz. Die Hannover Messe ist nicht nur eine der wichtigsten Branchenmessen der Welt, sie war auch Geburtsort der Industrie 4.0. 2011 stellten deutsche Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft dort das Konzept als nächsten Schritt in der Entwicklung der Branche vor. Nach der 1. (Einführung mechanischer Produktionsanlagen), der 2. (arbeitsteilige Massenproduktion von Gütern mittels elektrischer Energie) und der 3. (Einsatz von Elektronik und IT zur Automatisierung von Produktionsprozessen) stehe nun die 4. industrielle Revolution an, war nach der Messe in der «Zeitschrift des Vereins Deutscher Ingenieure» zu lesen. Diese Transformation umfasse: ·· den Aufbau eines Internets der Dinge (IoT) im industriellen Umfeld ·· die «digitale Veredelung von Produktionsanlagen und industriellen Erzeugnissen» mit Software, Sensoren, Speicher- und Kommunikationsfähigkeiten ·· eine Brücke zwischen virtueller und physischer Welt durch Synchronisation zwischen digitalem Modell und Realität ·· die Entwicklung intelligenter Überwachungs- und Entscheidungsprozesse, um Wertschöpfungsnetzwerke in Echtzeit steuern und optimieren zu können www.netzwoche.ch © netzmedien ag 08 / 2019

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