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Procycling 02.19

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DAS WETTRÜSTEN DER

DAS WETTRÜSTEN DER SPRINTER MARK CAVENDISH Siege: 146 Dimension Data Der dominanteste Sprinter seiner Generation mit 30 Tour-Etappensiegen, einem Sieg bei Mailand–San Remo und einem Weltmeistertitel auf der Straße. ELIA VIVIANI Siege: 67 Deceuninck–Quick-Step Floors Der Italiener fährt auf Bahn und Straße, holte Gold im Omnium bei den Olympischen Spielen in Rio und gewann 2018 sieben Etappen bei großen Rundfahrten. SAM BENNETT Siege: 29 Bora–hansgrohe Der Ire war 2018 erstmals bei einer großen Rundfahrt erfolgreich und gewann drei Giro-Etappen. MARCEL KITTEL Siege: 88 Katusha-Alpecin Als Neuprofi sorgte er 2011 mit 17 Siegen für Aufsehen. Er hat 14 Tour-Etappen gewonnen, dazu vier Etappen beim Giro und eine bei der Vuelta. EINSATZ FÜR DIE SACHE STEELS: Wenn wir aus dem Bus steigen, haben wir zu 80 Prozent einen Plan, wie wir an das Finale herangehen. Wenn wir einen Sprinter an Bord haben, kontrollieren wir immer das Rennen, und das gibt den Fahrern einen psychologischen Vorteil. Es ist gut für diese Generation – sie wollen, dass wir das Rennen kontrollieren, daher ist es kein zusätzlicher Druck. Sie sagen einfach: Okay, lass es uns versuchen. CAVENDISH: Bei Highroad war es mehr als ein Job. Es war eine Gruppe von Fahrern. Wir trainierten zwar nicht zusammen, wir trainierten nie den Sprintzug, aber wir standen füreinander ein. Jeder fühlte sich als ein Teil des Sieges. Und du hattest niemanden, der versuchte, in die Top 20 zu kommen und sich zu schonen. In diesem Jahr, 2019, wird unser Team nach Persönlichkeit und Talent zusammengestellt. GREIPEL: Das Team hat mir immer mit einem perfekten Sprintzug geholfen, und deswegen war ich ziemlich erfolgreich. Wenn etwas schief ging, haben wir an­ schließend das Rennen analysiert. Als Sprintzug haben wir versucht, uns aufeinander einzustellen, weil wir zusammen gewinnen und zusammen verlieren. BENNETT: Das Wichtigste ist, dass du bei einem Rennen dieselben Leute vor dir hast. Mein letzter Mann lernt, was ich brauche, und ich weiß schon, was er denkt – aber er muss dieselbe Beziehung zu dem Mann vor ihm haben. Das sind Entscheidungen in Sekundenbruchteilen, und du musst die anderen sehr gut kennen. VIVIANI: Wenn du in die Saison startest, willst du, dass die letzten zwei Fahrer im Sprintzug immer dieselben sind, denn das Gefühl in diesem Augenblick des Rennens ist wirklich entscheidend. Du musst alles über den Sprinter wissen, und je mehr Rennen sie mit dir fahren, umso besser. Ein starker Zusammenhalt im Team zahlt sich aus, soll der Sprintzug funktionieren. ANDRÉ GREIPEL Siege: 155 Arkea-Samsic Mit seinem muskulösen Körperbau als „Gorilla“ bekannt, ist Greipel einer der beständigsten Sprinter seiner Zeit. Er gewann elf Tour-Etappen, sieben beim Giro und vier bei der Vuelta. TOM STEELS Tour-Etappensiege: 9 Deceuninck–Quick-Step Floors © Getty Images, Yuzuru Sunada (Steels) Der erfolgreiche Sprinter und Klassiker-Jäger aus Belgien arbeitet seit dem Ende seiner Karriere als Sportlicher Leiter bei Quick-Step. SEBASTIAN WEBER Sportwissenschaftler Der frühere HTC-Trainer arbeitete bei Lotto mit André Greipel. Derzeit berät er Sportler aus unterschiedlichen Disziplinen. 52 PROCYCLING | FEBRUAR 2019

DAS WETTRÜSTEN DER SPRINTER In dem Maße, wie sich die Rennen geändert haben, hat sich auch das Training für die Sprints entwickelt. FEINSCHLIFF FÜR TRAINING UND PRAXIS SEBASTIAN WEBER: Sprinter sind spezialisiertere Sprinter geworden und haben etwas von ihrer Ausdauer geopfert. Zum Beispiel haben Andrés Wattzahlen in den letzten zehn Jahren um 15 Prozent zugenommen – so viel brauchst du, um mitzuhalten. Als er zu Lotto kam, haben wir zwei Gruppen aufgemacht, die bei Trainingslagern gegeneinander fuhren. Eine war der Sprintzug und die andere war dazu da, ihre Taktik durcheinanderzubringen und dazwischenzufunken. Die Maßgabe war: Je weniger Energie André bis zu diesem Punkt aufwendet, umso besser. Es war ein extrem gutes Training. KITTEL: Ich glaube, ein Fahrer muss generell im Laufe der Jahre herausfinden, was gut für ihn ist. Ich habe immer spezielles Sprinttraining gemacht, aber keine hoch geheimen Sachen. Ich habe einfach Sprints in meine Fahrten eingebaut, bin ins Fitnessstudio gegangen … Am Ende geht es einfach darum, in Bestform zu sein, sodass du deine Kraft und Power zeigen kannst. Ich habe die Trainer gewechselt und verschiedene Trai­ ningsmethoden ausprobiert, aber das Ergebnis ist immer dasselbe. Wenn ich gut trainiere, gut schlafe und gut esse, bin ich sehr schnell. BENNETT: Sprinter müssen heutzutage einen viel größeren Motor haben. So viele Sprinter können auch klettern, daher musst du nicht nur den Sprint lesen können und schnell und clever, sondern auch wirklich stark sein. VIVIANI: Ich baue immer die Bahn in meine Vorbereitung ein – es ist kurz, aber es ist sehr effektive Arbeit. Ich mache viele stehende Starts. Es ist leichter, Motorpacing ohne einen supergroßen Gang zu machen. Du fährst 100, 110 Umdrehungen, machst dann alle fünf Minuten einen guten Sprint, gehst in einer Runde von 100 Umdrehungen wirklich voll auf 130, dann wieder zurück zum Motorpacing. Es ist wie ein richtiges Motorpacing auf der Straße, aber … Der starre Gang ist die Hauptsache, denn wenn du 100 Umdrehungen fährst, fährst du eine Stunde lang 100 Umdrehungen, du kannst nicht von 50, 60, 80 auf 100 wechseln; du fährst mit dieser Geschwin digkeit und diesen Umdrehungen. Wenn ich auf der Straße auf den letzten Kilometer komme, muss ich alles in einem Moment analysieren: Wer fährt vor mir den Sprint an, bin ich in einer guten Position; die Kurve, die gleich kommt; von wo der Wind weht; ob ein Sprinter von hinten kommt, den ich als Anfahrer benutzen könnte. Diese Dinge musst du in zwei Sekunden analysieren und reagieren. Die Bahn hat mir mental dabei geholfen, immer bereit zu sein, die Entscheidung im richtigen Moment zu treffen. DIE BAHN HAT MIR MENTAL DABEI GEHOLFEN, BEREIT ZU SEIN, DIE ENTSCHEIDUNG IM RICHTIGEN MOMENT ZU TREFFEN. ELIA VIVIANI © Getty Images FEBRUAR 2019 | PROCYCLING 53