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PolarNEWS Magazin - 17 - D

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Politik Gefährliche

Politik Gefährliche Liebschaften Im Kampf um die Bodenschätze in der Arktis streiten die beteiligten Nationen und Firmen zunehmend mit harten Bandagen. Wer will was warum und wie – und mit wem? Eine Fortsetzung des Artikels «Wem gehört die Arktis?» vom PolarNEWS Nummer 11. Text: Christian Hug Bilder: Greenpeace, Heiner Kubny, Statoil Aufgrund der prekären Lage zur Ausbeutung der Bodenschätze in der Arktis kann man über deren Zukunft auf die eine oder andere Weise orakeln: Entweder artet das politische Säbelrasseln zu einem handfesten Krieg aus. Oder die intensive wirtschaftliche Zusammenarbeit schweisst die internationale Gemeinschaft enger und friedlich zusammen. Definitiv gilt einzig, dass sämtliche am Konflikt beteiligten Nationen alles daran setzen, Erdöl und Erdgas in der Arktis zu fördern. Früher oder später wird also arktisches Erdöl unsere guten Stuben heizen. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg mit vielen unbekannten Windungen. Was bisher geschah Dass unter den arktischen Gewässern grosse Vorkommen an Erdgas und Erdöl lagern, weiss man schon seit Jahrzehnten. Bereits heute werden in arktischen Gewässern und am arktischen Land 10,5 Prozent des weltweit verbrauchten Erdöls und 25,5 Prozent der globalen Gasproduktion gewonnen. Seit der US-amerikanische Geologische Dienst 2008 die Ergebnisse einer vier Jahre dauernden Studie veröffentlicht hat, kennt die Welt sogar relativ genaue Zahlen: Rund 90 Milliarden Fass förderbares Erdöl und 47 Billionen Kubikmeter flüssiges Erdgas schlummern unter dem Meeresboden der Arktis. Beim Öl entspricht das rund 13 Prozent der weltweit noch nicht angezapften Reserven, beim Gas sind das 30 Prozent, zusammengerechnet kommt die Studie auf 22 Prozent. Damit könnte man die ganze Welt drei Jahre lang mit Öl und 14 Jahre mit Gas versorgen. Allein das Erdöl hat einen geschätzten Handelswert von rund 9 Billionen US-Dollar, in Zahlen: 9’000’000’000’000. Kein Wunder, haben die ersten Länder und Förderfirmen schon vor zehn Jahren angefangen, Technologien zu entwickeln, dem gefrorenen Boden die Schätze zu entreissen. Bisher war das wegen der permanenten Eisdecke und den überaus garstigen Wetterverhältnissen schlicht nicht möglich. Aber seit wegen der Klimaerwärmung das ewige Eis im Norden immer mehr zusammenschmilzt, und das Wetter milder wird, wird es zusehends möglich, die Bodenschätze auszubeuten. Im Sommer letzten Jahres schmolz das Eis der Arktis auf die kleinste Ausdehnung seit Beginn der Satellitenmessung 1979 zurück – im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt fehlte eine Eisfläche in der Grösse sämtlicher EU-Staaten. Durch den Rückgang des Eises wird unter anderem die Nordostpassage, die Schiffsroute von Europa nach Asien entlang der arktischen russischen Nordküste, zumindest im Sommer für Schiffe befahrbar. 2011 fuhr zum ersten Mal überhaupt ein Erdöltanker durch die Nordostpassage. Letztes Jahr folgte im Auftrag der staatlichen russischen Gasförderfirma Gazprom der allererste Flüssiggas-Tanker, der unter griechischer Flagge stehende «OB River». Für die internationale Schifffahrt bedeutet dieser neue Seeweg gegenüber der üblichen Handelsroute über das Mittelmeer und den Suezkanal eine Abkürzung von rund 4000 Seemeilen und eine Zeit-, Treibstoff- und Kostenersparnis von rund 40 Prozent: Angesichts des anhaltenden Klimawandels ist deshalb absehbar, dass der Schiffsverkehr in der Nordostpassage massiv zunehmen wird – und damit auch die Belastung der Arktis. Doch zurück zu den Bodenschätzen: Der grösste Teil der arktischen Erdöl- und Erdgasvorkommen liegt zwar innerhalb der 200-Meilen-Zone (370 Kilometer): So bezeichnet man die Distanz von der Küste aus gemessen, über die das jeweilige Anrainerland Besitzansprüche über das Meer stellen darf und also auch über die alleinigen Fischerei- und Förderrechte verfügt. Das Meer auf der anderen Seite dieser Zone und damit auch die Eisdecke der Arktis gehören niemandem – beziehungsweise allen. Wie weit reicht ein Land? Doch weil sich einige Vorkommen ausserhalb dieser Zone befinden und darüber hinaus noch weitere Vorkommen entdeckt werden könnten, erheben vor allem die fünf Anrainerstaaten der Arktis (USA, Kanada, Russland, Grönland beziehungsweise Dänemark als dessen «Pate» und Norwegen) Besitzansprüche über die 200-Meilen-Zone hinaus, um sich somit Förderrechte zu sichern. Und spätestens hier kommen auch andere Staaten wie China, Deutschland, Italien und Frankreich ins Spiel, die sich ihr Stück vom Kuchen sichern wollen. Um diese Begehrlichkeiten zufriedenstellend zu regeln, gründete die Seerechtskonvention der UNO 1997 die sogenannte Com- Alles auf einer Karte: Was die Anrainer-Staaten bereits haben und was sie gerne hätten, wo sie was gefunden haben und zu finden hoffen. 26 PolarNEWS

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