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Procycling 03.19

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© Getty Images Ein Jahrzehnt später zögert Nibali, sich dem Gesellschaftsspiel hinzugeben. „Es gab Kontakte mit Sky, aber wir haben uns nicht geeinigt. Viele Fahrer sind zu Sky gegangen und haben sich nicht entfaltet, andere schon“, sagt er, und zumindest bei Astana habe er Sky nie um ihre Ressourcen beneidet. „Wir waren nicht unterlegen. Astana war eines der stärksten Teams von allen, mit mir, Landa, Fuglsang, Westra – alles Fahrer auf Topniveau“, sagt Nibali und grinst: „Wenn wir nicht Real Madrid waren, dann waren wir Barcelona.“ Nibali ist in der Tat der einzige Fahrer, der die Serie von Toursiegen von Sky unterbrochen hat. Sein Triumph 2014, wo er von der ersten Woche an unablässigen Druck ausübte, schien eine Blaupause zu sein, wie man Sky in Verlegenheit bringt, obwohl er die Idee achselzuckend abtut. „Es gibt kein Geheimnis“, sagt er. „Es hängt alles davon ab, wie sich das Rennen entwickelt und wie du dich selbst managst.“ Mit drei Monumenten und vier großen Rundfahrten in seinem Palmarès ist es schwer zu sagen, ob Nibali mehr gewonnen hätte, wenn er 2010 bei Sky unterschrieben hätte, aber man kann wohl annehmen, dass er auf andere Weise gewonnen hätte. Als Bronzemedaillengewinner beim WM-Zeitfahren der Junioren und U23 hätte Nibali sich in dem britischen Team vielleicht mehr auf seine Qualitäten als Rouleur konzen triert. „Vielleicht, aber es ist schwer, Teams zu vergleichen“, sagt Nibali. „Ich habe Sky nur von außen gesehen, aber Fassa Bortolo, Liquigas, Astana und Bahrain-Merida sind alle große Teams, Beim Giro 2016 gab Nibali nie auf; am Ende wurde er mit dem Sieg belohnt. die mich geprägt haben. Es mag sein, dass einige Teams sich auf bestimmte Sachen konzentrieren, aber es gab nie einen großen Unterschied. Vielleicht gibt es ein perfektes Team, aber ich glaube nicht daran, dass Perfektion irgendwo existiert.“ Im letzten Jahr gewann Sky seinen ersten Giro d’Italia mit einem Husarenritt, der direkt aus Nibalis Dreh buch hätte entlehnt sein können. Chris Froome lieferte eine passable Imitation des Klassikers des Sizilianers von 2016 ab, als er zwei Tage vor Ende des Rennens eine 80-Kilometer- 16 PROCYCLING | MÄRZ 2019

VINCENZO NIBALI Solo flucht über den Colle delle Finestre nach Bardo necchia hinlegte, nachdem er im Rennen bis dahin hinterhergefahren war. „Froome hat eine wirklich große Attacke abgeliefert“, würdigt Nibali diese Leistung. „Vielleicht war er schon öfter fähig, so etwas zu machen, ohne das zu realisieren. Er ist normalerweise konservativer, aber er versteht es auch, solche Attacken zu fahren.“ Nachahmung ist vielleicht die ehrlichste Form des Schmeichelns, aber Nibalis Beziehung zu Froome ist distanziert, seit sie bei der Tour 2015 öffentlich aneinandergerieten. Obwohl es seitdem keine nennenswerten Misstöne mehr zwischen ihnen gegeben hat, gibt es auch keine wahrnehmbare Wärme zwischen ihnen, und Nibali gehörte zu denen, die Froome in der letzten Saison kritisierten, weil er Rennen fuhr, während sein Salbutamol-Fall in der Schwebe hing. Nibali hat gegen andere Rivalen gekämpft, etwa gegen Tom Dumoulin beim Giro 2017, als Letzterer Nibalis Taktik herabwürdigte und der Sizilianer über Dumoulins Arroganz schimpfte, aber diese Feindseligkeit verschwand schnell. „Wenn du Dumoulin kennenlernst, ist er ein wirklich netter Kerl“, sagt Nibali. Sein Verhältnis zu Froome hingegen ist ein streng berufliches, wenn nicht gegnerisches. „Bei Froome ist es anders. Vielleicht ist es die Tatsache, dass wir uns immer als Rivalen gesehen haben“, sagt Nibali. „Aber es gibt Respekt.