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PolarNEWS Magazin - 27 - CH

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Interview 26

Interview 26 PolarNEWS

«Ich kann mir das leisten» Professor Konrad Steffen forscht seit vierzig Jahren über den Klimawandel. Was er sagt, wird weltweit anerkannt. Und er nimmt kein Blatt vor den Mund. Interview: Christian Hug Bilder: WSL, Michael Wenger Ohne Feldforschung seien Wissenschaftler bloss Theoretiker, sagt Konrad Steffen. Er geht bis heute regelmässig aufs Eis. Als Klimatologe haben Sie 40 Jahre Erfahrung in Sachen Klimawandel. Macht Sie das zu einem Crack unter den Klimaforschern? Das zu beurteilen überlasse ich anderen. Ich studierte an der ETH Zürich Elektroingenieur, wechselte dann zu den Naturwissenschaften und kam in die Klimagruppe beziehungsweise zu den Gletschern, weil Eis relativ schnell auf Klima-Änderungen reagiert. ...und haben mit zum Teil selber entwickelten Geräten Messungen vorgenommen. Mit meinem damaligen Professor Fritz Müller ging ich auf die Station Expedition Fjord auf Axel Heiberg, der nördlichsten Insel des kanadischen Archipels, diese Station existierte bereits seit 1959. Ich habe dann gemeinsam mit einem Assistenten zwei Winter lang auf dem Meereis überwintert und Messungen an einer Polynya vorgenommen. Polynyas sind eisfreie Flächen inmitten des arktischen Meereises. Genau. Wir untersuchten, wie und unter welchen Umständen sich Eis bildet und wie es sich verändert. Somit haben wir in den 1970er-Jahren schon genau das getan, was heute für die Klimawandel-Forschung zentral ist, nämlich Veränderungen im Eis beobachten. Damals werteten wir zehn Meter lange Papierstreifen von den Schreibern der Messgeräte aus, die ich als einer der ersten Forscher in einen Datenlogger übertrug. Die Daten von damals sind heute wichtige Vergleichswerte. Nebenbei erwähnt: In den 1970ern ist es in der kanadischen Arktis über die Jahre kälter geworden. Bis heute gehen Sie regelmässig in die Arktis oder in die Antarktis. Jede Saison, mit meinen Doktoranden. Es gibt viele Theoretiker, die sind grossartig darin, elektromagnetische Wellen von Satelliten auszumessen. Aber die waren noch nie auf dem Eis. Das ist ein Fehler, denn man muss sehen, worüber man forscht. Und Sie sehen viel, weil Sie eben auch viel Erfahrung haben. Ich sehe die Auswirkungen des Klimawandels sogar von blossem Auge. Können Sie ein Beispiel nennen? Grönland. Früher war da ein kompakter, fester Eispanzer. Wir konnten von der Schweizer Polarstation Swiss Camp mit Skidoos direkt bis zur Eiskante runterfahren. Heute herrscht an der Küste ein einziges Chaos. Als hätte jemand mit einem riesigen Hammer einfach das Eis zertrümmert. Das ist natürlich sehr trügerisch: Wenn ein Forscher oder ein Tourist heute zum ersten Mal dorthin kommt und all das zertrümmerte Eis sieht, nimmt er an, dass das schon immer so war. Ist es aber nicht. Gab es einen Moment, in dem Sie eine Veränderung sahen und dachten: PolarNEWS 27

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