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Procycling 07.2019

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„WENN SIE DIR

„WENN SIE DIR VERTRAUEN, FOLGEN SIE DIR“ © Kramon (groß), Yuzuru Sunada LUKE ROWE TEAM INEOS Jetzt Capitaine de Route, hat Rowe die letzten vier Frankreich- Rundfahrten bestritten, die das Team gewonnen hat, und galt als „wesentlich“ für den Sieg von Geraint Thomas 2018. Bei den letzten vier Frankreich- Rundfahrten, an denen ich 2015, 2016, 2017 und 2018 teilgenommen habe, haben wir das Gelbe Trikot immer ziemlich früh geholt, und das bedeutete viel Zeit an der Spitze – und das ist ein großer Teil meines Jobs. Um das leisten zu können, muss man etwas besser klettern können. Du kannst bei einem Rennen viel weiter gehen. Je länger ich vorne bleiben und das Tempo vorgeben kann, umso mehr Fahrer und zahlenmäßige Stärke haben wir gegen Ende des Rennens. Jeder Kilometer, den ich Tempo machen kann, heißt ein Kilometer weniger, den andere Jungs Tempo machen müssen. Ein Fahrer weniger bei Tour-Teams bedeutet ein Helfer weniger, da das Team immer den Topfahrer mitnimmt. Das hat einen Dominoeffekt: Es erhöht den Wert eines Fahrers, der viele Rollen spielen kann. Wenn du jemanden hast, der sich bei Sprintankünften um einen Fahrer kümmern, an der Spitze fahren und halbwegs anständig klettern kann, ist er sehr wertvoll. Das ist mit viel Druck verbunden. Bei Paris–Nizza in diesem Jahr war klar, dass es auf den ersten Etappen Seitenwind geben würde, und wir hatten ein Team, das eigentlich nur aus Kletterern bestand. Es ist klar, dass du dort antrittst und eine Aufgabe hast, und wenn du diese Aufgabe nicht erfüllst, sind deine Klassementfahrer, Kwiato und Bernal, komplett isoliert. Es ist nicht der Job der Kletterer, dort zur Stelle zu sein, sie haben es am Col de Turini krachen lassen, das ist mein Job im Wind. Große Kapitäne – Kwiato, Bernal, G und Froomey – lassen dich besser werden, als du bist. Sie folgen deinem Hinterrad. Aber es wichtig, dass sie dir vertrauen. Wenn sie dir vertrauen, folgen sie dir, was immer du machst. Wenn ich nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin, verliere ich ihr Vertrauen, aber wenn du es regelmäßig richtig machst und sie das sehen, wird es leichter. In jedem Team gibt es immer einen oder zwei Fahrer für diese Aufgabe. Du weißt, wer sie sind – Bernie Eisel, Michael Schär, Marcus Burghardt, diese Jungs sind die Besten in der Welt. Sie versuchen alle, denselben Job zu machen, deswegen ist es einfacher, miteinander klarzukommen und zu akzeptieren, dass wir es nicht alle perfekt machen, weil wir alle in diese erste Kurve wollen und nur einer von uns das kann. Als ich zu Sky kam, war das Team etwas älter. Wir hatten Fahrer wie Bernie Eisel und Mat Hayman und ich hatte das Glück, unter ihnen Profi zu werden. Was sie mir gegeben haben, war sehr wertvoll und ich werden ihnen immer dankbar dafür sein, was sie mir beigebracht haben. 78 PROCYCLING | JULI 2019

