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PolarNEWS Magazin - 27 - CH

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Bay auf 64° 53’

Bay auf 64° 53’ S/62° 53’ W. Echt paradiesisch, der Ort, wo die Argentinier eine ihrer 18 Stationen, Base Brown, eingerichtet haben. Diese Station wurde übrigens einst abgebrannt von einem Arzt, der jahrelang vergebens auf seine Ablösung gewartet hatte und sich zu helfen wusste. Zunächst ziehen wir mit den Zodiacs entlang der malerischen Gletscher, begleitet vom lauten Gebrüll der Eselspinguine und umschwirrt von Königskormoranen. Im Wasser zeigen sich Zwergwale und Krabbenfresserrobben. An Land gehts hoch auf den nahen Hügel, von wo man eine einzigartige Aussicht auf die Bucht geniessen kann. Eine wunderbare Aussicht haben wir schon früh am vorherigen Morgen auf der Insel Cuverville genossen. Neben gestrandeten Eisbergen gibt es rund 10’000 Eselspinguine zu bestaunen. Ich profitiere davon, dass meine Nase verstopft ist, denn auch geruchlich hat der Ort einiges zu bieten: Es stinkt fürchterlich. Auf dem Kontinent Das erste Mal antarktisches Festland betreten wir bereits am Donnerstag bei Brown Bluff. Ich freue mich, dass die Anlandung klappt, denn bei meiner letzten Halt auf Verlangen: Pelzrobben haben auf Prior Island den Vortritt. Postkartensujet: Die «Plancius» vor der Gletscherwand von Brown Bluff. 38 PolarNEWS

Reise vor drei Jahren mussten wir wegen zu hoher Wellen den Versuch abbrechen. Das war auch diesmal nicht sicher, denn die Herfahrt mit der «Plancius» war sehr garstig. Mein Gleichgewichtsorgan kam ziemlich aus dem Ruder, sodass ich mich während der ganzen Fahrt nicht aus der Kabine bewegte. Bei Brown Bluff am Fusse eines eindrucksvollen Tafelbergs befindet sich eine Mystisch: Eine Wanderung an den Kraterrand von Deception Island. Die Flanke fällt steil ins Meer ab. unglaublich belebte Kolonie von Adélie- Pinguinen. Die Tiere sammeln sich zu Dutzenden im Uferbereich und springen gemeinsam in die Fluten. Ein herrliches Schauspiel. Trinity Island mit dem Mikkelsen Harbour steht am Freitagmorgen auf dem Programm. Nicht alle Passagiere gehen hier von Bord, denn das Wetter zeigt sich nur bedingt einladend: etwas Nebel und leichter Schneefall. Doch wie es in der Antarktis typisch ist, verzieht sich der Nebel plötzlich und gibt die Sicht frei auf die Eselspinguine, Weddell- und Pelzrobben, die die ehemalige Walfangstation übernommen haben. Portal Point in der Charlotte Bay gibt vielen Leuten die Gelegenheit, bewusst antarktische Luft zu atmen und in die Weite zu staunen. «Oh», «ah» und «oooh» rufen viele während des Abendessens, denn links und rechts des Schiffes sind ungewöhnlich viele Buckelwale zu sehen. Hans, ein holländischer Guide, hat 76 Tiere gezählt. Der Kapitän navigiert das Schiff geschickt durch die mythische Eislandschaft der Wilhemina Bay und ermöglicht allen, die eine oder andere Fluke mit dem Fotoapparat einzufangen. Kurios, dass man mit dem Schiff in die Caldera eines aktiven Vulkans fahren kann: Wir erreichen Deception Island. Eindrücklich auch die landschaftliche Szenerie und die bedrückende Industriebrache aus der Walfängerzeit. Abwechslungsreiche Heimfahrt Bereits heute Abend verlassen wir die Südshetlandinseln und machen uns auf den Weg zur Drake Passage. Bevor es aber soweit ist, landen wir noch ein letztes Mal an: Half Moon Island heisst die Insel mit einer Kolonie von Zügelpinguinen und der argentinischen Forschungsstation Camara. Die zweitägige Überfahrt durch die berühmt-berüchtigte Passage verläuft freundlich und wird ergänzt durch lebhafte Vorträge. So zum Beispiel von Howard Platt, einem Passagier, der in den 1970er- Jahren drei Winter in Südgeorgien verbracht hatte. Er betrat den Vortragsraum in seiner alten Ausrüstung, die ihm damals von der britischen Forschungseinrichtung zur Verfügung gestellt worden war. Ein humorvoller Vortrag über Abenteuer im Schnee, alte Pyramiden-Zelte und wie damals in der Station die Wintersonnenwende gefeiert wurde. Traditionellerweise wird am letzten Abend an Bord in die Lounge zum Captain’s Cocktail eingeladen. Wir treffen uns ein letztes Mal mit Kapitän Alexey und seiner Besatzung, um auf eine gelungene Reise anzustossen. Ich zeige einen kurzen Film über unsere Reise, das Expeditionsteam hat Fotos für eine Diashow gesammelt, die Dan zusammengestellt hat. Zum Schluss überreicht Andrew Tanja die Oceanwide- Fahne, unter der sie die vergangenen drei Wochen im Ausguck gelacht und getanzt hat. Eine schöne Geste, die einem Passagier zuteil werden kann, der sich besonders verbunden mit der Reise zeigte. Wir freuen uns mit Tanja und nehmen auch diese schöne Geschichte mit. Weiterführende QR-Codes: Links geht’s zum Film, rechts zu noch mehr Bildern. Aussichtspunkt: Die Brown Station liegt im Paradise Harbour. Romantischer Moment: Königspinguine im Sonnenuntergang. PolarNEWS 39

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