Aufrufe
vor 3 Jahren

PolarNEWS Magazin - 12

OceanCare Das Leben im

OceanCare Das Leben im Meer bestimmt unsere Zukunft Seit mehr als 20 Jahren setzt sich OceanCare für den Schutz der Meeressäuger und der Ozeane ein. Mit Forschungsprojekten, Informationskampagnen und dem Engagement im Bereich der internationalen Gesetzgebung setzt die Schweizer Organisation OceanCare konkrete Verbesserungen durch. Von Vera Bürgi (Text) Für die Menschen im Binnenland Schweiz sind die Ozeane weit weg; die meisten haben noch nie einen Delphin, geschweige denn einen Wal gesehen. Wieso engagiert sich also ausgerechnet eine Schweizer Organisation für den Lebensraum Meer und den Schutz der Meeressäuger? Weil die Ozeane und das Leben in ihnen uns sehr wohl etwas angehen – in vielerlei Hinsicht: Zum Beispiel, weil die Schweiz eine Hochseeflotte mit 33 Frachtschiffen unterhält, welche die Weltmeere durchkreuzen; sie fahren über den halben Globus, um uns mit Autos, Lebensmitteln, Fernsehge - räten und zahllosen anderen Kulturgütern zu versorgen. Die Schweiz ist auch eine grosse Taucherund Seglernation. Viele Schweizer legen sich in den Ferien mindestens einmal im Jahr an einem Meeresstrand in die Sonne. Bedenken - los wird täglich Meerfisch gegessen, während in manchen Mittelmeer regionen den Del phinen der Hungertod droht. Und unser Land entscheidet mit über das Ökosystem Meer in internationalen Gremien und Kommissionen, beispielsweise in der Internationalen Wal fangkommission IWC. Vielschichtige Aktivitäten An vorderster Front hat OceanCare in den vergangenen zwei Jahrzehnten dramatische Entwicklungen im Lebensraum Meer beobachtet. Mit einem Team von gerade einmal sechs Teilzeitangestellten hat die Organi - sation beachtliche Verbesserungen durchgesetzt. Dank ihrer Kompetenz und lösungsorientierter Strategie geniesst OceanCare ein hohes Ansehen bei Entscheidungsträgern und schafft es regelmässig, wichtige Themen in relevanten internationalen Gremien einzubringen. Mit führenden Wissenschaftlern und Partner organisationen arbeitet OceanCare weltweit in Forschungs- und Schutzpro - jekten zusammen. Das Arbeitsfeld ist äusserst komplex, eine breite Palette von 32 Polar NEWS

Massnahmen ist nötig, um konkrete Ziele zu erreichen. Zum Beispiel Walfleisch In diversen Studien wies OceanCare alarmierende Konzentrationen von Schadstoffen wie Quecksilber, die Chlorverbindung PCB oder das Insektizid DDT nach. Die Resultate brachte die Organisation in die Inter natio nale Walfangkommission (IWC) ein und machte sie in den Walfangländern gemeinsam mit Konsumentenschutz-Organisationen publik. So verdirbt OceanCare den Appetit auf Walfleisch. Die Wale müssen nicht mehr sterben, wenn ihr Fleisch zum Ladenhüter wird. Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare, nimmt als einzige Schweizer Vertreterin einer Nichtregierungsorganisation an den Tagungen der IWC teil. Hier deckte sie unter anderem auf, wie Japan illegal die Stimmen kleiner Staaten kauft, um das seit 1986 geltende Walfangverbot zu Fall zu bringen. Gegen Unterwasser-Lärm Als weltweit erste Organisation lancierte OceanCare im Jahr 2002 eine Kampagne gegen die bis dahin wenig beachtete Lärm - verschmutzung unter Wasser. Intensive Lobby- Arbeit führte 2003 dazu, dass das EU- Parlament ein Moratorium für Hoch leistungs - sonare forderte und Spanien den Einsatz von Militärsonaren um die Kana rischen Inseln verbot. Ein Jahr später gelang es OceanCare mit Partner organisationen, den Unterwasserlärm in In Japan gibt es keinerlei Notwendigkeit, Walfleisch zu essen. die Agenda der UN-Generalversammlung einzubringen. Lärm wurde auf höchster Ebene als eine der zehn grössten Gefahren für die Meere und eine der fünf grössten Gefahren für die Meeressäuger eingestuft. Fischerei-Reform Im Rahmen des Verbunds europäischer Artenschutzorganisationen Ocean2012 engagiert sich OceanCare dafür, dass die EU geltende Vorschriften anlässlich der Fischerei- Reform verschärft und endlich auch durchsetzt. Für die Welternährungsorganisation FAO macht OceanCare Lärm als primäre Ge - Problematisch: Die Haltung von Delphinen in Gefangenschaft für Tiershows. fahrenquelle auch für die Fischbestände zum Thema. Rund drei Milliarden Menschen sind weltweit auf Eiweissquellen aus dem Meer angewiesen. Schwindende Fischbestände bedrohen nicht nur das ökologische Gleich ge - wicht im Meer, sondern auch die Nahrungs - sicherheit an Land. Schutz der Tiere Im Mittelmeerraum engagiert sich OceanCare für das Überleben von drei äusserst bedrohten Arten: Gewöhnliche Delphine, Mittelmeer- Mönchsrobben und Pottwale. In diversen Artenschutzprojekten wird sichergestellt, dass Bilder: zvg/ EIA, Elsa Nature Conservatory, Wolfgang Pölzer Delphine werden gefangen und an Zoos verkauft. Nur ein Bruchteil der Tiere überlebt die Odyssee bis ins Schwimmbecken. Polar NEWS 33

© 2015 by PolarNEWS • Redaktion Heiner Kubny – Impressum