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Ratgeber Traumjob

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SEITE 30 FREITAG, 14.

SEITE 30 FREITAG, 14. JULI 2017 ein kubaner in neubrandenburg die kinder des gilberto pérez drei Wünsche hatte gilberto pérez villacampa imgepäck, als er vor 26jahren das erste mal deutschen boden betrat. einer davon: irgendwann einmal in einem internationalen konzern zu arbeiten. der Weltenbummler erzählt, wohin ihn seine Wege in der neuen heimat führten. VonGerlinde Bauszus neubrandenburg. Er kam als akademische Hoffnung nach Deutschland. Mit unbändiger Neugier und dem Image eines Draufgängers wollte ernicht wenigerals die Welt einreißen und etwas völlig Neues daraus bauen. Keine Aufgabe, die ihm zugroß erschien. Doch was den Kubaner als Erstesim Provinzstädtchen Neubrandenburg entgegen blies, war ein kräftiger Gegenwind. Gilberto Pérez Villacampa hatte in Weißrussland Philosophie studiert, eine Diplomarbeit über Immanuel Kant geschrieben und stand mit 27 kurzvor seiner Promotion, als er sich entschied, alles aufzugeben und nach Deutschland zu gehen. „Ich wollte nicht Sprachrohr sein für etwas, an das ichnichtglaube.“ So begab er sich auf die Suche. „Denn ist das Glück an einer Stelle nicht zu finden, wandert ein Kubaner aus.“Das tat er dann auch. Das Kubanische in mir istdie Pflicht für das eigene Glück. Man muss es selbst erschaffen. Kaum angekommen, bewarb sich der Dozent anden Hochschulen des Landes, das seine neue Heimat werdensollte. Dochdie Startbedingungen spielten dem Weltenbummler nicht gerade freundlich zu. In Zeiten des Umbruchs, Anfang der 1990er, war es selbst für hiesigeAkademikerschwierig, neueAufgabenfelder, einefeste Anstellung zufinden. Zwarspracherfließend russisch und spanisch, aber eben nichtdeutsch.„Offenbarhatte ich den falschenBerufund war zudem Ausländer.“ Nicht gerade die besten Karten für einen optimalen Neuanfang, bringt es der heute 56-Jährigeauf den Punkt. „Dafür hatte ich den Kopf frei und keine Hemmungen.“ Vorallem galt es, keine Zeit zu verlieren, denn das Leben musste finanziert und Anschlussineiner Gesellschaft gefunden werden, die ihm bis dahin fremd war. Er wolltedazugehören, Alltag leben. Also machte er sich daran, die dreiWünscheinseinemGepäck anzugehen: irgendwann von einem internationalen Konzern entdeckt werden, in einer großen Stadt wie Berlin oder München leben und Schriftsteller werden. Seine erste Station nach einem Jahr Arbeitsuche war eineReinigungsfirma.Sowurde ausdem studierten Philosophender „attraktivste Fensterputzer der Viertorestadt“. DernächsteSchrittimneuen Land: eineUmschulung zum er ist grafiker, schriftsteller, Fotograf und hat ein „diplom für das denken“, wie er es selbst formuliert. gilberto pérez villacampa vor dem hkb in neubrandenburg. im Foyer des geschichtsträchtigen hauses kuratiert der künstler mit der hakabé-Fotoreihe seit einem jahr wechselnde ausstellungen. aktuell sind arbeiten der potsdamerin gundula Walz zu sehen. Foto: konrad Wegener Ökonomen. Doch Zahlen lagen dem Perfektionisten nicht. Mittelmaß schon gar nicht. Er brach ab und erinnerte sich an ein Talent aus Kinderzeiten: Zeichnen. Erkaufte sich einen Computer, spürte Grafik-Programme auf und entwarf im heimischen Wohnzimmer fiktive Logos: für den Gemüsehändler um die Ecke, den Friseur,den Tischler.Zehn davon packte er in eine Mappe, klapperte eine Firma nach der anderen ab und stellte sich vor mit dem Selbstvertrauen eines Kubaners, der sich sagt: „Ich habe einen Hochschulabschluss, den Rest kann ich lernen.