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ETAPPE 10 L E T O U R 20

ETAPPE 10 L E T O U R 20 19 WOCHE 1 MONTAG, 15. JULI SAINT-FLOUR › ALBI 217,5 KM Frankreich liebt seine Kreisverkehre. Mehr als 30.000 gibt es im ganzen Land. Man sollte also denken, dass französische Fahrer ein gewachsenes Gespür dafür besitzen, den schnellsten Weg durch sie zu finden. Doch Thibaut Pinot von Groupama-FDJ war einer der Verlierer, als die Spitze des Pelotons mit Seitenwind einen großen Kreisverkehr rund 30 Kilometer nördlich von Albi erreichte. Als Ineos den langen – also falschen – Weg um den Kreisel fuhr und einige der Klassementfahrer folgten, hatte das britische Team ausreichend Kraft, diesen Fehler sofort zu korrigieren. Als es zurück an die Spitze kam, schloss es sich direkt mit Deceuninck- Quick-Step zusammen, und während einer französischen TV-Werbepause hatte sich das Peloton in zwei Teile geteilt. Geraint Thomas, Egan Bernal und Julian Alaphilippe hielten das Tempo bewusst hoch, während Richie Porte, Pinot, Jakob Fuglsang und Rigoberto Urán Zeit auf ihre Konkurrenten verloren. Fuglsangs Teamkollege Luis León Sánchez versuchte zwar, die erste Gruppe einzuholen, doch die Lücke wurde nicht geschlossen und wuchs auf 1:40 Minuten an. Wout Van Aert gewann den Sprint dieses Tages, der die Gesamtwertung deutlich veränderte. So torpedierte ein einziger französischer Kreisverkehr die Gewinnchancen des französischen Favoriten Pinot. ETAPPENERGEBNIS 1 Wout Van Aert Jumbo–Visma 4:49:39 2 Elia Viviani Deceuninck–QS gl. Zeit 3 Caleb Ewan Lotto Soudal gl. Zeit GESAMTWERTUNG 1 Julian Alaphilippe Deceuninck–QS 43:27:15 2 Geraint Thomas Team Ineos +1:12 3 Egan Bernal Team Ineos +1:16 BERGWERTUNG 1 Tim Wellens Lotto Soudal 43 2 Thomas De Gendt Lotto Soudal 37 3 Giulio Ciccone Trek-Segafredo 30 82 PROCYCLING | SEPTEMBER 2019

Michael Schär führt die Spitzengruppe auf der zehnten Etappe an. DER PARCOURS W ie Lotto Soudals Belgier Jens Keukeleire sagte, trug die Streckengestaltung zur Qualität des Rennens in diesem Jahr bei. „Nicht so langweilig, oder?“, sagte er lächelnd. „Ich glaube wirklich, das liegt an der Strecke. Wenn du dir die Etappenprofile anschaust, sind da viele Teams und Fahrer, wo du sagst, sie werden heute wahrscheinlich den Etappensieg anpeilen“, sagte er zu Procycling am ersten Ruhetag im Mannschaftshotel in Castres. "Das war wirklich aufregend. Es war meine erfreulichste erste Woche bei der Tour.“ Er verglich es mit früheren Jahren: „Ich erinnere mich, dass man früher zwei oder drei von diesen langen und langweiligen Flach etappen hatte, und in diesem Jahr hatten wir davon nur eine. Außerdem dauerte es im letzten Jahr neun Tage, bis eine echte Bergetappe kam.“ „WENN DU DIR DIE PROFILE ANSCHAUST, SIND DA VIELE TEAMS UND FAHRER, WO DU SAGST, SIE WERDEN HEUTE WAHRSCHEINLICH DEN ETAPPENSIEG ANPEILEN.“ Jens Keukeleire, Lotto Soudal In diesem Jahr kam auf der sechsten Etappe der erste Berg und der sogenannte „Super Planche“-Anstieg, der mit einem Kilometer Schotterpiste oberhalb des Skigebiets von Planche des Belles Filles in den Vogesen endete. Aus verschiedenen Gründen hatte die Etappe keine Auswirkungen auf die Gesamtwertung – anders als in vergangenen Jahren, als ein Fahrer hier das Gelbe Trikot holte und bis nach Paris trug. Eine Ausreißergruppe, die zweite des Rennens, machte den Etappensieg unter sich aus, und ein dritter neuer Fahrer, Giulio Ciccone von Trek-Segafredo, holte das Gelbe Trikot. Als sich der Staub gelegt hatte, hatten 14 Fahrer nicht mehr als 2:02 Minuten Abstand auf ihn. „Wir haben die 15 besten Klassementfahrer gesehen, aber wir haben keinen großen Kampf gesehen“, sagte Keukeleire. „Bevor das Rennen das Zentralmassiv erreichte, hatte das Peloton zwei Tage, wo wir dachten, das könnte ein Sprint sein oder etwas für Alaphilippe. Es ist mir wirk - lich aufgefallen, als wir einen ersten Blick auf den diesjährigen Parcours geworfen hatten, dass es eine schöne erste Woche der Tour würde“, fügte der Belgier hinzu. Arkea-Samsics Tour-Veteran Amaël Moinard sagte, die Fahrer hätten härter arbeiten müssen und seien erschöpfter. „Die Müdigkeit, die sich zu Beginn der Tour ansammelt, bedeutet, dass es am Ende sehr weh tun wird“, warnte der Franzose bei seiner elften Tour. „Es werden Fahrer einbrechen.“ Vielleicht hatte Daryl Impey mit seiner Aussage ja doch recht. © Chris Auld SEPTEMBER 2019 | PROCYCLING 83