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Procycling 02.19

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Bei der Tour 2018 litt

Bei der Tour 2018 litt Cavendish in den Alpen, doch er weigerte sich auszusteigen und fuhr die Etappe zu Ende. Cavendish war körperlich nicht in Form bei Tir-­ reno–Adriatico und fiel bei Mailand–San Remo an der Cipressa zurück. Da wusste er, dass etwas nicht stimmte, und eine Blutuntersuchung bestätigte, dass er Epstein-Barr hatte. Er war rechtzeitig zur Tour wieder fit, stieß aber zu Beginn des Rennens mit Sagan zusammen, brach sich die Schulter und kam dann bis Ende der Saison nicht mehr richtig in Tritt. „Die letzten zwei Jahre waren für die Katz“, erinnert er sich. „Das Schlimmste, was man bei Epstein-Barr machen kann, ist, sich körperlich anzustrengen. Das Einzige, was hilft, ist Ruhe. Ich habe mich selbst fertiggemacht und angetrieben. Es sieht jetzt aus, als hätte ich kein akutes Epstein-Barr mehr, aber bei anderen Symptomen dauert es länger, bis sie abklingen; es muss gemanagt werden, und das ist das Schwerste. Ich hatte es als Kind, und es ist nicht ungewöhnlich, dass es bei Ausdauerathleten wieder ausbricht, wenn du an deine Grenzen gehst. Er ist ein Feigling, Epstein-Barr – er fällt dich nur an, wenn du schwach bist, nie, wenn du stark bist“, fährt er fort. „DAS SCHLIMMSTE, WAS MAN BEI EPSTEIN-BARR MACHEN KANN, IST, SICH KÖRPERLICH ANZU STRENGEN. DAS EINZIGE, WAS HILFT, IST RUHE. ICH HABE MICH SELBST FERTIGGEMACHT UND MICH ANGETRIEBEN.“ „Vor 2016 sagte Rolf Aldag [Performance-Direktor bei Dimension Data] zu mir: Das alles zu machen, wird dich ruinieren. Ich sagte: Scheiß drauf. Weltmeisterschaften auf der Straße und auf der Bahn. Niemand hat das im selben Jahr geschafft. Nicht mal Eddy Merckx hat das geschafft. Nicht viele Leute verstehen, wie unterschiedlich Stra­ © Yuzuru Sunada (Zeitleiste), Chris Auld 2015 Etappensiege: 1 Ein weiteres Jahr, ein weiterer dominanter Deutscher. Dieses Mal ist Greipel der Beste der Tour und holt vier Siege. Cavendish gewinnt einmal, in Fougères am Ende der ersten Woche. 2016 Etappensiege: 4 Cavendish meldet sich stark zurück, gewinnt die 1. Etappe und streift sich zum ersten Mal das Gelbe Trikot über, bevor er weitere drei Etappen vor den Alpen gewinnt. Steigt aus, um sich auf Olympia vorzubereiten. 2017 Etappensiege: 0 Mit Trainingsrückstand wegen Epstein-Barr hofft Cavendish, sich während der Tour in Form zu fahren. Aber er ist auf der 4. Etappe in Vittel in eine Kollision mit Peter Sagan verwickelt und aus dem Rennen. 2018 Etappensiege: 0 Cavendish ist nach einem weiteren von Epstein-Barr beeinträchtigten Frühjahr nicht in Bestform. Sein bester Platz ist ein achter auf der 8. Etappe, bevor er wie viele Sprin - ter in den Alpen eliminiert wird. 36 PROCYCLING | FEBRUAR 2019