“ Prompt zog er ein Glückslos: „Riedel-Werbung, damals eine Familienfirma im Hinterhof ihres Wohnhauses, gab mir,dem Ausländer,einen Platz in ihrer Mitte, obwohl noch nicht einmal klar war, ob ich überhaupt fehlerfrei deutsch schreibe.Sie versteckten mich auch nicht hinter einem Schreibtisch, sondern ermöglichten mir sehr früh Kundenkontakte“, ist Gilberto Pérez immer noch dankbar. ZehnJahre später lockteder Sprung in dieSelbstständigkeit als neue Herausforderung.Wie sehr ihm dies gelang, davon zeugt heute die Schar seiner grafischen Kinder, die sich in Neubrandenburg tummeln: wie das Logo der Stadtwerke, Evangelischen Schule, Regionalbibliothek oder des Weberglockenmarktes ... Manchmal allerdings, erzählt Pérez und schmunzelt, wundere ersich, welch eigenwillige Wege seine Kinder gehen.Wie neulich, als er den Briefkastenöffnete und auf dem Strafzettel vom Oberbürgermeister das von ihm kreierte Stadtlogo prangte. Ich bin biegsam, aber ich mussmeine Freude am Biegen haben. Biegen ja –brechen nein. Gilberto Pérez Villacampa, „Perfektionist mitZeitgefühl“, ist längst angekommen inseiner Wahlheimat Neubrandenburg. Heimwehkenne er nicht, dennvielgrößer alsdie Trauer, was er hintersichlasse,sei die Freude auf das, was kommt. „Das war schon immer sobei mir.“ Sicher, manchmal habe er Sehnsuchtnachseiner Muttersprache, einer gewissen Art der Kommunikation. Insofern spüre er schon Verlust, doch die Verwandlung sei inzwischen vollzogen. „Ich werde immer mehr Deutscher.“ Wie er dasspüre? „Etwa daran,dass ich mich über Kleinigkeiten aufregen kann.“ Und er sehe Kuba zunehmend mit den Augen eines Touristen. Außerdem träume erauf Deutsch. Mehr noch, selbst seine spanischen Tantensprechendann deutsch. „Ichhabe nichtnur diedeutsche Sprache autodidaktisch gelernt, sondern alles, was michheuteals Systemgrafiker ausmacht“, sagtGilberto Pérez stolz. Er liebe es,komplexeFragen mit einer Konsequenz so lange zu durchdenken, bis es wehtut, um zur Essenz, zum Kern vorzudringen. Dabei lasse er sich nicht aus dem Konzept bringen, offenbart eine Gelassenheit, inder sich sein kubanisches Naturell zeigt –und eine Kreativität, die er seit einigen Jahren als Senior- GrafikerineinemMedienhaus ausleben kann, was ihn „extremglücklich“mache.Dasei genügend Freiraum für ihn, den „Schmetterling“,der auch bodenständig sein kann. Aber was ist eigentlich aus den anderen beidenWünschen geworden,die er seinerzeit im spärlichen Gepäck von Kuba nach Deutschland trug? Je trostlosereine Gegend scheint,destoreizvoller wirdsie für mich als Fotograf.Dafange ich an, zu suchen und meinen Blick zu schärfen. Sein erstes Büchlein sei längst vergriffen, sagt der Geschichtenerzähler, der beim Schreiben die Welt um sich herum vergisst. Die kurzen Texte müssen vor allem eines, seinem Klang, seiner Musikfolgen. Zum Autor gesellte sich die Leidenschaft für die Fotografie. Sie ermögliche ihm seine Sicht auf die Welt. Auf der Suche nach Alltagsszenerie fange er Bilder aus einer gewissen Langeweile heraus ein, erklärt der Tagträumer. Eine Eigenschaft, die schon in seinen Kinderschuhen steckte. Das kriege er nicht mehr geheilt. „Das ist bleibend.