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PolarNEWS Magazin - 6

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Bricht das Packeis auf und treibt ab, wird dessen Einfluss auf die Wassertemperatur immer geringer. In der Konvergenzzone wechselt die Wassertemperatur schliesslich innerhalb von wenigen hundert Metern markant. Anderseits verstehen Biologen Tierwanderungen besser. Vor allem aber die Klimatologen haben in den letzten Jahren die Forschung über die Meeresströmungen intensiviert, um genauere Prognosen zur Klimaerwärmung zu gewinnen. Was sie herausgefunden haben, ist alles andere als beruhigend: Das Ozonloch, das sich direkt über der Antarktis befindet, und die steigenden Temperaturen auf unserem Planeten bedrohen die Antarktis. Sollte dieses Eis abschmelzen, würde der Meeresspiegel weltweit um 55 bis 72 Meter ansteigen. Das alleine wäre schon verheerend für sämtliches Leben auf dem Land. Viel katastrophaler aber ist ein anderer Prozess: Eis ist gebundenes Süsswasser, also nicht salzhaltig. Sollte das Eis der Antarktis wegschmelzen, vermischt sich das Schmelzwasser mit dem Meerwasser: Als Eis- Schmelzwasser ist es einerseits kalt und schwer, anderseits aber salzfrei und leicht. Es würde sich so lange mit dem salzhaltigen und kalten Wasser des Zirkumpolarstroms vermischen, bis dieser schliesslich nicht mehr salzig und kalt genug wäre, um zu fliessen und grosse Wassermassen zu transportieren. Irgendwann käme der Zirkumpolarstrom zum Stillstand. Und mit ihm das gesamte globale Förderband. Es gäbe in sämtlichen Gewässern der Erde keine Bewegung und keinen Austausch von Temperatur und Salzgehalt mehr. Europa beispielsweise könnte nicht mehr von der Wärmeabgabe des Golfstroms profitieren und würde in ewigen Winter fallen. Zur Beruhigung: Wie lange es tatsächlich dauern würde, bis die thermohaline Zirkulation zum Stillstand käme, bleibt dahingestellt: In Anbetracht des Umstandes, dass eine Umrundung der Erde rund 1000 Jahre dauert, könnte es Hunderte von Jahren dauern... Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, kurz AWI. Mit seinem Forschungseisbrecher «Polarstern» fährt das AWI regelmässig in die Antarktis. Letztes Jahr untersuchten die Forscher unter anderem das Abschmelzen des Eises am westantarktischen Eisschild und verankerten mehrere Strömungs-Messgeräte in der Drake-Passage. Zudem setzten die Wissenschafter sogenannte Driftkörper ins Wasser. Das sind Messsonden, die mittels diffizilen Wasser- Ausgleichs konstant in einer bestimmten Wassertiefe schweben können und so mit dem Strom schwimmen. Die Driftkörper geben Daten an Satelliten ab, die dann von den Spezialisten des AWI ausgewertet werden. Bis heute wissen wir viel über den Zirkumpolarstrom und die thermohaline Zirkulation. Aber im Vergleich zu dem, was wir darüber noch alles nicht wissen, ist es so gut wie nichts. Und die neuen Erkenntnisse werden in Zukunft im besten Sinne des Wortes hohe Wellen schlagen. Und die Arktis? Bleibt am Ende die Frage, warum ausgerechnet die Antarktis das Wetter auf dem Globus bestimmt, während im Norden die Arktis aus klimatologischer Sicht so gut wie keine Rolle spielt. Die Antwort ist schnell gegeben: Das Eis der Arktis ist rundherum ziemlich hermetisch «abgeriegelt» von den Landmassen Kanadas und Russlands, sie gilt als Binnenmeer. Ein Wasser- und Wärmeaustausch zwischen den Ozeanen findet daher nur in sehr begrenztem Ausmass statt. Zudem besteht die Arktis im Gegensatz zur Antarktis nur aus Eis, es fehlt also ein Kontinentalsockel, an dem das Wasser entlang wandern kann. PolarNEWS Intensive Forschung Doch zurück zu den gesicherten Fakten. Um solche bemüht sich in Europa vor allem das Polar NEWS Das deutsche Forschungsschiff «Polarstern» ist während des Internationalen Polarjahres hauptsächlich in Sachen Zirkumpolarstrom unterwegs. 51

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