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PolarNEWS Magazin - 19 - D

Für Filmaufnahmen

Für Filmaufnahmen klettern Extrem-Skifahrer mit Steigeisen und Eispickeln den Skye-Couloir südlich des Lemaire-Kanals hoch. Flanke und schienen ihre Bäuche am Rumpf zu reiben. Mehr als zwei Seemeilen begleiteten sie uns, während wir Deception Island anliefen.» Ocean Expeditions arbeitet im Südsommer vom frühen November an bis in den späten März. «Jeder Monat hat eine eigene Stimmung hier unten», weiss Ben aus Erfahrung. «November und Dezember fühlen sich wie eine Einladung an. Die Antarktis erlaubt den Menschen wieder, sie zu betreten.» Ben liebt es, zu Beginn des Südsommers die Überbleibsel des Winters zu erkunden, weil sie ihm verraten, was passiert ist, als kein Mensch da war. «Einfache Dinge wie Festeis in den Buchten oder Treibeis in den Kanälen erzählen uns Geschichten.» Zudem sind die Pinguine jetzt mit dem Nestbau beschäftigt, sie bereiten alles für die Kleinen vor. In der Mitte der Saison, also im Januar und Februar, fängt die Show an. Ben: «Alles strebt dem Höhepunkt zu, die Türen der Antarktis stehen weit offen. Die Pinguine sind beschäftigt, die Küken sind geschlüpft, sammeln sich in den Kinderhorten oder rennen rum; Skuas und Seeleoparden sind pausenlos mit Jagen beschäftigt. Das zu beobachten ist fantastisch.» Die Buckel- und Zwergwale sind noch weiter in die Antarktis vorgedrungen, wo sie Nahrung und Schutz finden. Die Tage sind lang, und das Wetter zeigt sich von seiner freundlichsten Seite. Gegen Ende der Saison, also im März und April, setzen dann die Buckelwale den Höhepunkt. Sie haben sich die ganze Saison lang die Bäuche vollgeschlagen. Die Kälber sind stark und neugierig, die Mütter eher entspannt, was zu beeindruckenden Begegnungen führten kann. «Es scheint, als ob sie jetzt ebenso sehr an uns interessiert sind wie wir an ihnen», schwärmt Ben. Aber wie es so schön heisst: Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. «Ende März, Anfang April bildet sich das Eis wieder beinahe über Nacht und das Boot friert fest für kurze Zeit. Als ob die Antarktis nun ihre Tore schliessen möchte und dich hinausbugsiert.» Die ganze Saison hindurch befördert die «Australis» Naturliebhaber, Extremskifah- Bilder: Greg Von Doersten, Ben Wallis, Goran Thulin 62 PolarNEWS

er, Bergsteiger, Kajaker, Wissenschaftler, Fotografen und Filmteams. Jede Gruppe bringt ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse mit, die Ben und sein Team erfüllen möchten. «Wenn wir wissen, was unsere Teilnehmer möchten, können wir entsprechend handeln. Wir beachten die Wettervorhersagen, die umliegenden Anlandemöglichkeiten und die Transitzeiten, um es passend zu machen», erklärt Ben. Als Red Bull 2009 ein Team von Extremskifahrern unter der Leitung von Chris Davenport sponserte, um Berge auf der Antarktischen Halbinsel zu besteigen und dann mit Skis hinunterzubrettern, war die «Australis» das Schiff ihrer Wahl. «Es war verrückt... aber auf eine gute Art», erzählt Skye. «Jeden Morgen gab es ein Gerangel, bis alle ihre Skis, Klettereisen und Rucksäcke in die Zodiacs gebracht hatten. Dann galt es, das Team zu seinem Berg zu bringen und unsere Pflichten auf dem Boot zu erfüllen. Wir beobachteten den Aufstieg des Teams, genossen von ferne ihre wilden Abfahrten, luden Mann und Material wieder in die Zodiacs, feierten an Bord mit ihnen die Erfolge, gingen zu Bett und wachten am nächsten Morgen auf – und das Ganze ging wieder von vorne los.» Das Resultat dieser Reise hiess «Australis – An Antarctic Odyssey», ein Film, der auf Skipper Ben Wallis (links) kann mit seiner Jacht an Plätzen anlegen, an die Motorschiffe nicht hingelangen (unten). PolarNEWS 63

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