“ So verrateerinseinen abstrakten Fotografien mehr als in seinen Kuba-Bildern. „Meine Kamera ist nach innen gerichtet. Mit ihr fange ich Emotionen, Fantasien, Ideen ein.“ Wiesehr seine Bilder undGeschichten miteinander harmonieren, sich ergänzen, streitenoder wieder vertragen, zeigt seine aktuelle Ausstellung inder Photo Art Galerie Neubrandenburg. Für die 26-jährige Tochter Charlotte, sein größtes Glück und „Hauptwerk“, wie er lächelnd sagt, ist indesein Überraschungsbuch mitTexten und Fotografien entstanden, die nebeneinander, auf Augenhöhe, wirken. EinkleinerSchatz, den irgendwann auchkünftige Enkel entdecken werden. Wasden dritten Wunsch betrifft, ja, er brauche schon ab und anden Großstadt-Smog. „Deshalb fahre ichoft nach Berlin.“ Für ihn aber bleibe Neubrandenburg „die Frau mit der Schürze“, wie Hildegard Knef einst sang. Diese Stadtgibtihm Sicherheit.„Wirsindein Paar.“ 26 Jahre voll mit Erinnerungen: „Ich weiß, wo und wann sich hier etwas verändert hat, wie diese Stadt gewachsen ist. Ich kannmithalten mitFreunden, Kollegen. Und ich kann sagen: Weißt dunoch ...?“ Kontaktzur Autorin g.bauszus@nordkurier.de

FREITAG, 14. JULI 2017 SEITE 31 gregor knak (links) und uwe schefferski lassen alte möbelstücke imneuen glanz erstrahlen. Foto: marina spreemann tischler in einem kleinen dorf zwei aus gleichem holz geschnitzt dass uwe schefferski und gregor knak zusammengefunden haben, war eigentlich ein zufall. doch eine leidenschaft verbindet die beiden, wie sie schnell erkannt haben. VonMarina Spreemann grapzow. Die erste Gemeinsamkeit der beiden Männer liegt in ihren Familien. Jeder hat zwei Kinder, jeweils im gleichen Alter. Und die Größeren und die Kleineren gehen jeweils in eine Klasse. „Darüber haben wir uns eigentlich kennengelernt“, erzählt Gregor Knak aus Grapzow bei Altentreptow. Wie das so läuft; man trifft sich mal beim Kinderabholen, redet ein paar Sätze, die Frauen kennen sich. Dass sich aber ihr beruflicher Wegeinmal verknüpfen würde, stand da noch lange nicht fest. Uwe Schefferski war aus Neubrandenburg ins Nachbardorf Kessin gezogen. Für den gelernten Tischler war das auch mit einer „schöpferischen Pause“ verbunden. Er hatte die Werkstatt des Neubrandenburger Puppentheaters geleitet, war danach eine Zeit lang in der Stadt als selbstständiger Tischler tätig. Nach dem Umzug kümmerte er sich vor allem erst mal um die Kinder und baute an seinem Haus. Gregor Knak steckte zu dieser Zeit mitten in seiner zweiten Berufsausbildung zum Umweltschutztechniker. „Das wollte ich eigentlich schon nach der Schule werden. Klappte aber nicht.“ Deshalb hatte er sich für den Dachdeckerberuf entschieden. „Ich habe das auch gern gemacht, wollte dann aber weg vom Bau, weil ich nicht mehr ausliegen mochte“, erzählt der 38-Jährige. Er hatte auf Baustellen in Stuttgart oder Hamburg gearbeitet und wünschte sich, mehr Zeit für die Familie zu haben. Also Umweltschutztechniker.„Die Ausbildung habe ich zwar beendet, stellte aber schnell fest: Das ist gar nicht mein Ding.