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PolarNEWS Magazin - 20 - D

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Serie Vergessene Helden

Serie Vergessene Helden Teil XVI Der Forscher ohne Eigennutz William Speirs Bruce sei ein «Märtyrer der selbstlosen Hingabe zur Forschung» gewesen, schrieb dessen Freund Robert Brown nach Bruces Tod am 28. Oktober 1921 in einem Brief an den Vater des Verstorbenen. Und dass «sein Name auf ewig eingetragen ist in die Liste der grössten Entdecker der Welt». Damit hatte Robert Brown natürlich uneingeschränkt recht. Aber zu diesem Zeitpunkt war William Bruce längst in Vergessenheit geraten – weil für ihn der Dienst an der Wissenschaft wesentlich wichtiger war als persönlicher Ruhm. Die Begeisterung für die Naturkunde entflammte in William schon früh: Sein Vater Samuel, ein bekannter Physiker, nahm ihn als Kind oft mit ins naturhistorische Museum. Als Student der Medizin wechselte William den Wohnsitz und die Universität von London ins schottische Edinburgh, weil er dort in seiner Freizeit William Speirs Bruce, 1867–1921. ozeanologischen Instituten all die Tiere und Pflanzen und Gesteine untersuchen durfte, die Polarforscher von der Challenger- Expedition mitgebracht hatten. Abgesehen davon war Bruce schottischer Abstammung und passionierter Schottland-Patriot. 1892 brach er sogar sein Studium ab, weil er als Naturforscher auf eine Expedition mitgehen durfte: Die mit vier Schiffen bestückte Dundee Whaling Expedition führte ihn zwei Jahre lang in die Gewässer der Antarktis. Bruce forschte ein Jahr lang im Rahmen der Expedition von Frederick Jackson auf Franz-Joseph-Land, wo er 700 zoologische Fundstücke zusammentrug. Es folgten wissenschaftliche Reisen nach Spitzbergen und Novaja Semlja. Im Jahr 1900 meldete sich Robert Falcon Scott bei ihm: Er plante die British National Antarctic Expedition, die erste offizielle britische Antarktis-Fahrt, die später als Discovery-Expedition in die Geschichtsbücher eingehen sollte, und wollte Bruce als Naturkundler mit an Bord. Schliesslich galt Bruce zu dieser Zeit als erfahrenster Polar-Profi Englands. Aber Bruce schlug aus, weil erstens Scotts Expedition in erster Linie eine Entdeckungsfahrt war, keine Forschungsreise. Zweitens plante Bruce eine eigene Reise: die erste offizielle schottische Antarktis-Fahrt. Die kam tatsächlich zustande, wenn auch unter schwierigen Umständen: Scott und Bruce waren jetzt plötzlich Konkurrenten, und Bruces Nationalgefühle für Schottland waren den Herren in London alles andere als genehm. Die Scottish National Antarctic Expedition mit dem zu «Scotia» umgetauften Schiff cruiste von 1902 bis 1904 praktisch zeitgleich mit Scotts «Discovery» in den Gewässern der Antarktis. Und während letzterer neues Land entdeckte, sammelte Expeditionsleiter Bruce mit seinen vielen Wissenschaftlern an Bord auf der anderen Seite der Antarktis so viele Proben wie keine Expedition vor ihm und katalogisierte über 1100 Tierarten, von denen 212 völlig unbekannt waren. Auf Laurie Island errichtete er die Wetterstation Omond House, die heute in argentinischem Besitz als Station Orcadas die am längsten permanent bemannte Station der Antarktis ist. Bruce war der erste, der in der Antarktis filmte. Und die Reise wurde die kosteneffizienteste und am minutiösesten geplante Expedition des Goldenen Zeitalters der Polarforschung. Aber: Die heldenhaften Bilder von Scotts Expedition gingen medienwirksam um die Welt, während Bruce ein Foto mitbrachte, das einen Dudelsack spielenden Mann im Schottenrock neben einem Pinguin zeigte, was ausserhalb Schottlands bestenfalls als kurios durchging. Immerhin: Auch Bruce entdeckte neues Land, an der östlichen Küste des Weddellmeers. Auch wenn Bruce es himmelschreiend ungerecht fand, dass er entgegen der Tradition für seine Leistung nicht mit der Polar Medal der Royal Geographic Society geehrt wurde, ging er in Edinburgh unbeirrt und in aller Stille seiner wissenschaftlichen Arbeit nach. Er errichtete das Scottish Oceanographical Laboratory, das gleichermassen Forschungsinstitut und Proben-Lager war, publizierte Bücher und gehörte zu den Mitbegründern des Zoos von Edinburgh. Bruce führte nie mehr eine Expedition an, reiste aber noch sieben Mal nach Spitzbergen, bevor er am 28. Oktober 1921 einem Krebsleiden erlag. Er hinterliess eine Frau und zwei Kinder. Seine Asche wurde im Antarktischen Ozean verstreut. 1992 erschien der letzte Band von Bruces wissenschaftlichen Büchern zur Scottish National Antarctic Expedition. 2002 reichte der schottische Parlamentarier Michael Russell einen Vorstoss ein mit dem Ziel, Bruce posthum mit der Polar Medal zu ehren. Das Parlament hat bis heute nicht darauf geantwortet. 2003 forschte eine Expedition über den Klimawandel in der Antarktis. Sie stützte sich dabei umfassend auf die von William Speirs Bruce gesammelten Daten. Greta Paulsdottir 66 PolarNEWS

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