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PolarNEWS Magazin - 20 - D

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Geschichte Franklins

Geschichte Franklins Nordwestpassage Im Jahr 1848 verschwand Sir John Franklins Expedition spurlos in der kanadischen Arktis. Jetzt hat man endlich eines seiner Schiffe gefunden. Die Geschichte wird neu aufgerollt. Text: Christian Hug Da strahlte der kanadische Ministerpräsident: «Ich habe eine sehr gute Nachricht für Sie», verkündete Stephen Harper am 9. September 2014 den versammelten Journalisten, «wir haben eines der beiden Franklin-Schiffe gefunden.» Einen Monat später war klar, dass das in 11 Metern Tiefe entdeckte Schiff die «Erebus» ist, das Schiff also, das Expeditionsleiter Sir John Franklin höchstselbst kommandierte. Das Geheimnis um die mysteriöseste und dramatischste Expedition in der Geschichte der Polarforschung könne nun endlich gelüftet werden, sagte Stephen Harper an der Pressekonferenz. Und nebenbei vergass er nicht hinzuzufügen, dass die legendäre Franklin-Expedition «die Grundlage für die staatliche Souveränität Kanadas gelegt» habe. Womit er natürlich meinte, dass die 5780 Kilometer lange Nordwestpassage einzig und alleine Kanada gehört und andere Staaten weder ein Anrecht auf freie Durchfahrt noch auf die dort vermuteten Bodenschätze haben. Doch darüber sollen sich die Politiker streiten. Die Archäologen jedenfalls sind sich einig, dass die Entdeckung der «Erebus» die grösste archäologische Sensation der letzten hundert Jahre ist. Viel spektakulärer als 2010 der Fund des Segelschiffes «Investigator», das 1853 auf der Suche nach Sir John Franklin selber vom Packeis eingeschlossen wurde und sank. Fest steht auch: Seit 2008 hat die kanadische Nationalparkbehörde fünf Expeditionen auf die Suche nach der «Erebus» und Franklins zweitem Schiff, der «Terror», geschickt – um in einem definierten Gebiet, das vier Mal so gross ist wie Deutschland, zwei versunkene Schiffe zu finden. Die mit vier Schiffen ausgestattete sechste staatliche kanadische Suchaktion hatte nun endlich Erfolg. Der riesige Aufwand mehr als 150 Jahre nach dem spektakulären Scheitern von John Franklin zeigt, wie wichtig dessen Expedition bis heute ist – auch weil die politische und wirtschaftliche Situation rund um die Nordwestpassage noch heute sehr angespannt ist. 350 Jahre Suche Die Nordwestpassage ist ein 5780 Kilometer langer Seeweg durch den Insel-Archipel der kanadischen Arktis und somit die kürzeste Schiffsverbindung zwischen Europa und Asien. In frühen Jahrhunderten mussten europäische Fracht- und Handelsschiffe den Kontinent Südamerika am Kap Hoorn umfahren, um nach Asien zu gelangen. Das dauerte selbst für damalige Verhältnisse sehr lange und war ziemlich gefährlich. Seit der Eröffnung des Panamakanals 1914 müssen die Schiffe zwar nicht mehr um ganz Südamerika herumfahren und sparen damit rund 15’000 Kilometer Seeweg. Weitere 2000 Kilometer 78 PolarNEWS

Rubriktitel Der Beweis: Das Wrack der «Erebus» auf dem Meeresgrund in 11 Metern Tiefe. Taucher erkunden die Überreste von Franklins Flaggschiff (unten). Bilder: Parks Canada. PolarNEWS 79

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