MARK CAVENDISH ßen- und Bahnradsport sind. Zweieinhalb Wochen vor Olympia fuhr ich den Mont Ventoux hoch. Ich habe Glück – ich kann mich umstellen, aber es verlangt dem Körper viel ab. Ich habe doppelte Sessions auf der Bahn gemacht – die anderen Jungs haben sich zwischen den Sessions erholt, aber ich bin zwischendurch drei Stunden draußen locker Rad gefahren, dann war ich wieder drin und wir sind sofort in die hohen Intensitäten gegangen. Als ich es bekam, sagte meine Frau zu mir: ‚Wenn jemand dir gesagt hätte, dass du schaffen würdest, was du 2016 geschafft hast, aber krank werden und eine ganze Saison verlieren würdest, hättest du es dann gemacht?‘ Und ich sagte: Weißt du was? Wahrscheinlich schon.“ Cavendish hält inne und fügt dann hinzu: „Aber zwei Jahre verlieren und vielleicht mein Vermächtnis? Wahrscheinlich nicht.“ Mein Eindruck, als ich mir die Tour 2018 anschaute, war, dass sich bei Cavendish etwas geändert hatte. Nicht nur das Sprinten, obwohl klar war, dass er nicht annähernd das Niveau von Fernando Gaviria, Dylan Groenewegen und den anderen Sprintern hatte. In seinen täglichen Interviews mit ITV war er meistens komplett gleichgültig angesichts der Niederlage. Er war mehr als gedämpft – es sah aus, als sei das Feuer erloschen. Cavendish war von 2008 bis 2012 der beste Sprinter der Welt und erneut 2016. Es ist sehr plausibel zu argumentieren, dass er der beste Sprinter aller Zeiten ist. Er war aus einer Reihe von Gründen besser als die anderen – sein Tempo und die Fähigkeit, es zu halten, die einmalige Aerodynamik und die Teamleistung waren Weltspitze oder nicht weit davon entfernt. Doch seine wichtigsten Waffen waren seine Hingabe und sein Wettbewerbstrieb. Das zeichnete ihn in der Vergangenheit wirklich aus. Ohne sie, dachte ich, bekommt man den Cavendish der Tour 2018 – vorne mit dabei, aber unfähig, der allerletzten Schlussbeschleunigung der jüngeren, frischeren Beine etwas entgegenzusetzen. „Nein“, meint Cavendish, als ich ihm das sage. „Ich wusste, dass etwas nicht stimmte. Es war nicht so, dass ich einen Fehler gemacht hätte. Ich war bei dem Interview nach einer der Etappen ein bisschen stinkig, nach Groenewegens erstem Sieg, wo mir das Pedal von Kristoff in die Quere gekommen ist und ich es verbockt habe. Aber da konnte ich nichts machen.“ Ich erwähne auch, dass der Cavendish von 2008 oder 2009 nach solchen Niederlagen Feuer gespien und Helme geworfen hätte, doch auch das sieht er anders. „Das ist, weil ich damals – außer wenn ich einen Fehler gemacht habe – nie verloren habe. Damals habe ich nur verloren, wenn ich einen Fehler gemacht habe. Nie, weil ich nicht gut genug war.“ Cavendish kann ein sehr plausibles Argument vorbringen. Seine Siegesquote bei der Tour von 2013 bis 2018 ist nicht ganz das, was sie von 2008 bis 2012 war, aber dafür gibt es gute Gründe. Er holte in der ersten Hälfte seiner Karriere im Schnitt über vier im Jahr, und als er das Team Sky Ende 2012 mit 27 Jahren verließ, hatte er 23 Etappensiege zu Buche stehen. Zu dem Zeitpunkt schienen 34 eine reine Formalität zu sein. Aber dann wurde es schwerer. 2013 kam er nur auf zwei Etappensiege, nachdem er auf einen Marcel Kittel in Bestform getroffen war, und im folgenden Jahr war Kittel ebenso dominant, doch Cavendish hatte keine Chance, ihn herauszufordern, weil er auf der 1. Etappe in Harrogate nach einem Sturz ausschied. 2015 war enttäuschend – er gewann eine Etappe, während Greipel vier abräumte. Im folgenden Jahr nahm er die Tour das letzte Mal gesund in Angriff und gewann viermal. Null bei den letzten beiden Rennen ist eine besorg-­ nis erregende Zahl, doch Cavendish glaubt, dass noch etwas drin ist. Und wenn er noch eine Etappe gewinnen kann, kann er auch zwei gewinnen … „Das ist alles, was mir bleibt“, sagt er. „Ich hatte andere Ziele, aber die Rennen haben sich geändert. Gent–Wevelgem ist nicht mehr das Rennen, das Cipollini gewann. Es ist nicht mal ein bisschen anders – es ist ein anderes Rennen. Ich habe keine Anzahl von Tour-Etappen, die ich gewinnen will. Wenn ich nur gut genug bin, um noch eine weitere zu gewinnen, ist es halt so. Wenn ich in den nächsten fünf Jahren fünf im Jahr gewinnen kann, versuche ich das. Ich werde sehen, was passiert, aber ohne Frage ist meine ganze Saison auf die Tour ausgerichtet.“ Cavendishs Rivalen bei seinem Streben nach weiteren Tour-Etappensiegen sind offensichtlich. Viviani war der erfolgreichste Sprinter 2018, obwohl Cavendish betont, dass er den Italiener auf einer Etappe der Dubai Tour zu Beginn des Jahres schlug. Dann kommen Gaviria und Groenewegen, die Besten der Tour 2018; auch ein gut aufgelegter Kittel ist eine Gefahr (obwohl er seit über einem Jahr nicht gut aufgelegt war). Das ist eine starke Besetzung, und die Aufgabe FEBRUAR 2019 | PROCYCLING 37