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Procycling 01.19

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DAS LETZTE WORT JENS

DAS LETZTE WORT JENS VOIGT Die Saison 2018 ist vorbei, und Jens blickt auf seine Highlights des Jahres zurück. © Getty Images Wieder ist eine Saison im Straßenradsport zu Ende gegangen, daher ist es Zeit, auf das ganze Jahr zurückzublicken. Bei den Frühjahrsklassikern haben wir ein packendes Finale bei Mailand–San Remo erlebt, in dem ein brillanter Vincenzo Nibali den Sprinter-Teams die Show stahl und in großer Manier gewann. Bei Paris– Roubaix war es der stärkste individuelle Fahrer, der das Rennen gewann, nicht das stärkste Team. Wir rechneten alle mit einem weiteren Sieg von Quick-Step, aber stattdessen lief bei Peter Sagan nach jahrelangen Versuchen alles richtig. Wir haben Action bei den Ardennenklassikern gesehen, wobei sowohl Amstel als auch Lüttich mit couragierten Angriffen gewonnen wurden, statt auf der Zielgeraden entschieden zu werden. Und natürlich erinnern wir uns alle an Chris Froomes heroischen und epischen Kampf, als er mit seinem 80-Kilometer-Solo die Gesamtwertung des Giro d’Italia auf den Kopf stellte. Das war – für mich – der spannendste und aufregendste Moment des Jahres. Er setzte dort wirklich alles auf eine Karte und traf eine taktisch riskante Entscheidung. Aber wie sagt man so schön: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und das hat er getan. Hier kommt mein kleiner Moment des Stolzes. Seit Jahren sage ich, dass kein Giro-Sieger im selben Jahr die Tour gewinnen wird, und meine Theorie hatte ein weiteres Jahr Bestand, da Geraint Thomas in Paris gewann. Ich hätte mich für keinen Fahrer mehr gefreut als für ihn. Ich kenne ihn seit vielen Jahren, und außer, dass er ein großartiger Rennfahrer ist, ist er einfach ein guter Mann und ein wirklich bescheidener Mensch. Wir alle erinnern uns an seine Freudentränen, als er gewann und seine Frau ihn kurz vor dem Ende überraschte. Er hat jahrelang als Teamhelfer geackert, Loyalität gezeigt und Froome geholfen, die Tour zu gewinnen. Er ist das beste Beispiel für Karma. Guten Leuten passieren gute Dinge. Unter emotionalen Gesichtspunkten war das mein Highlight des Jahres – ein kleines Märchen. Das zweite Bemerkenswerte an der Tour war der Massenexodus der Sprinter. Kein großer Sprinter überlebte außer Sagan, der nach einem Sturz in den Bergen in Paris nicht mit um den Sieg kämpfen konnte. Es war ein Sprint der Überlebenden dort, zwischen den Fahrern, die in der ersten Woche nicht gewinnen konnten. Aber so ist das im Radsport. Es ist nicht immer der Stärkste oder Schnellste, der gewinnt. Mut, Leidensfähigkeit und Ausdauer „WENN ICH MIR FÜR NÄCHSTES JAHR ETWAS WÜNSCHEN KÖNNTE, DANN, DASS MITCHEL­ TON-SCOTT DEN GIRO VERGISST UND BEIDE YATES-ZWILLINGE IN DIE TOUR SCHICKT.“ spielen eine große Rolle in unserem Sport, und diese Fahrer haben sich bis zum Ende durchgekämpft. Die Vuelta a España hatte schließlich ein Happy End für die Yates-Familie, nachdem Simon den Giro-Sieg verpasst hatte. Das ganze Team fuhr fantastisch. In Spanien ließ auch die hervorragende Form von Valverde erahnen, wer der Favorit für die Weltmeisterschaft war. Alejandro hat nicht enttäuscht und sich als echter Champion erwiesen. Er präsentierte sein nagelneues Weltmeistertrikot bei den italienischen Klassikern und fuhr gut, konnte aber Thibaut Pinot nicht stoppen, der bei der Lombardei-Rundfahrt seinen bisher größten Sieg feierte. Wenn ich mir für nächstes Jahr etwas wünschen könnte, dann, dass Froomes Soloflucht beim Giro, die zum Gesamtsieg führte, war Jens’ Saison-Highlight. Mitchelton-Scott den Giro vergisst und beide Yates-Zwillinge plus Esteban Chavez frisch, vorbereitet und hungrig in die Tour schickt. Sie würden in den Bergen für Chaos sorgen und das Rennen aufmischen. Und dieses Spektakel würden wir doch alle gerne sehen, oder?! Jens Voigt beendete seine Profi - karriere 2014 nach 18 Jahren. Der Berliner war einer der angriffslustigsten und beliebtesten Fahrer im Peloton. Unter anderem hielt er für 42 Tage den Stundenweltrekord. 98 PROCYCLING | JANUAR 2019

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