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Procycling 03.19

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DIE GESCHICHTEN DES

DIE GESCHICHTEN DES JAHRES 2019 DA SSELBE, ABER ANDERS EXPERTENMEINUNG SAM DANSIE Stellv. Chefred. Procycling Die Sprints werden faszinierend sein Das Sprinten war früher eine feudale Angelegenheit – es war zwei oder drei Teams vorbehalten, die einen der besten Fahrer und die besten Helfer an sich gerissen hatten. Jetzt gehören die Sprints allen, und die Topsprinter sind 2019 auf mindestens sieben Teams verteilt. Und so werden wir dieses Jahr chaotischere Finals ohne klare Favoriten erleben. Sky wird auf Froome setzen Geraint Thomas ist Titelverteidiger der Tour, und er und Chris Froome werden gleichberechtigt ins Rennen gehen. Aber Froome hat die bessere Bilanz, und die Aussicht, im letzten Jahr des Sponsorings durch Sky mit einem fünffachen Sieger Geschichte zu schreiben, wird für das Management unwiderstehlich sein. Quick-Step wird die meisten Rennen gewinnen – wieder einmal Das Team hat Fernando Gaviria, Niki Terpstra und Jhonatan Narvaez verloren, aber der Doctor Who des Pelotons wird die neue Gruppe von Überfliegern ins Spiel bringen: Fabio Jakobsen und Rémi Cavagna gehören zu ihnen. Van der Poel vs. Van Aert Wout Van Aert geht zum 1. März zu Jumbo- Visma und Mathieu van der Poel hat bei Corendon Circus ein strammes Frühjahrsprogramm. Das hat zu Spekula tionen ge - führt, dass sie bei großen Klassikern ein Wörtchen mitreden könnten. Aber langweilige Gründe wie stärkere Rivalen und die nötige Eingewöhnungszeit legen nahe, dass sie noch zwei Jahre brauchen, um konkurrenzfähig zu sein. Eine neue Saison, und schon wieder eine Änderung am „Ligasystem“ des Straßenradsports durch die UCI. Obwohl 2019 fast alles beim Alten bleibt, hat der Weltverband die schrittweise Einführung einer neuen Struktur für den Radsport in den nächsten zwei Jahren angekündigt. Von 2020 an werden WorldTour-Teams als WorldTeams bezeichnet. Die WorldTour selbst wird aus denselben 38 Rennen bestehen wie in diesem Jahr, aber es wird eine Subserie aus Eintagesrennen geben, die UCI Classics Series heißen wird. Die Bezeichnung .HC wird ersetzt durch eine neue Untergruppe namens UCI ProSeries, die zwischen der WorldTour und den .1-Rennen des Continental-Kalenders angesiedelt ist. Der Hauptunterschied wird sein, dass die Vergabe der Wildcards modernisiert und so geregelt wird, dass erfolgreiche „ProTeams“ sich qualifizieren können, statt auf die Großzügigkeit der Organisatoren angewiesen zu sein. Die andere große Idee der UCI – festgelegte Ligen mit Auf- und Abstiegsregelungen – scheint vom Tisch zu sein, obwohl mit den schwammigen Qualifikationskrite rien für WorldTour-Lizenzen dieselbe Gefahr in das System eingebaut ist. Laut UCI müssen die WorldTeams jedes Jahr „ethische, administrative, finanzielle und organisatorische Kriterien“ erfüllen, um ihre Position zu halten, und – das ist das Unklare – auch ihr „sportliches Kriterium“ wird nach drei Jahren überprüft (obwohl nicht klar ist, wie es bewertet wird). Für diese Saison ist der einzige erkennbare Unterschied, dass die World- Tour-Rangliste verschwindet und es nur noch das UCI World Ranking geben wird, das nach Eintages-Punkten und Rundfahrt-Punkten unterteilt sein wird. Das hatten wir alles schon mal. Aus der Super- Prestige Pernod der 1960er und ’70er ging die UCI-Rangliste hervor, aus der der Weltcup hervorging, aus dem die ProTour hervorging, aus der die WorldTour hervorging ... Das permanente Her umbasteln bedeutet, dass Vergleiche zwischen Zeitaltern und Rennen schwerer denn je anzustellen sind. Derweil sind die großen Rennen immer noch dieselben neun wie seit über 30 Jahren, egal, was die UCI sagt. Die Fahrer und Teams werden sich viel mehr auf ein gutes Abschneiden bei diesen einzelnen Rennen konzentrieren als auf ihre finale Position im World Ranking und der Klassiker-Serie. 2020 stehen wieder mal Veränderungen im „Ligasystem“ des Radsports an. © Getty Images Trek wird Fuß fassen Das neue Trek-Segafredo-Frauenteam hat das Arsenal, um eine unwiderstehliche Kraft zu werden, vor allem bei Eintagesrennen. Ich glaube, sie werden viel gewinnen und Boels und Mitchelton-Scott herausfordern. 54 PROCYCLING | MÄRZ 2019

