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Procycling 04.19

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DAS LETZTE WORT JENS

DAS LETZTE WORT JENS VOIGT Nach der Suspendierung von zwei Fahrern wegen Dopings sieht Jens sich die Vergangenheit wiederholen. © Getty Images Schon wieder? Echt jetzt? Ich dachte, wir müssten uns nie wieder damit befassen. Es war kein guter Monat für den Sport im Allgemeinen und für den Radsport im Besonderen. Der Fall von Blutdoping in Österreich hat auch den Radsport erfasst. Zwei Fahrer haben gestanden, dass sie an dieser Affäre beteiligt waren – Stefan Denifl und Georg Preidler. Ich hatte die Hoffnung, dass so etwas wie Blutdoping der Vergangenheit angehören würde, dass die neue und jüngere Generation aus der Geschichte gelernt hätte und dass niemand im modernen Radsport dorthin zurückkehren würde. Ich war traurig, erzürnt und enttäuscht, als ich die Nachrichten las. Nun kann man sagen, dass es nicht nur Radfahren, sondern auch andere Sportarten betrifft. Ja, aber warum muss unser Sport wieder darin verstrickt sein? Warum kann es nicht sein, dass mal kein Radfahrer beteiligt ist? Was läuft schief in unserem Sport, dass wir immer noch Fälle wie diese haben? Warum haben Sportler immer noch das Gefühl, dass es für sie keinen anderen Weg gibt, als illegale Methoden oder Substanzen zu benutzen? Und warum befassen sich manche Menschen anscheinend nicht mit der Vergangenheit und ziehen ihre Lehren daraus? Man kommt in unserer Zeit einfach nicht mehr damit durch. Wir haben Kontrollen, biologische Pässe, gezielte Tests … Sie können dem System nicht entkommen, wenn sie illegale Dinge tun. Es ist wirklich frustrierend herauszufinden, dass die Menschen immer noch versuchen, eine Abkürzung zu Erfolg, Geld und Ruhm zu nehmen, oder dass manche Sportler immer noch verzweifelt genug sind, es auszuprobieren. Wird dieser Fall unseren Sport zerstören? Nein, natürlich wird er das nicht. Aber der Radsport hat erneut einen weiteren Makel bekommen, und wieder müssen wir alle damit umgehen, und wir alle müssen Fragen beantworten. Unsere Freunde, Kollegen, Familien, Partner, Teammitglieder, Sponsoren und Journalisten werden uns danach fragen. Für das Fehlverhalten einiger weniger werden wir alle bestraft. Wir alle sind wieder in der Situation, unseren Sport zu erklären und zu verteidigen. Leider gibt es auch einen Dominoeffekt, der nicht nur den Profibereich trifft. Vielleicht verlieren wir junge Radtalente aus den Juniorenmannschaften, wenn ihre Eltern sie vor Doping schützen wollen. Fast jeder Radfahrer ist davon betroffen – ich habe es satt, dass ein paar Leute uns alle wieder verletzen können. Ihr werdet mir zustimmen, dass wir keine weiteren Fälle wie diese brauchen. „ES IST WIRKLICH FRUSTRIEREND HERAUSZUFINDEN, DASS DIE MENSCHEN IMMER NOCH VERSUCHEN, EINE ABKÜRZUNG ZU ERFOLG, GELD UND RUHM ZU NEHMEN.“ Es gibt jedoch vielleicht auch ein paar positive Punkte, die man sehen sollte. Dieser Fall zeigt, dass Dopingsünder zur Strecke gebracht werden. Und natürlich können wir sagen, dass der Sport ohne diese Radfahrer sauberer ist. Aber es wäre trotzdem besser, insgesamt einen sauberen Sport zu betreiben, ohne weitere Skandale und Dopingfälle. Ich hoffe nur, dass alle Sportler in allen Sportarten davon lernen und einfach keine illegalen Dinge mehr tun. Ich rüge nicht den Radsport – es ist immer nur das Tun einiger weniger Leute, nicht der ganzen Sportart. Ich hoffe, dass wir in Zukunft keine solchen Fälle mehr haben werden. Unser Sport ist zu schön, um Georg Preidler gab sein Dopingvergehen bei der Befragung durch die Polizei zu. durch die Verfehlungen einiger weniger Menschen, die den falschen Weg gehen, runtergezogen zu werden. Ich werde meine Finger und Zehen kreuzen, damit ich nie wie-­ der darüber schreiben muss. Niemals. Punkt. Jens Voigt beendete seine Profi- ­ karriere 2014 nach 18 Jahren. Der Berliner war einer der angriffslustigsten und beliebtesten Fahrer im Peloton. Unter anderem hielt er für 42 Tage den Stundenweltrekord. 114 PROCYCLING | APRIL 2019

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