“ Einen Tag vor seiner Audienz mit Procycling gab Nibali bei der Teampräsentation von Bahrain-Merida seine Absicht bekannt, 2019 sowohl den Giro als auch die Tour zu fahren. Es ist wohl kein Zufall, dass sein erster konzertierter Versuch, das Giro-Tour-Double zu schaffen, kommt, nachdem Froome und Dumoulin im gleichen Jahr näher dran waren, beide Rennen zu gewinnen, als jeder andere seit Pantani 1998 – obwohl Coach Paolo Slongo versichert, dass das Projekt sowieso irgendwann zu erwarten war. „Wir schauen uns natürlich die anderen an, aber wir haben uns nicht von ihnen inspirieren lassen“, sagt Slongo. Nibali ist den Giro und die Tour bisher zweimal in einem Jahr gefahren, aber beide Male liegen in der Zeit und im Kontext zu weit auseinander, um echte Anhaltspunkte für 2019 zu liefern. Das erste Mal war vor über einem Jahrzehnt, 2008, als er als Fahrer noch zu sich selbst fand und Elfter beim Giro und 20. der Tour wurde. 2016 fuhr er in Frankreich nur, um sich auf Olympia in Rio vorzubereiten. Slongo betont, dass dieser Versuch jetzt kommt, weil Nibali mit 34 „ein hohes Niveau an körperlicher Reife erreicht hat“. Aber der Fahrer selbst sagt, dass hinter seinem Programm für 2019 auch ein Kompromiss zwischen seinen eigenen Vorlieben und den Ansprüchen seiner Arbeitgeber steckt. „Es kam zustande durch meinen Wunsch, wieder beim Giro zu starten“, erklärt er. „ICH HABE IMMER VERSUCHT, DIE BESTIMMUNG VON RENNEN ZU VERÄNDERN, ABER ES IST NICHT LEICHT. OFT BIN ICH AUF EIN SCHLACHTSCHIFF WIE SKY GESTOSSEN, UND DAS TEAM HAT SICH BEI DER TOUR IMMER ALS SEHR STARK ERWIESEN.“ „Dann haben wir die Tour hinzugenommen, teils, weil das Team es sich wünschte.“ Man hat das Gefühl, dass Nibali, wäre er sich selbst überlassen, dem Giro den Vorzug geben würde, ein Rennen, das ihn oft zu bestrafen scheint. Als wir ihm sagen, dass für ihn der Giro Spaß und die Tour Arbeit ist, stößt er Luft aus. „Der Giro ist das fast am schwersten zu gewinnende Rennen, weil das Wetter in den Bergen immer noch ziemlich kalt ist – dein Körper muss sich an den Temperaturwechsel gewöhnen“, sagt Nibali. „Die Tour ist schwer, weil du immer konzentriert bleiben musst. Immer. Du musst sehr aufpassen, weil es so viele Stürze gibt.“ Anfang November erinnerte ihn der Besuch einer Polizeiwache an der italienisch-französischen Grenze in Modane an eine andere offene Rechnung auf den Straßen von Frankreich. Nibali ging dorthin, um eine Aussage zu machen im Rahmen einer Anzeige, die er und sein Team gegen die A.S.O. erstattet hatten, nachdem er in Alpe d’Huez gestürzt war und sich den T10-Wirbel gebrochen hatte. „Es wird ein langes Verfahren, aber es ist wichtig, und nicht, weil ich wütend auf die Tour oder den Fan wäre, der mich zu Fall gebracht hat“, sagt Nibali. „Wir Fahrer brauchen einfach mehr Sicherheit. In einem solchen Anstieg kann es nicht sein, dass die Leute die Möglichkeit haben, den Fahrern einen Schubs oder Schlag zu verpassen, wenn sie vorbeifahren. Es geht auch darum, die Investition zu schützen, die ein großes Team tätigt.“ Im Gespräch mit den Gendarmen schauen sich Nibalis Anwälte jedes einzelne Bild so kritisch an, als wäre es der Zapruder-Film. Nibali war selbst überrascht, wie stark er auf den Aufnahmen von der Alpe wirkte. Am Tag zuvor in La Rosière war er in der Sky-Strömung untergegangen, aber eine Woge der Unterstützung an der Alpe gab ihm 2013 Giro d’Italia Alle Augen sind auf Wiggins gerichtet, aber Nibali zerstört die Moral und die Chancen des Briten mit frühen Angriffen. Gewinnt drei Etappen und die Gesamtwertung mit 4:43 Minuten vor Urán. 2014 Tour de France Ein Sieg auf der 2. Etappe gibt die Richtung vor. Froome und Contador stürzen und sind aus dem Rennen, während Nibali in den Bergen dominiert und drei Etappen plus das Gelbe Trikot gewinnt. 2015 Lombardei-Rundfahrt Nibali schwächelt bei der Tour und wird Vierter, bevor er bei der Vuelta disqualifiziert wird. Rettet seine Saison mit einem Solosieg bei der Lombardei-Rundfahrt. 2016 Giro d’Italia Nibalis größter Sieg überhaupt? Geht mit 4:43 auf Spitzenreiter Kruijswijk in die letzten drei Etappen, aber nimmt den Holländer an zwei Tagen auseinander und triumphiert mit 52 Sekunden. © Getty Images (Zeitleiste) MÄRZ 2019 | PROCYCLING 17