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PolarNEWS Magazin - 20 - D

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Reisen «Was machen wir

Reisen «Was machen wir eigentlich hier?» Zehn Jahre PolarNEWS: Die Herausgeber Heiner und Rosamaria Kubny über ihre Begeisterung für die Kälte, das Geheimnis ihres Erfolgs und die Zukunft des Hefts. Interview: Elsbeth Flüeler Bilder: Stefan Gerber Zehn Jahre PolarNEWS, über 75’000 Auflage in ganz Europa: Was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs? Heiner: Es gibt keine vergleichbare Zeitschrift. Vor drei Jahren traf ich einen Franzosen am Nordpol. Ich sagte: «Ich bin von PolarNEWS.» Er antwortete: «Die kenne ich!» Und dann erzählte er, wie er selber versucht hatte, etwas Ähnliches aufzubauen. Er hatte zwar den Polar-Abenteurer und Forschungs-Unterstützer Frederik Paulsen als Geldgeber im Rücken, den wir übrigens in unserem Heft auch schon interviewt haben. Aber nach drei Jahren war das Magazin immer noch defizitär. Paulsen habe ihm die PolarNEWS unter die Nase gerieben und gesagt: «Die machen das schon seit sieben Jahren, und die Zeitschrift ist sogar gratis!» Was ist aus der Zeitschrift geworden? Heiner: Sie wurde eingestellt. Tatsächlich verschenken Sie Ihr Magazin. Warum? Heiner: Das wird auch so bleiben. Wir haben in den Anfangszeiten lange darüber nachgedacht, ob wir das Heft verkaufen sollen. Wir haben uns aber dagegen entschieden, weil wir wollen, dass auch Kinder und Jugendliche unser Heft lesen. Zudem werden wir oft von Lehrpersonen angefragt, ob sie Hefte für den Schulunterricht haben dürfen. Rosamaria: Wir möchten insbesondere den jungen Menschen die Natur der polaren Regionen und deren Schönheit vermitteln. Aber auch deren Probleme. Heiner: Die jungen Leute sind unsere Zukunft. Wir sind schon alt. Unsere Generation hat schon so viel falsch gemacht. Die Jungen sollen es besser machen. Deshalb ist das PolarNEWS gratis. So kommen Sie finanziell aber kaum über die Runden... Rosamaria: Klar ist das Heft nicht selbsttragend, wir finanzieren es quer mit dem Erlös aus den Reisen, die wir veranstalten. Und wir legen jedem Heft eine Antwortkarte für ein «freiwilliges Abo» bei, der wird ganz gut genutzt. Sie könnten ja bei Frederik Paulsen anklopfen... Heiner: Mit ihm arbeiten wir an einem gemeinsamen anderen Projekt, aber dazu können wir im Moment noch nichts sagen. Vielleicht können Sie den jungen Leuten aber verraten, wie Sie mit dem Heft angefangen haben? Heiner: Wir besassen früher eine gutgehende Firma für Bodenbeläge. An meinem fünfzigsten Geburtstag beschloss ich, noch einmal etwas ganz Neues aufzubauen, und trat aus der Firma aus. Wenn etwas zur Routine wird, dann ist bei mir der Kick weg. Frau Kubny, was haben Sie dazu gemeint, als Ihr Mann aus der Firma ausgetreten ist? Rosamaria: Das war kein Problem. Dann machte er halt sein Zeugs und ich meins. Heiner war der Verkäufer in der Firma, ich hatte die Geschäftsleitung inne. Als er aus der Firma austrat, suchte ich einen neuen Verkäufer und hatte den richtigen Riecher, weil der Nachfolger schliesslich die Firma übernahm. Seither leiten wir das Unternehmen PolarNEWS gemeinsam. Sich auf den eigenen Lorbeeren ausruhen ist offensichtlich nicht Euer Ding. Heiner: Nein, das ist langweilig. Ich habe mir selber immer Druck gemacht und konnte mich auf meinen Instinkt verlassen. Meine Entscheidungen in der Bodenbelagsfirma waren meistens richtig, deshalb vertraute ich auch meinem Entschluss, etwas Neues mit Naturfotografie aufzubauen. Vom Bodenbelag zum Fotoapparat? Heiner: Nicht nahtlos. Ich habe schon mit 25 Jahren fotografiert, und die Natur hat mich schon immer interessiert. Wissen Sie, wie wir unseren Polterabend verbracht haben, nur wir zwei? Sie haben sich gegenseitig fotografiert? Rosamaria: Wir gingen auf eine Fledermaus-Fotoexkursion... Und warum ausgerechnet Pinguine und Eisbären? Heiner: Eigentlich wollten wir gemeinsam eine Diashow über Amerika machen und sind deshalb innerhalb von zwei Jahren dreizehn Mal nach Kalifornien gereist. Eines Tages waren wir im berühmten Bryce Canyon, dort sind alleinstehende Bäume wundervolle Fotosujets. Doch als wir am Canyon ankamen, sahen wir, wie sich unzählige Fotografen vor einem einzigen Baum nur so rumschubsten. Alle wollten sie denselben Baum fotografieren. Da haben wir uns angeschaut und gesagt: «Was machen wir eigentlich hier? Spinnen wir?» Worauf Sie in die einsame Kälte reisten? Rosamaria: Wir hatten einen Bericht von Professor David Senn gelesen, einem Meeresbiologen der Universität Basel. Er begleitete Reisen in die Antarktis. Auf einem kleinen Schiff. Wir sind mitgefahren. Das war 1997. Schon am zweiten Tag auf dem Schiff wussten wir: Das ist es! Die Natur, das Abenteuer, die vielen Tiere... Mit einer Diashow über die Antarktis würden wir konkurrenzlos sein! Und auch die Kälte hat uns gefallen. 52 PolarNEWS

Zu Hause bei den Kubnys hängt die Schiffskarte ihrer Reise mit dem Eisbrecher zum Nordpol. PolarNEWS 53

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