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Procycling 07.2019

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NACHLESE ANALYSE •

NACHLESE ANALYSE • ERKENNTNISSE • DATEN © Getty Images TOUR OF CALIFORNIA / 12.–18.05.2019 KALIFORNISCHER TRAUM FÜR TADEJ POGAČAR Slowenen stehen im Radsport zur - zeit hoch im Kurs. Genau wie junge Fahrer. Starke Fahrer sind immer gefragt. Und genau an der Schnittstelle dieses dreifeldigen Mengendiagramms steht Tadej Pogačar, dessen Erfolg bei der Kalifornien-Rundfahrt 2019 der jüngste große Sieg durch einen Fahrer Anfang 20 ERGEBNIS war. Egan Bernal gewann Paris–Nizza mit 22, Mathieu van der Poel das Amstel Gold mit 24 (aber als Neuling auf der Straße). Pogačar ist jünger als beide – er wird erst im September 21. Der Slowene war vielleicht nicht der stärkste Kletterer der Kalifornien-Rundfahrt – EF-Education-First-Fahrer Sergio FAHRER TEAM ZEIT 1 Tadej Pogačar UAE Emirates 32:55:12 2 Sergio Higuita EF Education First + 0:16 3 Kasper Asgreen Deceuninck–Quick-Step + 0:17 4 George Bennett Jumbo–Visma + 0:29 5 Richie Porte Trek-Segafredo + 0:41 Pogačar jubelt über seinen Etappensieg auf dem Mount Baldy, wo er das Gesamtklassement klarmachte. 2 Rundfahrsiege in Pogačars bisheriger Karriere Higuita (Alter: 21) wirkte auf dem entscheidenden Anstieg zum Mount Baldy munterer. Aber Pogačars Timing war besser, er war geduldiger als der Kolum bianer und in der letzten scharfen Haarnadelkurve 100 Meter vor der Ziellinie aufmerksamer. Higuita fuhr drei Kilo meter vor dem Ziel eine bissige Attacke, womit er Poga čar abhängte, aber es war ein Angriff, der ihn viel Kraft kostete, insbesondere aufgrund der Höhe des Berges. Während Po gačar, George Bennett und Richie Porte in einem regelmäßigen Rhythmus kletterten, distanzierte Higuita sie und fiel dann langsam zu Pogačar zurück, als er seine Körner verschossen hatte. Dann heftete sich der Slowene in den letzten kurzen Serpentinen an das Hinterrad des Kolumbianers. Higuita ging etwas zu flott in die letzte Kurve und musste bremsen, sodass Poga čar die Kurve nur etwas schärfer anzuschneiden brauchte – jetzt war er schneller als Higuita und hatte eine kürzere Strecke, womit er die Nase vorn hatte. Der Etappen sieg brachte ihm das Gelbe Trikot, und obwohl er auf der kurzen, hügeligen letzten Etappe nach Pasadena durch den Deceu - ninck-Mann Kasper Asgreen (Alter: 24) 88 PROCYCLING | JULI 2019