“ Natürlich haben die beiden Männer darüber geredet, wenn sie gemeinsam an Schefferskis Haus werkelten. Nachbarschaftshilfe, klar. Schefferski brauchte nach der Auszeit einen beruflichen Neustart, und Knak stand vor der Entscheidung: Weggehen oder bleiben? „Eigentlich wollte ich bleiben, bin eben sehr heimatverbunden“, sagt er. interesse für alte möbel führt zur firmengründung So wurden sich die beiden schnell einig, dass sie zusammen etwas unternehmen wollten. Etwas mit Holz, denn gerade in Sachen alte Möbel trafen sich ihre Interessen. Knak hatte ein paar Erbstücke von der Oma aufgearbeitet und Spaß daran gefunden. Und Schefferski hatte sich damit beschäftigt, weil seine erste Frau alte Möbel liebte. „Wir hatten keine dieser typischen DDR-Anbauwände zu Hause, nichts von der Stange, sondern alte Stücke, ganz individuell“, erzählt der heute 55-jährige Schefferski. Im April 2010 meldeten die beiden Männer ihr Gewerbe für Tischlerei und Restaurierung an. Im ehemaligen Tanzsaal der alten Grapzower Gaststätte richteten sie ihre Werkstatt ein. „Die ersten Maschinen haben wir übrigens über ein Inserat im Nordkurier gefunden“, erinnert sich Schefferski. Eine Unterstützung für Existenzgründer half ihnen finanziell in der ersten Zeit. „Das Geld, das wir eingenommen haben, wurde gleich wieder investiert“, erklärt Knak. Den beiden Männern war natürlich klar,dass Spaß und Hobby nur eine Seite ist. Die andere ist es, von der Arbeit auch leben zu können. Noch dazu mit einer kleinen Firma in einem kleinen Dorf, ziemlich weit ab vom Schuss. „Die Kunden mussten uns ja auch erst mal finden.“ Mit Güte, Qualität und Kundenfreundlichkeit zu punkten, haben sie als ihre Chance erkannt. Ohne eine Internetseite geht natürlich auch nichts. Und die beiden haben eine kleine alljährliche Kulturreihe mit Musik- und Theaterveranstaltungen aufgelegt. Heute restaurieren, renovieren und bauen sie Möbel aus Holz für ihre Kunden. Viele restaurierte Stücke sind in einer Ausstellung in Siedenbollentin zu sehen und stehen zum Verkauf. Zwei bis drei Mal im Jahr sind die beiden auch auf größeren Baustellen, etwa bei der Sanierung von Fachwerkhäusern, im Einsatz. Sie arbeiten in Kirchen und denkmalgeschützten Häusern. „Wir haben auch schon alte Treppen, Holzdielen oder Bauelemente wie Fenster aufgearbeitet.“ auch kunden aus der region gönnen sich luxus Die zahlungskräftige Kundschaft kommt oft aus Berlin, Hamburg oder Bremen. „Mit den alten Möbeln verkaufen wir natürlich Luxus. Da steht viel Aufwand dahinter. Wenn ineinem Schrank 80 oder 110 Arbeitsstunden stecken, kostet das schon sein Geld“, sagt Schefferski. Trotzdem sind aber auch Stücke, die in ihrer Werkstatt zu neuem Glanz kamen, in der Region zu finden. Das freut die Tischler besonders. „Es gibt hier Kunden, die gar nicht in so ein Luxusschema passen, sich aber auch mal ein schönes Stück gönnen. Oder Familien, die eine ganze Menge Geld für die Restaurierung eines Erbstücks von der Oma in die Hand nehmen, weil es ihnen das einfach wert ist“, berichtet Schefferski. Dass es für sie gut laufen würde, konnten die beiden 2010 natürlich nicht wissen. Bereut haben sie ihre Entscheidung von damals nicht. „Dabei habe ich früher immer gesagt, dass ich mich nie selbstständig machen werde“, erzählt Knak. Er wisse von Bekannten, die gute Jobs mit ordentlicher Bezahlung haben, dass sie mit ihrer Arbeitssituation aber unzufrieden sind. „Auch wenn wir vielleicht weniger Geld verdienen, wir müssen niemanden fragen und können unser Ding machen.“ Das habe er sehr schätzen gelernt. Sicher sei man freier, das sieht auch Schefferski so. Aber Selbstständigkeit bedeute immer auch, sich selbst ganz schön auszubeuten. Kontaktzur Autorin m.spreemann@nordkurier.de Foto: © FotoFabrika - Fotolia.com

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