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L E T O U R 20 19

L E T O U R 20 19 JOURNAL ETAPPE 13 PAU 19.07.2019 DIE STADT DER ÜBERRASCHUNGEN © Gruber Images er am zweithäufigsten besuchte Ort der Tour, D Pau und seine idyllische Umgebung, waren Schauplatz für viele Momente der Renngeschichte. Einige davon sind berüchtigt. An einem Ruhetag, an dem David Millar im Jahr 2007 im Mittelpunkt der Saunier-Duval-Pressekonferenz im Palais Beaumont stand, lief ein Raunen durch den Raum: Alexander Winokurow war aus dem Rennen wegen Blutdopings ausgeschlossen worden. Der Raum begann sich daraufhin zu leeren. Seitdem hat Pau ein paar ruhige Jahre hinter sich. Eine Reihe von Etappenstarts, ein paar Sprints, zwei Ausreißer-Siege für Pierrick Fédrigo – solche Sachen eben. In diesem Jahr, gegen Ende eines heißen Freitags auf dem Place de Verdun, brummte es wieder in Pau. „Das war eine heiße Angelegenheit“,sagte Richie Porte. Er war mit seinen Bemühungen zufrieden, stellte aber fest, dass noch größere Namen folgen würden. „Nach der Streckenbesichtigung heute Morgen ist die Temperatur extrem gestiegen“, fügte Dan Martin hinzu. Der Schweiß lief ihm in Strömen herab. „Ich habe mein Bestes gegeben, und mehr ist einfach nicht möglich.“ Der vorletzte Fahrer war Geraint Thomas. Als er einen sicheren Ort gefunden hatte, um sich vom Verkehr fernzuhalten, und die Medien sich beruhigt hatten, sagte er: „Ich war ein wenig überhitzt, aber ich habe versucht, damit klarzukommen. Als ich wirklich Gas geben wollte, hatte ich das Gefühl, dass ich diese fünf Prozent nicht hatte.“ Die Ankunft von Julian Alaphilippe im Ziel war wahrzunehmen, bevor er zu sehen war. Während Thomas sprach, wurde von den Zuschauern an der Rue Mulot, der steilen kleinen Straße, die zum Platz führte, gegen die Plakate gehämmert, während sie nicht mehr als einen gelben Blitz sahen. Er kam nach 35 Minuten ins Ziel und lag 14 Sekunden vor Thomas. Thomas bekam die Nachricht und schüttelte sich. „Das habe ich wirklich nicht erwartet“, sagte er. „So wie er fährt, wenn er das durchhält, wird er gewinnen.“ Eine solche Steigerung ist im modernen Rennsport ungewöhnlich, und in der Folgezeit bekam Alaphilippe den ersten Vorgeschmack auf Fragen, die seine Glaubwürdigkeit anzweifelten. „Ich hätte nie gedacht, dass ich ein Zeitfahren mit dem Gelben Trikot beenden würde und dass ich in die Berge dieser Tour mit dem Gelben Trikot starten würde. Ich bin nicht hier, um auf Verdachtsmomente zu antworten, ich weiß, welche Arbeit ich geleistet habe, um hier zu sein“, antwortete er. Von der Balustrade des Palais aus ragten die hellblauen Pyrenäen am Horizont hervor und versprachen eine weitere Herausforderung für Alaphilippes neu entdeckte Fähigkeiten. Was konnte er nach diesem Zeitfahren nun am Tourmalet erreichen? 88 PROCYCLING | SEPTEMBER 2019

SEPTEMBER 2019 | PROCYCLING 89