EDWARD PICKERING Herausgeber Ed genoss seinen ersten Besuch bei der Tour of California, wo ihm das spannende Rennen und die tolle Landschaft gefielen. SAM DANSIE Redakteur Am Giro gefiel Sam besonders, wie Ausreißer Etappensiege einfuhren. Wenn doch die Tour so offen wäre! SOPHIE HURCOM Procycling-Autorin Dumoulin mag das Rosa Trikot verpasst haben, doch sein Pech beim Giro könnte die Tour spannender machen. SADHBH O’SHEA Procycling-Autorin Der Giro fing gemächlich an, doch als er die Berge erreichte, gab er uns, was wir sehen wollten. unter Druck gesetzt wurde, geriet er nicht in Panik. Es gab genug motivierte Sprinter bei der Rundfahrt, um die Ausreißer zu stellen, und der Slowene gewann sein erstes WorldTour-Etappenrennen. Die Kalifornien-Rundfahrt ist ein ziemlich unkompliziertes Rennen. Die breiten Straßen, sanften Kurven und der gleichmäßige Belag der amerikanischen Straßen sowie das milde Klima an der Pazifikküste im Mai eliminieren viele Schwierigkeiten, die für europäische Rennen typisch sind. Es kann bei einem belgischen Rennen zehn oder 20 Kilometer dauern, um auf eine gute Position an der Spitze des Feldes zu fahren, weil kein Platz da ist, um nach vorn zu kommen. In Kalifornien sind die Straßen breit genug für 15 oder mehr Fahrer – wenn das Peloton bei einem belgischen Klassiker einem schnell fließenden Fluss mit aufgewühltem und wirbelndem Wasser ähnelt, ist das kalifornische Peloton mehr wie ein langsam dahinfließender, breiter Strom. Das schließt Taktik nicht aus, es ändert sie nur. Timing ist mehr das Problem – wenn das Peloton vor sich hin rollt, kann sich ein Fahrer in einer Minute oder weniger von hinten nach vorne schieben. Wenn das Peloton sich in die Länge zieht, wird das eine längere und anstrengende Angelegenheit. Van Garderen trug zeitweise das Führungstrikot, doch am Mount Baldy schwächelte er. Doch wo die Streckenplaner der Kalifornien-Rundfahrt das Rennen nicht technisch anspruchsvoll machen können, machen sie es körperlich schwer. Die 1. Etappe war der einzige flache Tag, und er ging an Peter Sagan. Aber die Gesamtwertung nahm schon am nächsten Tag Gestalt an, als es von Meereshöhe aus nach South Lake Tahoe ging und unterwegs der knapp 2.600 Meter hohe Carson Pass zu bezwingen war. Die gleichmäßige und schwere Kletterpartie auf große Höhe kam Mark Cavendish vor wie mehrere Stunden auf dem Turbotrainer, und die zermürbende Natur der Etappe bedeutete, dass die welligen letzten 30 Kilometer, die auf Meereshöhe für Risse im Feld gesorgt hätten, zu einem ausgewachsenen Krieg wurden, als EF Education First das Rennen sprengte. Das Team hängte mehrere gefährliche Rivalen ab, darunter Bennett und Porte, und während Asgreen die Etappe oberhalb von South Lake Tahoe im Sprint gewann, holte EF-Profi van Garderen das Gelbe Trikot. Pogačar hatte es auch in die Spitzen gruppe geschafft – er verlor zehn Sekunden im Finale, aber zu diesem Zeitpunkt sah van Garderen, der das Rennen schon einmal gewonnen hatte und seine Karriere mit seinem neuen Team neu startet, wie der Favorit aus. EF fuhr, als wäre van Garderen der Favorit. Die Fahrer halfen, die Form der Etappen siege auszuwählen – eine Langstrecken-Attacke, bei der Deceuninck-Profi Rémi Cavagna gewann, und zwei Sprints, die Cavagnas Teamkollege Fabio Jakobsen sowie Bahrain-Mann Iván García gewannen. Sie schalteten sogar nahtlos auf Plan B um, als van Garderen am Mount Baldy einbrach, sodass Higuita die Kapitänsrolle übernehmen und Gesamt-Zweiter werden konnte. Ärgerlich für das Team war einzig die knappe Niederlage – ein weiteres Mal, dass es bei ihrem Heimrennen den Sieg verpasste. Bei den letzten zwölf Auflagen der Kalifornien-Rundfahrt war es sechsmal Zweiter, dreimal Dritter und zweimal Vierter, ohne je gewonnen zu haben. Dass Tadej Pogačar mit 20 Jahren auftaucht und auf Anhieb siegt, macht diese Statistik für EF nicht leichter verdaulich. EF EDUCATION SECOND Die Geschichte von EF Education First als Erst l iga- Team geht auf 2008 zurück, als das Team ProConti-Status bekam, nachdem es einige Jahre lang in den USA unter dem Namen TIAA-Cref als Nachwuchsteam unterwegs gewesen war. Es gab 2006 sein Debüt bei der Kalifornien-Rundfahrt, im ersten Jahr des Rennens, und riss keine Bäume aus. Dan - ny Pate sorgte mit dem 28. Rang für die höchste Platzierung. 2007 war es ähnlich, aber 2008 hatte es sich unter dem neuen Namen Slipstream erheblich verstärkt. Die Kalifornien-Rundfahrt war eines der größten Ziele des Teams, und David Millar wurde Gesamt-Zweiter hinter Levi Leipheimer. Damit be - gann eine lange und frustrierende Serie von hohen Gesamtplatzierungen – das Team hatte seitdem jedes Jahr wenigstens einen Fahrer unter den ersten vier, außer 2013, wo nur ein Etappensieg für Tyler Farrar die Tatsache übertünchte, dass es in der Gesamtwertung keine Rolle spielte. 2020 wird der 15. Anlauf auf den Gesamtsieg sein. Es wird ein verdienter Sieg sein, wenn es ihn endlich landet. TEAM EF IN KALIFORNIEN JAHR SIEGER BESTER EF-FAHRER 2019 Tadej Pogačar Sergio Higuita, 2. 2018 Egan Bernal Dani Martínez, 3. 2017 George Bennett Andrew Talansky, 3. 2016 Julian Alaphilippe Andrew Talansky, 4. 2015 Peter Sagan Joe Dombrowski, 4. 2014 Bradley Wiggins Rohan Dennis, 2. 2013 Tejay van Garderen Jakob Rathe, 34. 2012 Robert Gesink David Zabriskie, 2. 2011 Chris Horner Tom Danielson, 3. 2010 Michael Rogers David Zabriskie, 2. 2009 Levi Leipheimer David Zabriskie, 2. 2008 Levi Leipheimer David Millar, 2. 2007 Levi Leipheimer Danny Pate, 16. 2006 Floyd Landis Danny Pate, 28. © Getty Images JULI 2019 | PROCYCLING 89