L E TO U R 20 19 „ENTWEDER HAST DU ES ODER DU HAST ES NICHT“ MICHAEL SCHÄR CCC TEAM Mit 13 Jahren Erfahrung gilt der Schweizer vielen als bester Road Captain im Peloton. Es ist natürlich ein Mannschaftssport, aber in jedem Team gibt es einige Fahrer, die dieselben Resultate anstreben, und das ist bei jedem Rennen gleich. Du musst dir das Vertrauen deiner Kapitäne erarbeiten, was das Wichtigste ist; wenn sie deinem Hinterrad nicht vertrauen, weil du seltsam fährst, machst du es nicht richtig. Das Erste ist Vertrauen, und dann musst du das Rennen verstehen, die kleinen Aktionen machen und nicht zu viel Energie verschwenden, wenn es nicht nötig ist. Ich glaube nicht, dass das mit der Erfahrung zusammenhängt, entweder hast du es oder du hast es nicht … Du bist einer dieser Kämpfer, die in jedem Finale sind. Jeden Tag berühren sich meine Ellbogen mit denen von Luke Rowe – es sind immer dieselben Jungs. Es sind acht oder zehn Jungs. Wir kennen uns, wir lachen, aber gehen nicht zimperlich miteinander um. Marcel Sieberg ist ein guter Freund von mir, aber wenn das Finale im Gange ist, sind unsere Ellbogen nebeneinander, während wir zehn Kilometer vorher noch plauderten. Das ist der Punkt, du hast es entweder drauf oder nicht. Das siehst du bei vielen Neuprofis: Sie haben es nicht raus, und plötzlich kriegen sie es raus. Nathan van Hooydonck kam letztes Jahr zum Team und ich sagte am ersten Tag: Shit, das ist ein harter Bursche, der kämpfen kann. Das wird er seine ganze Karriere haben. „VORNE BIST DU IMMER MIT DENSELBEN JUNGS ZUSAMMEN“ Meine Rolle hat sich sehr entwickelt, seit ich 2017 zum Team kam. Ich erinnere mich an den Telefonan - ruf von Vincent Lavenu, und er sagte: „Nach den Klassikern sind wir immer das letzte Team in der WorldTour mit null Punkten. Wir wollen einfach einen Klassiker-Kapitän, der regelmäßig zwischen dem 10. und 20. Platz landet und ein paar Punkte holt.“ Ich dachte: Okay, ich bin Profi im zweiten Jahr und das ist etwas, was ich schaffe. Die Erwartungen waren nicht so hoch. Dann erreichte ich 2017 einen Podestplatz [Dritter E3 Harelbeke], und im folgenden Jahr wollten sie weitere Podestplätze. Die Rolle, die ich im Team habe, ist Kapitän für die Eintagesrennen und Helfer für Romain bei den Rundfahrten. Das ist eine Rolle, die ich wirklich liebe, sie liegt mir sehr gut. Im letzten Jahr sind die Teams bei der Tour um einen Mann kleiner geworden, und für einen Fahrer wie mich war das das Beste. Denn wenn du Spezialist für das Fahren im Flachen oder fürs Klettern oder sonst etwas bist, brauchen die Teams, wenn sie kleiner werden, mehr vielseitige Fahrer wie mich. Vorne bist du immer mit denselben Jungs zusammen. Ich erinnere mich an den ersten Tag von Paris–Nizza, ich fuhr die ganze Zeit neben Luke Rowe. Ich habe auch erkannt, wenn ich nicht da gewesen wäre, hätte es eine große Chance gegeben, dass Romain am Ende nicht Vierter oder Fünfter gewesen wäre. Wie bei der Tour de France ist es superwichtig, dass ein Typ wie ich da ist. Wenn du neu im Feld bist und versuchst, vor einer wichtigen Stelle auf Position zu fahren, lassen die anderen Fahrer oder Teams dich nicht rein. Sie denken: Verdammt, der Typ wird eine Lücke aufgehen lassen. Wenn ich jetzt eine der vorderen Positionen übernehme, legt sich keiner mit mir an, selbst wenn es ein langer Anstieg, eine Kopfsteinpflasterrampe oder Wind ist. Ich habe das Gefühl, wirklich respektiert zu werden, und jeder ist zufrieden, mich an der Spitze zu sehen. Ich glaube nicht, dass sich irgendjemand Sorgen macht, dass ich Lücken aufgehen lasse, daher bekomme ich viel Platz. OLIVER NAESEN AG2R LA MONDIALE Der 29 Jahre alte Belgier ist ein Klassiker- Spezialist und brutal stark im Flachen. Das macht ihn zu einem wichtigen Leutnant für Romain Bardet. Naesen, ehemals belgischer Meister, war für Bardet bei der Tour unverzichtbar. JULI 2019 | PROCYCLING 79