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PolarNEWS Magazin - 22 - D

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Eine Pause unterwegs:

Eine Pause unterwegs: Zum Aufwärmen gibts Tee aus der Thermoskanne. Die Kinder bleiben warm eingepackt. print media corporation eichbüelstrasse 27 postfach ch-8618 oetwil am see tel. +41 44 929 62 00 fax +41 44 929 62 10 www.pmcoetwil.ch Geniessen Sie Ihre Polarreise Nutzen Sie unsere Erfahrung und Sicherheit für Ihre zukünftigen Printprojekte. PMC Ihr innovativer Partner für Publikationen im Rollen- und Bogen-Offset. Mit modernster Technologie zeigen wir innovative und wirtschaftliche Lösungen von der Datenaufbereitung bis zum adressierten Versand. 50 PolarNEWS

Oben: «Schlitten fahren über den Himmel», sagen die Nenzen, wenn Polarlichter leuchten. Links: Das Essen ist einfach und nahrhaft. Atyom und Nadia mit ihren Kindern Galina, Nyadwa und Daria. Jedem Schlitten werden zwei weitere Zugtiere angehängt, die wiederum einen Schlitten ziehen. So werden viermal zehn Schlitten mit aller Habe der beiden Familien durch die endlose Tundra gezogen. Zwei Schlitten flankieren die bis zu 2 Kilometer lange Kolonne zusammen mit den Hunden, deren Aufgabe es ist, die Herde bei den Schlitten zu halten. Es bietet sich ein überwältigendes Bild. Am Abend, nach gut 20 Kilometern Fahrt, gleiten die Schlittentrosse in eine genau abgestimmte Position auf den vorgesehenen Lagerplatz. Die Formation erlaubt ein rasches Aufstellen der Tschums. Jeder Handgriff wurde schon tausendfach ausgeführt, und so hocken Atyom und Vasili nach einer guten Stunde wieder gemütlich plaudernd auf ihren Schlitten, während Nadia im Laufschritt durch den tiefen Schnee hin und her stapft, um Felle, Lampen und Pfannen von den Schlitten in den Tschum zu tragen... und das nun schon zum sechsten Mal während meines fast fünf Wochen dauernden Aufenthaltes bei den Nenzen. Hier aber werden sie nun länger bleiben, denn hier gibt es genügend Holz für das wärmende Feuer und zur Herstellung neuer Schlitten, Zeltstangen und anderer Gerätschaften. Nadias Entscheid Für Nadia ist dieser Aufenthalt «im Wald» fast ein bisschen wie Ferien, denn das Reisen von Lager zu Lager ist immer sehr anstrengend, wie sie sagt. Ich zweifle keine einzige Sekunde an dieser Aussage. Der Wald, den sie meint, ist sehr dünn bestockt und nur an mehr oder weniger geschützten Orten wirklich als solcher zu erkennen. Im Norden der Halbinsel, wo Nadia vor 26 Jahren als drittes von sieben Kindern das Licht der Tundra erblickte, gibt es keine Bäume. Dort wird Gebüsch und Treibholz gesammelt, das von den Flüssen aus der Taiga in die Karasee, einen Teil des Arktischen Ozeans, geschwemmt wurde. Nadia genoss wie alle Nomadenkinder eine Schulbildung im Nenzendorf Yar Sale. Sie war eine sehr gute Schülerin und stand vor der Entscheidung, Weiterbildung und ein Leben in der Zivilisation oder ein Leben in der Tundra mit allen Entbehrungen eines solchen Lebens. «Meine Eltern brauchten Hilfe, und ich hatte Heimweh nach der Tundra. Ich entschied mich für die Tundra und die Rentiere. Dieser Entscheid war richtig», sagt sie voll überzeugt. Ihren Mann lernte sie am grossen Fest der Nenzen in Yar Sale kennen: An jedem ersten Aprilwochenende treffen sich die Tundraleute aus nah und fern, um sich an Wettspielen zu ergötzen und Bekanntschaften zu knüpfen. «Die Familienväter waren einverstanden mit einer Partnerschaft zwischen Atyom und mir. Sie sorgten für das Zustandekommen einer Heirat, wie das hier so Tradition ist», erzählt die Nomadenfrau im Tschum auf Rentierfellen sitzend mit einem Lächeln auf dem Gesicht, mitten in der eisigen, unendlichen Weite der Tundra Sibiriens. PolarNEWS 51

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