DIE GESCHICHTEN DES JAHRES 2019 MASSENSPRINTER Die virtuelle Jury des Radsports hat ausführlich debattiert, wer der beste Sprinter des letzten Jahres war. War es Elia Viviani, der 18 Siege holte, darunter vier beim Giro? Oder waren es Dylan Groenewegen oder vielleicht Fernando Gaviria, deren Ausbeute kleiner war, die aber beide auf der größten Bühne, der Tour, zwei Etappen gewannen? Die Hierarchie der Sprinter hat sich atomisiert, seit Mark Cavendishs HTC- Zug auf der Straße das Sagen hatte. Seinem damaligen und heutigen Anfahrer Mark Renshaw zufolge gibt es heute mehr Topsprinter, die sich die guten Helfer untereinander aufgeteilt haben. Die Sprinttaktik hat sich nicht weiter-, sondern eher zurückentwickelt. Die erfolgreichsten Fahrer sind heute die, die es verstehen, die Anarchie zu nutzen. Renshaw erwartet für 2019 chaotischere Sprints denn je. Trotzdem – wer könnte sich hervortun? Viviani hat bei der Tour den am besten ausgestatteten Sprintzug: Deceuninck–Quick- Step. Groenewegen hat eine Arbeitstaktik entwickelt, die darauf beruht, einen furiosen späten Angriff als Katapult für seinen Sprint zu nutzen. Sie gehen beide selbstbewusst in die Saison 2019 TOPSPRINTER DES JAHRES 2018 FERNANDO GAVIRIA UAE Emirates 9 Siege 2018 ELIA VIVIANI Deceuninck– Quick-Step 18 Siege 2018 DYLAN GROENE- WEGEN Jumbo-Visma 14 Siege 2018 und setzen vor allem auf Kontinuität. Andernorts gab es eine Runde „Reise nach Jerusalem“. Der junge Caleb Ewan ersetzt bei Lotto Soudal André Greipel. Letzter ist zu Arkéa-Samsic gewechselt; sein gut gedrillter Sprintzug wurde aufgelöst. Fernando Gaviria hat einen späten Transfer zu UAE-Emirates gemacht und wird sich ohne seine Pilotfische Maximiliano Richeze und die Deceuninck–Quick-Step-Maschine einen neuen Plan zurechtlegen müssen. Marcel Kittel hatte ein suboptimales 2018. Er habe die ursächlichen Probleme identifiziert und gelöst, sagt er. Er wollte nicht näher ausführen, worum es sich handelte, aber Spannungen im Katusha-Team dürften dazu gehört haben. Ein Fahrer, auf den man gespannt sein darf, ist Quick-Steps junger Holländer Fabio Jakobsen. Timo Roosen, Groenewegens Anfahrer, sagte: „Er ist ein Kraftwerk. Kombiniere ihn mit einem starken Team, und ich glaube, er ist der nächste große Sprinter.“ © Gruber Images (oben), BettiniPhoto (Gaviria), Getty Images (Viviani), Yuzuru Sunada (Groenewegen) MÄRZ 2019 | PROCYCLING 55